Landwirt Hubert Loick mit dem PlayMais
PlayMais: Wieso der Erfinder sein Unternehmen Erdnussflips verdankt
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Angefangen hat alles vor rund 30 Jahren mit einem Erdnussflip - heute ist Hubert Loick aus Dorsten Chef eines Millionenunternehmens. Eigentlich wollte der Landwirt damals Verpackungsmaterial aus Mais produzieren. Stattdessen entwickelt er eher zufällig ein Kinderspielzeug. Wie PlayMais zum länderübergreifenden Verkaufshit wurde.
"Dass das so groß wird, da habe ich anfangs überhaupt nicht dran gedacht", sagt PlayMais-Erfinder Hubert Loick. Er sitzt in einer meterhohen Halle, umgeben von übereinandergestapelten Säcken voll mit den bunten, zylinderförmigen Bausteinen aus Mais und bastelt eine Blume. Vorsichtig befeuchtet er mit seiner Zunge ein blaues Stück PlayMais und klebt die letzte Blüte an sein Werk.
Hubert Loick zwischen meterhoch gestapelten PlayMais-Säcken
In diesem Jahr feiert seine Erfindung ihren 25. Geburtstag. Zu Loicks Mais-Imperium gehören inzwischen 85 Firmen mit 180 Mitarbeitern. Er produziert an sieben Standorten in Europa, der Gesamtumsatz liegt bei 170 Millionen Euro. In einem Jahr werden laut Loick mehr als 500 Kubikmeter Verpackungschips hergestellt. "Die füllen einmal die Schalke-Arena", erklärt der Unternehmer. Vom Bauern zum Chef eines Millionenunternehmens, wie hat der Dorstener das geschafft?
Angefangen hat seine Erfolgsgeschichte mit einer handelsüblichen Tüte Erdnussflips. Nach einer Party lag der Snack eine Weile in seinem Büro. In der kühlen und leicht feuchten Umgebung wurden die Flips weich und elastisch. Loick griff in die Tüte, tastete und bemerkte: Die alten Flips sehen aus und fühlen sich an wie die Styroporchips, die er aus Paketen kennt. In diesem Moment reifte in ihm erstmals die Idee, aus Mais ein biologisch abbaubares Verpackungsmaterial herzustellen.
PlayMais: Wie aus Verpackungsmaterial ein Spielzeug wurde
Loick entstammt einer Reihe von Landwirtinnen und Landwirten: Sein großer Bauernhof in Dorsten mit den weitreichenden Feldern drumherum wird schon seit 450 Jahren von seiner Familie betrieben. Doch damit er seine Idee umsetzen kann, muss er den Hof radikal umbauen - und nicht mehr nur als Landwirt denken. Wer heute Landwirt ist, müsse auch Unternehmer sein, meint Loick.
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Gemeinsam mit einem Universitätsprofessor reiste er vor etwa 30 Jahren nach England und führte erste Feldversuche durch. Mithilfe von Extrusion wollten sie den Mais in eine möglichst weiche und leichte Form bringen. Bei diesem Verfahren wird das Material - in Loicks Fall Mais - durch eine enge Düse in eine Form gepresst. Sie experimentierten so lange, bis ein großer Sack der Mais-Flocken nur noch etwas mehr als zwei Kilogramm wog.
Eine bunte Burg aus PlayMais
Loick bediente abends oft noch selbst die Maschinen und bastelte nebenbei mit dem entstandenen Verpackungsmaterial. Die enthaltene Stärke ließ die Mais-Teile bei Feuchtigkeit klebrig werden. Loick leckte die elastischen Verpackungschips an und bastelte mit ihnen ein buntes Männchen nach dem anderen.
Als eine seiner Maschinen kaputt war, konnte sie nur behelfsmäßig repariert werden. Die Mais-Chips der eigentlich defekten Maschine sahen anders aus und fühlten sich anders an als das Verpackungsmaterial. Zum Glück für Loick. Völlig begeistert saß er inmitten eines Haufens aus Mais-Teilen und klebte sie zusammen. "Ich sagte zu dem Geschäftsführer: 'Hol am besten eine Flasche Bier. Ich will gar nicht mehr aufstehen'", erinnert er sich.
"Traurig, aber entlastet"
Wenn Loick heute an seinen Abschied von der reinen Landwirtschaft nachdenkt, tut er das mit gemischten Gefühlen: "Als die Tiere alle vom Hof waren, war ich auf der einen Seite erst ein bisschen traurig, aber auch sehr entlastet." Früher musste er sich täglich um die Kühe kümmern. Abends mal ausgehen? Nicht möglich. Heute ist das anders.
Auch wenn Loick erfolgreicher Unternehmer ist, sagt er selbst: "Die Landwirtschaft ist immer bei mir. Ich bin immer noch Bauer." Aber er würde sich auch immer wieder für den Weg entscheiden, den er eingeschlagen hat. "Stehenbleiben heißt Stillstand", sagt er.