Ana Romas in Nachbars Küche : Kuku Sabzi: Persisches Kräuteromelett
Kuku Sabzi ist weit mehr als ein Kräuteromelett. Wer bei Zahra Hassan Zahde in die Pfanne schaut, blickt in die jahrtausendealte Gartenkultur des Iran. Ein Gericht, das nach Frühling duftet und zeigt, wie Kräuter zur Hauptzutat werden.
Wer die persische Küche verstehen will, muss den Begriff "Sabzi" kennen. Wörtlich übersetzt bedeutet es "das Grün", doch im Iran beschreibt es eine ganze kulinarische Philosophie. Kräuter sind dort keine bloße Garnitur, sondern das Fundament fast jeder Mahlzeit, denn die persische Küche ist weltbekannt für ihren geradezu verschwenderischen, aber meisterhaften Umgang mit frischen Kräutern. Zahra Hassan Zahde Moghaddam, 68, die 1988 aus dem Iran nach Deutschland kam, lebt diese Philosophie bis heute in Pulheim.
Kuku Sabzi ist die Krönung dieser Kräuterküche. Während man in Europa Omelettes meist mit Eiern und einer Prise Schnittlauch verbindet, ist es im Iran umgekehrt: Ein Berg aus fein gehackter Petersilie, Koriander und Dill wird von gerade so viel Ei zusammengehalten, dass eine feste, tiefgrüne Masse entsteht.
Diese Vorliebe für frisches Grün hat historische Wurzeln. Schon im antiken Perserreich erfanden die Menschen die "Qanate" – ein ausgeklügeltes System unterirdischer Wasserkanäle. Diese Ingenieurskunst ermöglichte es, selbst in trockenen Gebieten üppige, grüne Gärten anzulegen. So wurden Kräuter ganzjährig zur verlässlichen und gesunden Basis der Ernährung.
Als Kind bin ich so aufgewachsen, ich kenne es nicht anders. Die Geschäfte in unserer Stadt waren bis unter die Decke voll mit frischen Kräutern. Zahra Hassan Zahde Moghaddam
Als Zahra Hassan Zahde Moghaddam vor fast 40 Jahren nach Deutschland kam, war die Verfügbarkeit von frischen Kräutern in hiesigen Supermärkten noch eine andere. Um den Geschmack ihrer Heimat zu bewahren, wurde sie erfinderisch: Sie brachte Samen aus dem Iran mit. Vor allem das "Rehan", ein spezielles lila Basilikum, das für das traditionelle "Sabzi Khordan" (einen Teller mit frischen, rohen Kräutern als Beilage) essenziell ist, baute sie in ihrem neuen Zuhause selbst an.
Heute ist Deutschland für die ehemalige Gastronomin und Fußpflegerin längst zur zweiten Heimat geworden. Doch der Geschmack der Kindheit bleibt ein emotionaler Anker, auch wenn man ihn nie exakt kopieren kann.
Kuku Sabzi: persisches Kräuteromlette
Zutaten für 4 Personen
- 4-5 große Eier
- Je 1 Bund frische Petersilie und Koriander (fein gehackt)
- 1/4 Tasse frischer Dill (fein gehackt)
- 1 kleine Zwiebel (fein gehackt)
- 2-3 Knoblauchzehen (fein gehackt)
- 1 TL Kurkuma
- Salz
- Pfeffer
- 3-4 EL Pflanzenöl
- optional: 1/4 Tasse Berberitzen (für die feine Säure)
Zubereitung
Petersilie, Koriander und Dill gründlich waschen, sehr fein hacken und mit Zwiebel und Knoblauch mischen. Eier in einer Schüssel verquirlen. Gewürze (Kurkuma, Salz, Pfeffer) unterrühren. Dann die Kräutermasse (und optional die eingeweichten Berberitzen) hinzufügen und alles gründlich vermengen.
Öl in einer großen Pfanne erhitzen. Die Masse hineingießen und glattstreichen. Bei mittlerer Hitze mit Deckel ca. 10-15 Minuten stocken lassen, bis die Unterseite goldbraun ist. Das Omelett vorsichtig wenden (am besten auf einen Teller gleiten lassen und umgedreht zurück in die Pfanne schieben) und weitere 5-10 Minuten knusprig braten.
Das Kuku Sabzi auf einen Teller legen und leicht abkühlen lassen. In Stücke schneiden und warm oder bei Raumtemperatur servieren. Es kann alleine gegessen werden, mit Reis oder mit Fladenbrot, Joghurt und frischen Kräutern serviert werden – oder auch als Sandwich im Brot – Ana Romas' persönlicher Geheimtipp! Gut dazu: eingelegte Gurken und Oliven sowie frisches Gemüse und Kräuter.
Autorin: Ana Romas
Redaktion: Monika Kophal
Ana Romas ist Foodbloggerin und schaut für "WDR 5 Neugier genügt" ihren Nachbarn in den Topf.
Service Essen und Trinken ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort mittwochs zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.