Hannes Knickenberg steht auf einer Wiese, hinter ihm weiße Kühe. Er lächelt.

Hannes Knickenberg hat zusammen mit seinen Schwestern den Hof ihres Vaters geerbt

Wenn der Vater plötzlich stirbt: 20-Jähriger erbt Bauernhof

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Hannes Knickenberg hat früh seinen Vater verloren. Jetzt ist er für einen ganzen Hof in Hamm verantwortlich - samt Kuhherde, Schweinen und Hühnern. So geht der 21-Jährige mit dieser besonderen Herausforderung um.

Von Anke Hoffmann

Als Hannes Knickenberg das Tor zur Weide öffnet, kommen schon die ersten Kühe aus mehreren Hundert Metern Entfernung angelaufen. "Küüüste, komm!", ruft Knickenberg, und auch die hochschwangere Mutterkuh trabt gemächlich auf ihn zu. "Wir erwarten jeden Tag, dass sie kalbt", sagt der 21-Jährige und tastet den Bauch der Kuh ab. "Manchmal fehlt schon jemand, den man mal um Rat fragen kann. Das hier war immer Papas Ding." Bis vor etwas mehr als einem Jahr hat sich Knickenbergs Vater um alles gekümmert. Dieses Jahr steht sein Sohn an seiner Stelle auf der Wiese und ist für die Kühe, Schweine und Hühner auf dem Hof verantwortlich.

Warum die Arbeit auf dem Hof zu Beginn eine Herausforderung war

00:08 Min. Verfügbar bis 15.06.2027

Mit 68 Jahren stirbt Knickenbergs Vater an Krebs. Knickenbergs Großeltern hatten den Hof in Hamm aufgebaut und die Hoferzeugnisse auf dem Markt verkauft. Sein Vater führt den Hof im Nebenerwerb weiter und baut die Mutterkuhhaltung auf. Knickenberg verbringt einen großen Teil seiner Kindheit auf dem Hof und zieht wieder zurück, als sein Vater krank wird. Die ganze Geschichte der Knickenbergs zeigen wir auch hier auf unserem Youtube-Kanal WDR Lokalzeit LandSchafft.

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Nachwuchssorgen in der Landwirtschaft

So wie der Hof in Hamm sind laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft über 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland Familienbetriebe. Oft werden sie von Generation zu Generation weitergegeben. Doch längst nicht überall funktioniert der Generationenwechsel. Das zeigte 2020 die alle zehn Jahre durchgeführte, umfassende Landwirtschaftszählung: Bei 63 Prozent der Einzelunternehmen mit Betriebsleitungen über 55 Jahren war die Nachfolge ungeklärt. Die fehlende Nachfolge ist einer der Gründe, warum es in Deutschland immer weniger, dafür aber immer größere landwirtschaftliche Betriebe gibt.

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Den Hof des Vaters aufzugeben, kam für die Knickenbergs nicht infrage - obwohl keiner der drei Geschwister eine landwirtschaftliche Ausbildung hat. "Für meine Schwestern und mich war klar: Wir wollen den Hof behalten", erzählt Knickenberg, während er vor seinen weißen Kühen herläuft und sie auf eine neue Wiese treibt. Die Geschwister sind eine Erbengemeinschaft, jeder hat seinen Aufgabenbereich. "Ich kümmere mich um alles, was den Hof und die Tiere angeht - einfach, weil ich hier vor Ort wohne", sagt Knickenberg. "Meine kleine Schwester wohnt auch hier und hilft im Garten oder mit der Wiese. Meine große Schwester wohnt woanders, die übernimmt den bürokratischen Teil. Da fällt immer viel an."

Landwirte im Spagat: Ein Hof als Zweitjob

Um das Erbe des Vaters fortzuführen, kaufte Knickenberg letztes Jahr einen neuen Bullen. Von Pedro lässt er seine Charolais-Rinder decken. Nach der Geburt bleiben die Kälber ein halbes Jahr bei ihren Mutterkühen auf der Weide, bevor der 21-Jährige sie zum Mästen verkauft. "Das nimmt schon viel Zeit in Anspruch. Aber es macht mir Spaß, und dann fühlt es sich auch nicht nach Arbeit an", sagt Knickenberg und bereitet den Trecker vor, um die abgefressene Wiese zu mulchen. 

Diese Pläne hat Hannes Knickenberg für den Hof

00:23 Min. Verfügbar bis 15.06.2027

Wie sein Vater führt auch Knickenberg den Bauernhof im Nebenerwerb. Drei Tage die Woche arbeitet der 21-Jährige als Schlosser. Die restliche Zeit kümmert er sich um den Hof. In Nordrhein-Westfalen gab es 2023 nach Angaben der Landwirtschaftskammer NRW insgesamt 29.040 landwirtschaftliche Betriebe als Einzelunternehmen. Davon wurden 51,6 Prozent im Nebenerwerb geführt.

"Wenn Papa das sehen würde ..."

Wenn Knickenbergs Rinder im Sommer draußen stehen, hält sich der Arbeitsaufwand in Grenzen. Im Winter steht allerdings vor und nach der Arbeit Füttern und das Einstreuen des Kuhstalls an. Harte Arbeit, die sich am Ende aber lohnt, betont Knickenberg: "Wenn die Kühe nach fünf Monaten Winter aus dem Stall kommen und auf die frische Wiese laufen, ist das ein besonderer Moment. Früher stand ich hier immer mit meinem Vater und er sagte dann: 'Deswegen mache ich das.'"

Eine weiße Kuh steht auf einer Wiese.

Charolais-Rind von Familie Knickenberg

Es sind Erinnerungen wie diese, die den 21-Jährigen antreiben und ihm das Gefühl geben, seinem Vater weiterhin nah zu sein. "Ganz oft macht mir das einfach Spaß, weil ich denke, wenn Papa das sehen würde, würde er es schon ziemlich cool finden. Das war halt unser Ding."

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