Das gestiegene Interesse hat neben Autohändlern in Nordrhein-Westfalen auch der ADAC Westfalen registriert. "Wir beobachten, dass der Gebrauchtwagen-Markt für Elektroautos derzeit sehr, sehr schnell wächst", sagt Pressesprecher Till Westermann. Die geopolitische Lage spiele dabei aber nach Ansicht des ADAC "keine große Rolle".
Markt für gebrauchte E-Autos wächst schnell
Das Angebot sei derzeit - und das bestätigen auch vom WDR befragte Händler - wegen der vielen Leasing-Rückläufer mit Elektroantrieb einfach sehr groß. Es seien "gute Gebrauchte mit wirklich vernünftiger Reichweite auf dem Markt", so Westermann.
Wenn man sehr kurze Strecken fährt, macht ein E-Auto Sinn. Till Westermann, Pressesprecher des ADAC Westfalen
Der schnell wachsende Markt zieht zwar günstigere Preise für Verbraucher nach sich, aber die Gründe für einen Kauf seien ungeachtet dessen und der hohen Tankkosten "sehr persönlich": Die gefahrenen Kilometer und die Ladeinfrastruktur seien entscheidende Faktoren. Obwohl der Wertverlust für E-Autos nach wie vor "relativ stark" sei, sieht Westermann durchaus eine günstige Gelegenheit: "Es lohnt sich momentan zuzugreifen, wenn man ein E-Auto sowieso schon im Hinterkopf hat."
Autoverkäufer bekommt mehr Anfragen und verkauft mehr
Tatsächlich scheinen mehr Menschen mit der Anschaffung eines "Stromers" zu liebäugeln. Zumindest erreichen Dimitri Belkin vom Motor Center Heinen in Dortmund mehr Anfragen, täglich zwischen zwei bis fünf. Fast 20 E-Autos habe er in diesem Jahr schon verkauft: "Interesse, Nachfrage und das, was zum Abschluss kommt" seien "viel, viel mehr geworden".
Da haben seiner Ansicht nach auch die hohen Spritpreise "einen kleinen Tick" zu beigetragen. Aber gerade bei den gebrauchten Fahrzeugen, die von der staatlichen Prämie beim Neukauf eines E-Autos, ausgeschlossen sind, seien andere Punkte entscheidender. Für Kunden sei bei älteren Fahrzeugen die Gewissheit wichtig, dass die Batterie lange hält. Bei Technik und Aufladegeschwindigkeit habe es "viele Schritte nach vorne" gegeben, weshalb Kunden bei Gebrauchtwagen "Bedenken" hätten.
Die Spritpreise haben natürlich einen kleinen Tick dazu beigetragen, dass die Nachfrage gestiegen ist. Dimitri Belkin, Verkäufer bei Motor Sport Heinen in Dortmund
Batterieleistung für viele kaufentscheidend
Bedenken, die Francisco Saorin Hita, Teamleiter beim Autohaus Pflanz in Dortmund, kennt: "Wie sieht die Lebenserwartung der Batterie aus?", sei immer die erste Frage der Interessenten für Elektrofahrzeuge aus zweiter Hand. Auch er glaubt, dass die aktuelle Krise den Elektroautos helfe, aber insgesamt sei die Kauflust in den vergangenen Jahren hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Angst vor dem Wertverlust bei E-Autos sei so groß, dass Kunden fürchten, diese durch eingesparte Spritkosten gar nicht gutmachen zu können.
DIW-Experte verweist auf geringen Anteil der E-Autos
Dass es in Sachen E-Mobilität derzeit vorangeht und dieser Trend erstmal anhalten wird, davon ist Beatrix Keim, Direktorin des privatwirtschaftlichen Forschungsinstituts Center Automotive Research (CAR) in Duisburg überzeugt und hält einen nachhaltigen Impuls für möglich, "wenn man dann noch mehr Fahrzeuge auf den Straßen sieht".
Wie viele den Umstieg tatsächlich vollziehen, bleibt abzuwarten. Stand jetzt seien es zu wenig, hat Wolf-Peter Schill vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin gerade erst in einem rbb-Interview betont. Bei den Neuzulassungen liegen die E-Autos bei rund 20 Prozent, was bedeute, dass vier von fünf neuen Autos einen Verbrennungsmotor hätten. Der Anteil der "Stromer" an der gesamten Fahrzeugflotte liege lediglich bei 4 Prozent: "Da ist also noch eine Menge Luft nach oben", so der Wirtschaftswissenschaftler.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Till Westermann, Pressesprecher des ADAC Westfalen
- WDR-Gespräch mit Dimitri Belkin, Verkäufer bei Motor Sport Heinen in Dortmund
- WDR-Gespräch mit Francisco Saorin Hita, Teamleiter beim Autohaus Pflanz in Dortmund
- WDR-Interview mit Beatrix Keim, Direktorin des Forschungsinstituts Center Automotive Research (CAR) in Duisburg
- ElektroMobilität NRW
- rbb-Interview: "DIW: Noch kein Durchbruch bei E-Mobilität"
Sendung: WDR 5, Morgenecho, 01.04.2026, 07.05 Uhr