Entlastungsprämie von 1.000 Euro : Nur wenige NRW-Betriebe wollen zahlen
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Die Bundesregierung möchte, dass Arbeitnehmer eine Entlastungsprämie von 1.000 Euro bekommen. Nach WDR-Recherchen will die allerdings kaum ein Unternehmen in NRW zahlen.
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Roland Klein, Chef des Gebäudetechnik-Unternehmens Herbert Heldt aus Dortmund
"Vollkatastrophe", der Dortmunder Unternehmer Roland Klein findet deutliche Worte für die Entlastungsprämie: "Da wird etwas von der Bundesregierung bestellt, das wir bezahlen sollen." Klein führt einen Gebäudetechnik-Betrieb in Dortmund, Hamm und Bergkamen mit 300 Mitarbeitern und muss bei denen erstmal mit einem Missverständnis aufräumen. "Die Mitarbeiter verstehen es so, als ob das eine staatliche Prämie wäre. Kaum jemand begreift, dass das komplett zu 100 Prozent von den Unternehmern bezahlt werden muss." Klein will und kann aufgrund der konjunkturellen Lage keine Prämie zahlen.
Telefone bei IHK stehen nicht still
Die schwarz-rote Koalition hatte wegen der Preissteigerungen insbesondere im Energiesektor durch den Iran-Krieg Entlastungen für die Bürgerinnen und Bürger auf den Weg gebracht, darunter die steuer- und abgabenfreie Prämie von 1.000 Euro. Doch die Prämie ist bei den Arbeitgebern umstritten. "Bei uns haben die Telefone nicht stillgestanden, weil die Unternehmen sich darüber aufgeregt haben und es hat keiner Hurra geschrien", erzählt Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der Dortmunder Industrie- und Handelskammer (IHK). Die Entlastungsprämie sei das falsche Instrument zur falschen Zeit, meint Schreiber.
Ähnlich im Bergischen Land, bei der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid: In einer Umfrage lehnten zwei Drittel der Unternehmer die Prämie ab. Viele gaben an, sich eine Zahlung nicht leisten zu können.
Auch im Handwerk große Zurückhaltung
Dieses Stimmungsbild zieht sich durch ganz NRW. Die Handwerkskammer in Münster hat bei einer Umfrage unter 1.500 Mitgliedsbetrieben herausgefunden, dass gerade mal sieben Prozent der Unternehmen die volle Prämie zahlen wollen. Die HWK Düsseldorf hat die Kosten für den Kammerbezirk berechnet. "Würde die flächendeckend umgesetzt, würde das (allein die Handwerksbetriebe) 5,6 Milliarden Euro kosten." Der Bund nehme für eigene Maßnahmen dagegen für ganz Deutschland nur zwei Milliarden Euro in die Hand.
"Keiner hat Hurra geschrien." Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK Dortmund über Unternehmer, die nach der Prämie gefragt wurden
Und wie sieht es bei staatlichen Institutionen aus? Auch nicht besser. Man habe keine rechtliche Grundlage, um die Prämie auszuzahlen, sagt beispielsweise Frank Fligge, Sprecher der Dortmunder Stadtwerke DSW21, eine 100-prozentige Tochter der Stadt Dortmund. Die DSW21-Angestellten werden offenbar genauso wie die Mitarbeiter der Stadt Dortmund leer ausgehen.
Stadt Dortmund prüft Prämienzahlung
Die Stadt sei dabei, die Prämie zu prüfen, sagt Oberbürgermeister Aleander Kalouti (CDU), der eine klare Botschaft an die Bundesregierung schickt: "Ich lade den Bund gerne dazu ein, die Kosten dafür zu übernehmen, dann können wir uns gerne weiter unterhalten". Die Stadt Hamm schreibt in einer Stellungnahme, sie dürfe nichts bezahlen, weil man als Kommune in der Haushaltssicherung keine freiwilligen Leistungen auszahlen dürfe.
Auch öffentliche Unternehmen und Verwaltungen wollen nicht zahlen
Der deutsche Landkreistag, in dem alle Kreise aus NRW Mitglied sind, beziffert die Kosten für seine Mitglieder in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe auf zusammen 2,6 Milliarden Euro. Allein für die Angestellten. Die Beamten sind da noch nicht mitgerechnet.
3.000 Euro-Prämie wurde bezahlt
Einen Bonus wie diesen hatte es schon zu Beginn des Ukraine-Krieges gegeben. Damals haben nach Berechnungen von Wirtschaftsforschungsinstituten etwa 3/4 aller Arbeitnehmer die steuerfreie Prämie von 3.000 Euro bekommen.
Stefan Schreiber von der IHK zu Dortmund (links) und der Dortmunder Oberbrügermeister Alexander Kalouti
Allerdings war damals die konjunkturelle Lage noch eine andere. Profitiert haben von dieser Prämie nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung aber hauptsächlich Mitarbeiter, die in tarifgebundenen Unternehmen arbeiten. Das sind häufig Großbetriebe und die öffentliche Verwaltung.
Bielefelder Unternehmer will zahlen
Einen Unternehmer zu finden, der die Prämie gern bezahlt, ist fast wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Jannis Johannmeier aus Bielefeld ist so einer. "Warum sollte man nicht zahlen, wenn es einem Unternehmen gut geht?", fragt der Chef der Agentur "The Trailblazers", die zwölf Mitarbeiter beschäftigt.
Wer sich die Prämie nicht leisten könne, solle vielleicht mal sein Geschäftsmodell hinterfragen, kritisiert er seine Unternehmer-Kollegen, die die Entlastungsprämie nicht bezahlen wollen: "Ich denke, es gibt viele Menschen, die sich dahinter verstecken, was nicht geht, statt zu schauen, was geht."
"Warum sollte man nicht zahlen, wenn es dem Unternehmen gut geht?" Jannis Johannmeier, Unternehmer aus Bielefeld
Die meisten Konzerne warten noch ab, ob sie zahlen. So zum Beispiel der Dortmunder Pumpenhersteller Wilo, der in Deutschland 2.600 Mitarbeiter beschäftigt. Eines der wenigen Großunternehmen, das bereits eine Zahlung an die Mitarbeiter zugesagt hat, ist die Drogeriekette Rossmann, die allerdings nur einen Teil zahlen will. Die meisten Angestellten bekommen 500 Euro, Verkaufshilfen nur 250 Euro.
Unsere Quellen:
- Industrie- und Handelskammer zu Dortmund
- Handwerkskammer Münster
- Handwerkskammer Düsseldorf
- Jannis Johannmeier, Agentur Trailblazers, Bielefeld
- Roland Klein, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Heinz Heldt
- WILO SE
- Dortmunder Stadtwerke
- Stadt Dortmund
- Hans-Böckler-Stiftung
- Wirtschaftsforschungsinstitut DIW Essen
Sendung: WDR.de, Wirtschaft kritisiert Entlastungsprämie , 23.04.2026, 05.58 Uhr

8 Kommentare
Kommentar 8: Ricardo schreibt am 23.04.2026, 21:21 Uhr :
Ganz einfach. Bei der nächsten Gehaltsabrechnung sollte der Staat einfach mal nicht die Lohnsteuer einbehalten. Dann hätte der Arbeitnehmer ein wenig mehr und der Arbeitgeber steht nicht unter Druck, die Prämie zu bezahlen.
Kommentar 7: Symbi schreibt am 23.04.2026, 16:01 Uhr :
Manche Probleme sind auch in der Wirtschaft hausgemacht. Aber nur wenige Unternehmen gestehen strategische Fehler ein, die sie selbst gemacht haben oder machen. Dennoch ist es bezeichnend, wie weltfremd diese Regierung über die Kohle anderer verfügen möchte. Das hat ein Ausmaß angenommen, das einfach nur der AfD in die Hände spielt. Es allein Frau Reiche in die Schuhe schieben zu wollen, wie manche es tun, ist zu kurz gedacht. Staat (also Politik und Verwaltung) schaffen es nicht einmal flächendeckendes Homeoffice für die Verwaltung auszurufen. Das würde den Spritverbrauch schon entlasten. Aber was soll man erwarten von einem Apparat, der sich von der gebenden Beteiligung am Sozialpakt schon lange verabschiedet hat?
Kommentar 6: Insolvenzverwalter schreibt am 23.04.2026, 13:58 Uhr :
WDR/Wirtschaft: „So viel Krise spüren die Unternehmen in NRW“. Da ist der Bundesregierung beim Beschluss dieser Prämie wohl irgendwas entgangen.
Kommentar 5: Fabian schreibt am 23.04.2026, 13:46 Uhr :
Die Prämie werden vermutlich nur Bessergestellte erhalten, wenn überhaupt. Wir schenken das Geld ja lieber den Mineralölkonzernen. Danke Kathi!
Kommentar 4: Andre Schäfer schreibt am 23.04.2026, 12:35 Uhr :
Tja, es scheint, alle Unternehmen wirtschaften heute nur noch von der Hand in den Mund. Rücklagen bilden, ein finanzielles Polster für schlechte Zeiten zu haben, so etwas wird in BWL nicht gelehrt. Und da heute anscheinend alle Unternehmen nur noch von BWL-Schnöseln geführt werden, für die Unternehmensführung im Manipulieren von Zahlen in Excel besteht (was anderes lernen die ja auch nicht mehr) und jeder Mitarbeiter und Kollege, außer ihnen selbst natürlich, nur noch eine Kennzahl ist, bringt jede noch so kleine Unwägbarkeit gleich die ganze Firma in Schieflage. Und am Ende folgt dann die Insolvenz. Die erfolgt dann natürlich in Selbstverwaltung. Man hat ja nix falsch gemacht, man hat nur einfach kein Geld mehr ...
Antwort von otto , geschrieben am 23.04.2026, 17:46 Uhr :
Richtig. Diese BWL Schnösel haben die Weitsicht eines dreimonatskalenders. Weiter als in Quartalszahlen können die nicht denken, geschweige denn handeln. Und ausbaden muss es die Belegschaft.
Kommentar 3: Demokrat schreibt am 23.04.2026, 12:13 Uhr :
Warum überweist der Bundesfinanzminister nicht eine Milliarde weniger in die Ukraine, dann würde die Regierung etwas für die Bürger tun. Stattdessen sollen dies die Unternehmen übernehmen, denen das Wasser bis zum Hals steht..wie hat Herr Merz dem damaligen Kanzler Scholz im BT entgegen gehalten "Sie können es nicht" Trifft das nicht auch auf ihn und seine Mannschaft zu.??
Kommentar 2: Ruhri schreibt am 23.04.2026, 10:31 Uhr :
Das liegt wohl weniger am Wollen, das Können ist das Problem. Beschließen und andere zahlen lassen wird auf Bundesebene gern praktiziert.
Antwort von Rainer Kluge , geschrieben am 23.04.2026, 11:46 Uhr :
Warum sollen die Betriebe so etwas auszahlen? Die Rentenkasse zahlt das auch nicht aus .... obwohl es manchem Rentner sicherlich eine grosse Hilfe wäre.
Kommentar 1: Martin schreibt am 23.04.2026, 10:07 Uhr :
Die Unternehmen haben Kostendruck von allen Seiten, die Zahl der Insolvenzanträge ist hoch wie nie und dann sollen die Unternehmen Geld verschenken? Ich glaube, der Politik sind ihre Sondervermögen zu Kopf gestiegen... Das ist die hirnrissigste Idee überhaupt!