Streiks im Einzelhandel auch in NRW | WDR aktuell
WDR. 00:46 Min.. Verfügbar bis 15.05.2028.
Rewe, Kaufland & Co. : Streiks im Einzelhandel in NRW
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Bundesweit ruft Verdi Beschäftigte im Einzel-, Groß- und Außenhandel zum Streik auf. Auch in NRW könnten Kundinnen und Kunden am Brückentag vor geschlossenen Läden oder langen Schlangen stehen - unter anderem bei Kaufland, Rewe oder Ikea. Die Gewerkschaft will in festgefahrenen Tarifverhandlungen Druck machen - die Händler warnen vor Folgen.
Es ist Brückentag, viele Arbeitnehmer und Schüler haben frei und wollen den Tag zum Bummeln und Einkaufen nutzen. Doch die Tarifverhandlungen im Handel stocken. Die Gewerkschaft Verdi hat deshalb bundesweit die Beschäftigten sowohl des Einzel- als auch des Außen- und Großhandels dazu aufgerufen, ganztägig die Arbeit niederzulegen.
Und offenbar folgen einige Beschäftigte diesem Aufruf: Laut Gewerkschaft beteiligten sich bundesweit mehr als 5.000 Beschäftigte. Bestreikt werden nach Angaben einer Verdi-Sprecherin mehr als 200 Betriebe, darunter Filialen von Edeka, Rewe, Kaufland, Penny, Douglas, Zara, H&M, Metro und Ikea.
Zu spürbaren Einschränkungen für Kunden und Kundinnen soll es durch die Warnstreiks aber nicht kommen, schätzt der Branchenverband HDE. Laut Verdi NRW seien Verzögerungen im nordrhein-westfälischen Einzelhandel möglich, etwa an den Kassen oder bei der Leergutannahme.
Bundesweiter Streik bei Kaufland, Rewe und Co.: Verdi fordert höhere Löhne
"Der Handel setzt weiter Milliarden um. Gleichzeitig sollen die Beschäftigten erneut mit zu wenig abgespeist werden. Das sorgt für großen Unmut in den Betrieben", sagt Henrike Eickholt, die Verdi-Verhandlungsführerin in NRW. "Die Kollegen erwarten Respekt für ihre Arbeit - und der zeigt sich auf dem Lohnzettel. Deshalb werden wir den Druck in den Betrieben jetzt deutlich erhöhen."
"Die Preise steigen weiter, während die Arbeitgeber einen Abschluss unterhalb der Inflation anbieten. Viele Beschäftigte erleben jeden Tag, dass ihr Einkommen immer weniger reicht. Die Streiks am Freitag sind deshalb ein klares Signal an die Arbeitgeberseite." Henrike Eickholt, Verhandlungsführerin Verdi NRW
Verdi-Streikkundgebung in Dortmund und anderen Städten
In Dortmund, aber auch in Frankfurt/Main, Hamburg und Stuttgart finden Streikkundgebungen statt. Für die Kundgebung in Dortmund spricht Verdi von rund 1.000 Streikenden, die Polizei von 400. Der Demozug führt durch die Dortmunder Innenstadt, hauptsächlich durch die Fußgängerzone. Mit größeren Verkehrsproblemen dürfte also in Dortmund eher nicht zu rechnen sein.
"Ohne uns, kein Geschäft", ist laut einem WDR-Reporter vor Ort die zentrale Botschaft der Streikenden in Dortmund. "Im Einzelhandel wurde es seit Corona immer schwieriger", sagt ein Mitarbeiter einer H&M-Filiale in Dortmund dem WDR.
"Wir müssen immer mehr Aufgaben erfüllen, mit immer weniger Leuten, und trotzdem bleiben die Gehälter gleich. Wir wollen zumindest einen Inflationsausgleich haben." Mitarbeiter einer Dortmunder H&M-Filiale
Die Arbeitgeber für den Einzelhandel in NRW haben zwar am Mittwoch in der zweiten Verhandlungsrunde ein Angebot vorgelegt. Aus Sicht von Verdi NRW würde dies aber "erneut zu Reallohnverlusten" führen, so Eickholt.
Tarifverhandlungen für Beschäftigte von Rewe, Kaufland und Co. gehen am 11. Juni weiter
Verdi fordert im Einzelhandel in NRW eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um sieben Prozent, mindestens jedoch um 225 Euro. Darüber hinaus setzt sich die Gewerkschaft für einen rentenfesten Mindeststundenlohn von 14,90 Euro ein sowie für eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 150 Euro. Die Laufzeit der Tarifverträge soll zwölf Monate betragen.
Laut Gewerkschaft sind in NRW im Einzelhandel insgesamt rund 734.000 Beschäftigte tätig. Die Tarifverhandlungen im Einzelhandel werden am 11. Juni in dritter Runde fortgesetzt. WDR-Wirtschaftsexperte Frank Christian Starke rechnet aber nicht mit einer schnellen Einigung. "Die Verhandlungen dürften sich hinziehen", so Starke.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort in Dortmund
- Verdi NRW in Pressemitteilung
- Sprecherin von Verdi NRW gegenüber dem WDR
- Hessenschau.de
- Nachrichtenagentur dpa
- Wirtschaftjournalist Frank Christian Starke
Sendung: WDR.de, "Einzelhandelsstreik in Dortmund", 15.05.2026, 15:02 Uhr