Glasfaserausbau in NRW : Spitzenplatz und trotzdem nur Mittelmaß
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Nordrhein-Westfalen ist Rekordhalter bei der Glasfaser: 171.000 Kilometer liegen in der Erde, so viel wie in keinem anderen Bundesland und mit deutlichem Abstand vor Bayern und Niedersachsen. Allerdings bedeutet der erste Platz nicht, dass NRW bestens mit schnellen Internetanschlüssen versorgt ist.
Nur für knapp 46 Prozent der Privathaushalte in NRW ist ein Glasfaseranschluss verfügbar, das liegt nur leicht über dem Bundesdurchschnitt. Und "verfügbar" heißt in vielen Fällen, dass die Leitung am Grundstück entlangführt, nicht aber bis ins Haus oder in die Wohnung verläuft. Die Zahlen stammen von der Bundesnetzagentur, die auch das "Gigabit Grundbuch" laufend aktualisiert.
Milliardenförderung für unterversorgte Regionen
Der Glasfaserausbau ist aus Sicht der Landesregierung "grundsätzlich Aufgabe des Marktes". Nur wo sich für die Netzbetreiber eine Erschließung nicht rechnet, gibt es von Land und Bund eine Förderung. Gerade hat die Landesregierung angekündigt, die Förderung für Städte und Gemeinden auszuweiten. In den vergangenen zehn Jahren seien rund 3,8 Milliarden Euro öffentlicher Gelder in den Breitbandausbau in Nordrhein-Westfalen geflossen.
Viele Anbieter und gemeinsame Netzinfrastruktur
Auf dem Markt sind viele Anbieter unterwegs, allen voran die Deutsche Telekom mit Sitz in Bonn. Sie ist auch an Gemeinschaftsunternehmen wie GlasfaserPlus und Glasfaser Nordwest beteiligt, die Leitungen in NRW verlegen. Deren Anschlüsse können auch von anderen Anbietern als der Telekom genutzt werden. Auch Stadtwerke, Energieversorger und regionale Firmen bieten Glasfaseranschlüsse an.
"Kabelglasfaser" als Zwischenlösung
Doch nicht überall steckt auch reine Glasfaser drin: Vodafone mit Sitz in Düsseldorf vertreibt sogenanntes "Kabelglasfaser". Auch das hat schnelle Übertragungsraten, allerdings wird auf den letzten Metern bis ins Haus das Fernsehkabel aus Kupfer genutzt.
Hohe Kosten treffen auf geringe Nachfrage
Die Anbieter müssen hohe Investitionen stemmen, die Telekom nennt als groben Anhaltspunkt 80.000 Euro pro Kilometer Glasfaser. Das Problem ist die noch immer geringe Nachfrage: Von den Haushalten, die Glasfaser buchen könnten, greift nur rund ein Viertel zu. Vielen Kunden reicht ihr aktueller Breitbandanschluss.
EU-Ziel 2030: Deutschland wohl im Rückstand
Die Europäische Union will, dass bis 2030 alle europäischen Haushalte mit Glasfaseranschlüssen versorgt werden. Die Bundesnetzagentur schätzt dieses Ziel für Deutschland als nicht realistisch ein.
Unsere Quellen:
- Landesregierung NRW
- Bundesnetzagentur
- Deutsche Telekom
- Vodafone
Sendung: WDR.de, Glasfaser in NRW: Hohe Investitionen, wenige Kunden, 23.04.2026, 06:04 Uhr
