Rüstungsboom schafft Jobs

Aktuelle Stunde 30.04.2026 33:59 Min. Verfügbar bis 30.04.2028 WDR Von Andreas Palik

Stellen in der Industrie Rüstungsboom schafft neue Arbeitsplätze in NRW

Stand:

Viele NRW-Unternehmen hoffen wegen der steigenden Rüstungsnachfrage auf einen Aufschwung. Davon profitiert auch der Arbeitsmarkt.

Es sind viele kleine Kabel, die Dirk Kliczbor in ein einer Aufklärungsdrohne sauber verlegen und abschirmen muss, damit es keinen Kurzschluss gibt. Eine Fummelarbeit. "Würde das Klebeband nur nicht so sehr kleben", sagt er und lacht.

Kliczbor arbeitet bei Infinteq in Mülheim an der Ruhr. Das Unternehmen wurde erst 2024 gegründet und hat sich auf Drohnensysteme spezialisiert. Die Mitarbeiter bauen dort zum Beispiel Aufklärungsdrohnen, die in die Ukraine geliefert werden.

Rüstungsboom schafft neue Jobs in NRW

WDR 30.04.2026 03:25 Min. Verfügbar bis 28.04.2028

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Das Unternehmen profitiert von dem Boom in der Rüstungsindustrie - so auch die Mitarbeiter wie Kliczbor. Der 57-Jährige hat vorher 23 Jahre im Maschinenbau gearbeitet. Doch bei seinem alten Arbeitgeber gab es keine Perspektive mehr, sagt er: "Man hatte jeden Monat Angst, es gibt kein Geld. Darauf hatte ich keine Lust mehr. Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste." Deshalb ist er in die Rüstungsindustrie gewechselt.

Zahl der Stellen fast verdoppelt

Während es für viele Industriebetriebe in NRW schlechter läuft und Stellen abgebaut werden, läuft der Trend in der Rüstungsbranche in die andere Richtung. Es werden immer mehr Jobs geschaffen und neue Mitarbeiter gesucht. Bei dem Drohnenhersteller Infinteq beispielsweise arbeiten aktuell etwa 50 Menschen. Bis Ende des Jahres soll sich die Anzahl mehr als verdoppeln.

Zwei Männer stehen neben einer Drohne, die auf einem Tisch liegt, und unterhalten sich.

Infinteq-Geschätsführer André Komp unterhält sich mit einem Mitarbeiter über den Status der Drohne.

In viel größeren Maßstäben passiert das auch bei Rheinmetall - einem der größten deutschen Rüstungskonzerne mit Sitz in Düsseldorf. Aktuell arbeiten dort mehr als 40.000 Leute. Bis 2030 will das Unternehmen 70.000 Menschen beschäftigen.

Vera Saal schaut freundlich zur Kamera.

Dr. Vera Saal, Personalvorständin bei Rheinmetall

"Es ist eine große Bandbreite an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die wir suchen", sagt Vera Saal, Personalvorständin bei Rheinmetall. Der Konzern braucht Ingenieure, Schlosser, Mechatroniker und Elektroniker - unter anderem für den Standort Neuss, wo mehr als 200 neue Arbeitsplätze entstehen sollen.

Rüstung attraktiv für Unternehmen

Nach einer aktuellen Befragung der Industrie- und Handelskammern (IHK) NRW wollen immer mehr Unternehmen in der Rüstungsbranche arbeiten. Aktuell sind rund 15 Prozent der Industrieunternehmen in NRW bereits heute direkt oder als Zulieferer in der Rüstungsindustrie aktiv, weitere 13 Prozent wollen einsteigen.

Zwei Männer stehen in Schutzkleidung vor einen Stahlofen.

Die Mitarbeiter bei Schmees Cast bereiten gerade alles vor, um den geschmolten Stahl aus dem Ofen zur Form zu transportieren und zu gießen.

Neu im Rüstungsgeschäft ist die Stahlgießerei Schmees Cast in Langenfeld. Das Familienunternehmen, das seit Jahren Pumpen herstellt, hat vor kurzem die Zertifizierung bekommen, jetzt auch Panzerstahl zu gießen. Das Unternehmen hat sich neu ausgerichtet, noch in diesem Jahr sollen 20 Prozent des Umsatzes aus Rüstungsaufträgen kommen, sagt Inhaber Clemens Schmees:

Carsen Schmees steht vor einem Stahlofen und lächelt zur Kamera.

Carsten Schmees, Geschäftsführer und Inhaber von Schmees Cast Langenfeld

"Wir haben das in der Familie kontrovers diskutiert. Meine Mutter ist ein Kriegskind, die war sehr skeptisch, aber wir haben uns gedacht, das ist eine einmalige Chance." Ohne die Rüstungsproduktion hätte das Unternehmen seine rund 130 Mitarbeiter nicht halten können.

Rüstung löst Probleme nicht

Obwohl viele Unternehmen von der guten Auftragslage im Rüstungsbereich profitieren, heißt das noch nicht, dass die gesamte NRW-Wirtschaft einen Aufschwung erlebt, erklärt Mainz von der IHK NRW: "Die Probleme lassen sich sicher nicht lösen, dafür sind sie zu grundsätzlich: Hohe Kosten, Energie ist zu teuer, die Arbeitskosten sind zu hoch, Probleme bei der Nachfrage, das wird die Rüstung nicht schaffen."

Für viele ist es ein Strohhalm, ihr Geschäft zu stabilisieren. Matthias Mainz, IHK NRW

Mainz sagt, für viele Unternehmen - und auch die Mitarbeitenden in der Industrie - sei der Rüstungsboom trotzdem eine große Chance, die sie nutzen sollten. Die Chance hat auch Dirk Kliczbor bei Infinteq genutzt: "Hier habe ich eine Perspektive, wo ich hoffentlich bis zur Rente arbeiten kann."

Unsere Quellen:

  • Besuch des WDR-Reporters bei Infinteq in Mülheim an der Ruhr und Gespräche mit den Mitarbeitern
  • Besuch des WDR-Reporters bei Schmees in Langenfeld und Gespräche mit den Mitarbeitern
  • Interview mit Matthias Mainz von der IHK NRW
  • Konjunkturumfrage der IHK NRW im März 2026
  • Interview mit Vera Saal von Rheinmetall

Sendung: WDR.de, Rüstungsboom schafft neue Jobs in NRW, 30.04.2026, 06:01 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 30.04.2026, 18:45 Uhr

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