1000 Euro Bonus: "Bombe in die Betriebe"

Aktuelle Stunde 14.04.2026 35:53 Min. UT Verfügbar bis 14.04.2028 WDR Von Mathea Schülke

So groß sind eure Chancen auf 1.000 Euro "Krisenbonus" vom Arbeitgeber

Stand:

Was ist das für ein teures Leben gerade. Einkaufen im Supermarkt wird immer teurer, Tanken macht auch keinen Spaß. Doch jetzt soll es Entlastungen geben. Das hat die Bundesregierung am Montag beschlossen.

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Neben einem Tankrabatt von 17 Cent pro Liter sollen unter anderem die Arbeitgeber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine sogenannte Inflationsausgleichprämie steuerfrei auszahlen können - oder wie manche sagen: "Krisenbonus". Bis zu 1.000 Euro können das sein.

Das ist noch nicht so ganz klar. Die Bundesregierung hat erst einmal nur gesagt: Sie will es den Arbeitgebern ermöglichen, die steuer- und abgabefreie Prämie auszuzahlen. Am Ende liegt es also allein an den Arbeitgebern, ob sie das Geld zahlen können/wollen - oder eben nicht.

Einen gesetzlichen Anspruch wird es vermutlich nicht geben. So wie die Regierung das formuliert hat, kann die Prämie also gezahlt werden, muss aber nicht. So war das auch schon bei der Inflationsausgleichsprämie vor vier Jahren. Da konnten die Arbeitgeber bis zu 3.000 Euro auszahlen.

Als eines der ersten bundesweit hat die Drogeriekette Rossmann gesagt, dass sie das machen will. Festangestellte sollen 500 Euro bekommen, Verkaufshilfen 250 Euro.

Rossmann hatte bereits die steuer- und abgabenfreie Inflationsausgleichsprämie während Corona voll ausgenutzt und damals 105 Millionen Euro an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezahlt.

Wirtschafts- und Arbeitsmarktforscher gehen davon aus, dass vor allem Beschäftigte in finanzstarken Firmen profitieren, während andere Gruppen leer ausgingen – etwa Arbeitslose, Rentner, Studierende oder Beschäftigte in kleinen Betrieben. Also die, die die finanzielle Entlastung eigentlich dringend brauchen.

Wer wenig verdient, wird auch wenig entlastet. Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Beim letzten Mal hätten zwar 80 Prozent aller Beschäftigten eine Prämie erhalten, sagt IAB-Arbeitsmarktexperte Enzo Weber. Aber im Gastgewerbe, wo allgemein eher wenig verdient wird, waren es nur 11,6 Prozent. Auch auf dem Bau, im Handel, in der Verkehrsbranche und in der Landwirtschaft seien wenige Prämien geflossen.

Die volle Prämie von 3.000 Euro hätten dagegen 100 Prozent der Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung, bei der Sozialversicherung und in der Verteidigungsbranche erhalten - Bereiche, in denen ohnehin gut verdient wird.

Die, mit denen wir gesprochen haben, sind erstmal skeptisch. Denn diese 1.000 Euro gibt’s ja nicht vom Staat geschenkt. Die Unternehmen müssen das Geld aus ihrer eigenen Tasche bezahlen. Sie können das zwar von der Steuer absetzen, trotzdem sind das erst einmal Mehrkosten, sagt Berthold Schröder. Er ist Zimmerermeister aus Hamm und Präsident der Handwerkskammer Dortmund:

"Mein Betrieb hat 25 Mitarbeiter, da müssten wir 25.000 Euro ausgeben und das würde uns an anderer Stelle für Investitionen in Digitalisierung, in neue Maschinen tatsächlich fehlen. Der Staat macht sich hier einen schlanken Fuß, zu Lasten des Handwerks, zu Lasten aller Arbeitgeber. Das sehe ich schon sehr kritisch."

Auch Jochen Müller, Geschäftsführer einer Spedition in Hürth, findet es grundsätzlich gut, "dass sich überhaupt was tut in Berlin". Aber:

Wir reden hier über eine Kostenexplosion. Als Unternehmer jetzt mit der Gießkanne diese 1.000 Euro zu verteilen, ist der falsche Impuls. Wir können es schlichtweg auch nicht. Jochen Müller, Geschäftsführer einer Spedition in Hürth
Porträt von Ulrich Schumacher

Ulrich Schumacher, Geschäftsführer und Gesellschafter der Mühlenwerke Fortin in Düsseldorf

Ulrich Schumacher, Geschäftsführer und Gesellschafter der Mühlenwerke Fortin in Düsseldorf, findet den steuerfreien "Krisenbonus" grundsätzlich nicht schlecht. Und er hofft, dass sein Unternehmen in der Lage sein wird, eine Prämie auszuzahlen. Doch noch kann er nichts versprechen.

"Wir müssen erst mal als Unternehmer abwarten, wie das Jahr weiter läuft. Wir werden nicht sofort sagen, jeder Mitarbeiter bekommt 1.000 Euro steuerfrei. Das ist nicht unsere Mentalität. Wir leiden auch unter den hohen Spritpreisen und sind sehr energie- und transportintensiv. Unsere Spediteure müssen auch mehr für ihre Transporte bekommen."

Die Industrie- und Handelskammer hat noch kein einheitliches Bild, wie sich die NRW-Unternehmer insgesamt zu der Maßnahme stellen. Sie spricht aber schon jetzt von einem "Fehlanreiz für kleine und mittelständische Unternehmen in wirtschaftlichen schwierigen Zeiten."

Johannes Pöttering, Hauptgeschäftsführer von Unternehmer NRW

Auch der Unternehmerverband NRW kritisiert den "Krisenbonus" als einen "Vertrag zu Lasten Dritter. Die Politik weckt damit Erwartungen, die sehr viele Unternehmen in der derzeit äußerst schwierigen wirtschaftlichen Lage schlicht nicht werden erfüllen können", teilte Hauptgeschäftsführer Johannes Pöttering auf WDR-Anfrage mit.

Eine Erhöhung der Pendlerpauschale wäre aus seiner Sicht zielführender gewesen. "Oder es müsste in den derzeitigen Plänen das Erfordernis der Zusätzlichkeit gestrichen werden. Dann könnten die 1.000 Euro auch aus bereits bestehendem Einkommen steuer- und abgabenfrei umgewandelt werden und so die Beschäftigten entlasten, ohne die Unternehmen zu belasten", sagt Pöttering.

Wie bekomme ich die steuerfreie 1.000-Euro-Prämie?

WDR Studios NRW 14.04.2026 02:11 Min. Verfügbar bis 13.04.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Interview mit Berthold Schröder
  • Interview mit Jochen Müller
  • Interview mit Ulrich Schumacher
  • Pressemitteilung Rossmann
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Anfrage bei der IHK NRW
  • Anfrage an unternehmen nrw

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 14.04.2026, 18.45 Uhr

Kommentare zum Thema

1 Kommentar

  • 1 Petra Bokeloh 15.04.2026, 16:51 Uhr

    Wie sollen wir als kleiner Betrieb unseren Angestellten diesen Zuschuss zahlen? Wo soll denn das extra Geld herkommen? Es ist sooo schwierig in der heutigen Zeit seinen Mitmenschen einen sicheren Arbeitsplatz zu gewährleisten. Als ‚Chef‘ arbeiten Sie meist rund um die Uhr. Wenn keine Prämie gezahlt wird ist Unmut die Folge, nichts als Unmut. Ich bin entsetzt und sprachlos, was die Bundesregierung den kleinen Betrieben wieder zumutet. Ich glaube, wir werden bald ein Einzelunternehmen - wir hätten weniger Arbeit und ein höheres Einkommen. So langsam fehlt mir die Kraft. Wir zahlen schon so viel Steuern - auch unsere Angestellten … das muss doch mal reichen! Liebe Bundesregierung - geht sparsamer mit den Steuergeldern um! Es ist genug da!

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