Wer bei Aida Demirović-Krebs in Dortmund in die Küche schaut, blickt in eine Welt voller Erinnerungen. Die 46-jährige Diplompädagogin kam 1994 während des Jugoslawienkrieges aus Bosnien und Herzegowina nach Deutschland. In ihrem Gepäck: die kulinarische DNA ihrer Heimat. Dazu gehört auch das herzhafte Gericht Kašikača.
"Wir Diaspora-Menschen essen keine Spezialitäten, wir essen Emotionen, wir essen Bilder und wir reisen durch die Zeit. Wir essen keine Spezialitäten, sondern Geschichte." Aida Demirović-Krebs
Der Name leitet sich vom bosnischen Wort Kašika für Löffel ab. Es ist ein rustikales Gericht, das je nach Region auch als Vrelica (von vrelo – kochend heiß) oder Oparuša (von oparen – verbrüht) bekannt ist. Diese Namen verraten das Geheimnis der Zubereitung: Der Teig wird mit kochendem Wasser "verbrüht", was ihm eine ganz eigene Textur verleiht.
Das charakteristische Merkmal sind die Vertiefungen im Teig, die traditionell mit einem Löffel eingearbeitet werden. Was heute Aidas Kind übernimmt, hat früher sie selbst bei ihrer Großmutter gelernt. Diese Einkerbungen sind nicht nur Zierde – sie sorgen dafür, dass das Gericht im Ofen gleichmäßig durchbackt und die spätere Schmand-Ei-Mischung tief in den Teig einsinken kann.
Wer Aida nach exakten Grammzahlen fragt, erntet ein Schmunzeln. Sie kocht nach dem Prinzip "od oka" – "nach Augenmaß".
"Ich mache das immer nach Gefühl. Wir haben das von unseren Mamas und Omas so gelernt. Je nach Blechgröße passt man sich einfach an." Aida Demirović-Krebs
Gebacken wird traditionell in einer Tepsia, einem runden Metall-Backblech. Die Tepsia ist ein Erbe der osmanischen Zeit auf dem Balkan und gehört in jeden Haushalt. Wichtig dabei: Der Teig darf nicht zu dick aufgetragen werden, damit er kross wird und nicht als "Klumpen" endet.
Entgegen der Erwartung ist Kašikača keine bloße Brotbeilage. Mit einem Guss aus Schmand und Ei veredelt und zum Abschluss mit flüssiger Butter bestrichen, bildet es das Herzstück einer Mahlzeit. Serviert mit gerösteten Paprika oder einem knackigen grünen Salat, wird daraus ein vollwertiges Essen, das am besten direkt heiß aus dem Ofen genossen wird.
Kašikača nach Aidas Art
für 8 Portionen
Zutaten für den Teig
ca. 500 g Mehl
eine Prise Salz
2 EL Öl
ca. 300–350 ml kochendes Wasser
Zutaten für den Guss und das Finish
1 Becher Schmand
1–2 Eier
ein gutes Stück Butter
Zubereitung
Mehl, Salz und Öl in eine Schüssel geben. Das sprudelnd kochende Wasser vorsichtig unterrühren, bis ein glatter und zäher Teig entsteht. Den Teig in ein gefettetes Blech (traditionell eine runde Tepsia) geben und glattstreichen. Mit einem Löffel das typische Muster in den Teig im Abstand von 3–4 cm. drücken. Bei 200 °C Ober- und Unterhitze im Ofen für 25–30 Minuten kross backen, bis der Teig fest ist.
Schmand und Eier verquirlen, über die Kašikača gießen und nochmals kurz aufbacken, bis der Guss goldgelb ist. Direkt aus dem Ofen mit geschmolzener Butter bestreichen.
Tipp von Aida: Die Kašikača muss heiß gegessen werden! Sobald sie abkühlt, verliert sie ihren Zauber.
Autorin: Ana Romas
Redaktion: Valentina Dobrosavljević
Ana Romas ist Foodbloggerin und schaut für "WDR 5 Neugier genügt" ihren Nachbarn in den Topf.
Service Essen und Trinken ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort mittwochs zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.