Arbeitsmarkt: KI macht Informatikern Job-Probleme
WDR. 03:18 Min.. Verfügbar bis 27.05.2028. Von Sven Lüüs.
Als Akademiker arbeitslos : So macht die KI Informatikern Konkurrenz
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Noch vor ein paar Jahren war klar: Wer Informatik studiert, kriegt mit Sicherheit danach sehr einfach einen gut bezahlten Job. Aber das hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Die KI macht Informatikern vor allem bei Einstiegsjobs Konkurrenz.
Als Bastian Korte im Jahr 2017 mit seinem Bachelor an der Technischen Universität Dortmund angefangen hat, hat er sich seine Jobsuche noch ganz anders vorgestellt: "Es war einfach ganz typisch, dass Kommilitoninnen von mir schon im zweiten, dritten Semester abgeworben wurden. Manche schon im ersten, wenn sie schon irgendwelche Vorkenntnisse hatten."
Immer wieder sucht Korte nach neuen Stellenausschreibungen.
Mittlerweile ist Korte deutlich besser qualifiziert als die von ihm genannten Mitstudierenden. Der 28-Jährige hat seinen Bachelor, studiert jetzt im Master und hat auch mehrere Jahre Arbeitserfahrung gesammelt. Aber er findet keinen Job - obwohl in Dortmund große IT-Unternehmen wie Adesso oder Materna ihren Hauptsitz haben.
KI übernimmt Einstiegsjobs
Der Arbeitsmarkt für Informatiker hat sich in den vergangenen Jahren rasant gewandelt. Künstliche Intelligenz ersetzt seit ein paar Jahren vor allem Jobeinsteiger.
Wer anfängt, als Informatiker zu arbeiten, schreibt oft die Codes für Computerprogramme. Was früher Studierende oder Neulinge im Job gemacht haben, übernehmen jetzt aber oft Sprachprogramme wie ChatGPT oder Claude AI. Zahlreiche Studierende und fertige Informatiker haben ähnliche Probleme wie Bastian Korte. Das zeigen Gespräche mit der Informatik-Fachschaft der TU Dortmund und mehreren Informatik-Studierenden.
20 Trainee-Stellen anstatt 100
Das Ausmaß kann Michael Hagedorn verdeutlichen. Er ist vom Dortmunder IT-Dienstleister Materna mit mehr als 4.500 Mitarbeitern. Bis vor zwei Jahren hat Materna jedes Jahr etwa 100 junge Menschen ausgebildet - drei Viertel davon als Programmierer. Jetzt nimmt Materna nur noch etwa 20 Menschen jährlich in seine Trainee-Programme auf.
Wegen der KI ändert sich auch das, was Informatiker lernen.
Bastian Korte sucht seit Anfang März einen Job als Programmierer, findet aber kaum Ausschreibungen. Eine belastende Situation: "Aktuell reichen meine Ersparnisse noch drei, vier Monate."
Alle großen Ruhrgebiets-Unis lehren Informatik
Bei der Konkurrenz durch KI geht es nicht darum, dass ein paar junge Menschen mal ein bisschen länger nach einem Job suchen müssen. Die großen Universitäten im Ruhrgebiet, die TU Dortmund, die Ruhr-Universität Bochum und die Universität Duisburg-Essen sind ganz wichtige Treiber des Strukturwandels vom Bergbau hin zu einem wissensbasierten Wirtschaftsraum. Und Informatik-Studiengänge bieten alle drei Unis an.
Christian Janiesch hält Vorlesungen für Informatiker.
An der TU Dortmund ist die Informatik sogar der größte Studiengang. Muss die TU jetzt also umdenken? Macht sie schon, sagt Christian Janiesch, Professor für Wirtschaftsinformatik. Momentan wird der Informatik-Studiengang umgebaut. Programmieren lernen die TU-Studis immer noch. Jedoch will die Universität ihren Studierenden darüber hinausgehendes Wissen vermitteln.
KI-Module und Spezialisierung als Heilmittel?
Die Informatiker sollen sich nach dem neuen Studienverlaufsplan mehr und schneller spezialisieren. Außerdem gibt es für die Informatik-Studierenden der TU Dortmund bald mehr KI-Module, in denen die Studierenden lernen, was die Künstliche Intelligenz kann und wie sie sie als Werkzeug nutzen können. Auch die Ruhr-Universität Bochum und die Universität Duisburg-Essen setzen darauf, KI in die Lehre zu integrieren.
Korte hat Hoffnung
Aber ist das das, was die Wirtschaft braucht? Die Strategie passt zumindest zum Informatiker der Zukunft, den auch Materna-Chef Hagedorn zeichnet: "Man muss sich fokussieren auf eine Fachdomäne." Und KI anzuwenden, sei für seine Programmierer mittlerweile Alltag.
Bastian Korte hofft, dass es mit der Jobsuche besser läuft, wenn er mit seinem Master fertig ist. Dann ist er nochmal besser qualifiziert und kann sich dann auf Vollzeitstellen bewerben.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräche mit Informatik-Studierenden und -Absolventen der TU Dortmund
- Antwort der TU Dortmund auf WDR-Fragen per Mail
- Antwort der Ruhr-Universität Bochum auf WDR-Fragen per Mail
- Antwort der Universität Duisburg/Essen auf WDR-Fragen per Mail
- WDR-Gespräch mit Michael Hagedorn, CEO Materna
- WDR-Gespräch mit Bastian Korte, Informatikstudent
- WDR-Gespräch mit Marvin Jütte, Informatik-Fachschaft der TU Dortmund
- WDR-Gespräch mit Christian Janiesch, Professor Wirtschaftsinformatik an der TU Dortmund
Sendung: WDR.de, Arbeitsmarkt: KI macht Informatikern Job-Probleme, 29.05.2026, 05:02 Uhr
