Weimer: WM-Trikots sind zu teuer | Aktuelle Stunde
Aktuelle Stunde . 30.05.2026. 21:00 Min.. UT. Verfügbar bis 30.05.2028. WDR. Von Andreas Hodapp.
Seit Monaten schon gibt es Kritik an den hohen Preisen für das DFB-Trikot zur Fußball-WM. Mindestens 100 Euro muss man im DFB-Fanshop bezahlen, wenn man die Nationalmannschaft im aktuellsten Trikot anfeuern möchte. Für den Namen des Lieblingsspielers auf dem Rücken werden noch 22 Euro zusätzlich fällig.
Nick Woltemade im November 2025 im neuen WM-Trikot
Wem es wichtig ist, auch den gleichen Stoff wie die Stars zu tragen, muss 150 Euro einplanen. Das Kinder-Trikot kostet mindestens 75 Euro. Wer aber nur eines bestellt, zahlt auch noch Versandkosten in Höhe von fünf Euro.
Kulturstaatsminister: Fankultur muss bezahlbar sein
Wolfram Weimer, Kulturstaatsminister
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hält diese Preise für zu hoch. "Für mich ist Fankultur auch Teil unserer deutschen Kultur. Aber Kultur muss auch für jeden bezahlbar sein", sagte er der "Rheinischen Post" für ihre Samstagsausgabe - zwei Wochen vor Beginn der WM in den USA, Kanada und Mexiko. Fußballtrikots sollten sich alle leisten können, um die Nationalmannschaft zu unterstützen, so Weimer. Der Fußball sei ein "lebensfroher Teil unserer Gesellschaft".
Auch SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese äußerte sich zu den Preisen: Sie seien "eindeutig zu teuer", zitiert ihn die Zeitung. "Wenn die WM ein unvergessliches Fußballfest werden soll, sollten die Trikots deutlich erschwinglicher und damit insbesondere für Kinder bezahlbar sein."
WM-Trikot im Retro-Look
Lothar Matthäus und Rudi Völler bei der WM 1990
Im November hatte der DFB die WM-Trikots vorgestellt. Es erinnert in seinem schwarz-rot-goldenen Rautenmuster stark an den deutschen Titelgewinn 1990 in Italien. Zur Vorstellung des neuen Designs im November schwärmte der DFB vom "zeitgemäßen Look", der gleichzeitig "die Wurzeln" der deutschen Nationalmannschaft würdige.
Auf Facebook sind die Meinungen geteilt: Nach der Vorstellung der Trikots sagten die einen, sie müssten das Retro-Shirt schon aus nostalgischen Gründen unbedingt haben. Die anderen äußerten, die Schmerzgrenze sei erreicht:
"Schön, aber unfassbar teuer", schrieb zum Beispiel Eduardo Scholz. Mickey Dabbelyou schimpfte über die "Preistreiberei" des DFB: "Wenn die Dinger in Deutschland hergestellt würden, dann wären die 100 Euro in Ordnung", schrieb er. Für billige Massenware aus Asien nicht.
Trikot-Preis seit 2006 um mehr als die Hälfte gestiegen
Auch wenn die Trikotpreise seit der Fußball-EM 2024 nicht gestiegen sind, ist der Vorwurf der Preistreiberei wohl nicht völlig unbegründet: Seit 2006 sind die Kosten für ein Standardtrikot für Erwachsene um rund 54 Prozent gestiegen.
Wer die ganze Familie für die WM neu einkleiden möchte, muss besonders tief in die Tasche greifen. Erfahrungsgemäß sind aktuelle Trikots bei Kindern und Jugendlichen echte Statussymbole. Wer mit billigen Kopien in der Schule auftaucht, muss im schlimmsten Fall mit Hänseleien rechnen.
Das kosten Trikots der NRW-Vereine
Dabei steht der DFB mit seiner Preispolitik nicht alleine da. Auch die Bundesliga-Vereine aus NRW bitten ihre Fans zuverlässig jede Saison zur Kasse. Für ein aktuelles Trikot verlangt der BVB ebenfalls 100 Euro in der Fan-Version. Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach wollen ohne Rabatte 95 Euro. Für 90 Euro verkauft der 1. FC Köln sein Heimtrikot.
In den Ligen darunter sieht es ähnlich aus: Jeweils 90 Euro wollten Fortuna Düsseldorf und Schalke 04 in der beendeten Saison haben, Bielefeld und Bochum 85, Preußen Münster und SC Paderborn 80 Euro.
Herstellungskosten: rund fünf bis 10 Euro
Die Herstellung trägt dabei offenbar wenig zum Endpreis der Trikots bei. "Wir sprechen von fünf bis 10 Euro an Produktionskosten", erklärte der Wirtschaftswissenschaftler und Marketing-Experte Michael Bernecker vor einiger Zeit im Interview mit dem rbb. Im Direktvertrieb könnten die Vereine bei einem Trikotpreis von 100 Euro mit einem attraktiven "Rohertrag" von 50 Euro rechnen, von dem allerdings noch die Kosten für Personal und Vertrieb abgezogen werden müssten.
Neben TV-Geld und den Einnahmen durch Ticketverkäufe habe sich das Merchandising in den vergangenen Jahrzehnten zur wichtigsten Einnahmequelle der Vereine entwickelt, so Bernecker. Teilweise bemühen sich die Verantwortlichen, den Fans immer neue Kaufanreize zu liefern: zum Beispiel mit mehreren "Sondertrikots" pro Saison.
Egal wie attraktiv solche lukrativen Angebote für viele notorisch klamme Vereine auch sind - übertreiben dürfen sie das Geschäftsmodell auch nicht. Sonst könnten sich irgendwann auch die treuesten Fans fragen, ob sie wirklich die Kommerzialisierung ihres Lieblingssports weiter unterstützen wollen.
Unsere Quellen:
- DFB-Homepage
- Agentur sid
- Kicker
- Kommentare von Facebook-Usern auf einen WDR-Post
- Interview mit Michael Bernecker bei rbb 24
- "Rheinische Post" zu Trikot-Preisen
- Fan-Shops der Vereine
Sendung: wdr.de, DFB-Trikots zu teuer?, 30.05.2026, 13 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 30.05.2026 , 19 Uhr