Städte stimmen über Olympia-Standorte ab | WDR aktuell

02:35 Min. Verfügbar bis 10.03.2028

Olympia-Bewerbung: Jetzt stimmt NRW ab

Stand:

Olympia in NRW: Ja oder Nein? Seit Dienstag finden die ersten Stimmberechtigten der Bürgerentscheide die Unterlagen in ihren Briefkästen. Abstimmen dürfen bis zum 19. April alle Wahlberechtigten in den 17 Gemeinden, in denen Wettbewerbe laufen könnten.

Von Daniel Schmitz und Olaf Jansen

In den Briefkästen von rund vier Millonen NRW-Bürgern landen ab heute Abstimmungsunterlagen. Es geht um die Frage, ob sich 17 anvisierte Städte an Rhein und Ruhr um Olympische Spiele bewerben sollen.

Wer kann bis wann abstimmen?

Bis zum 19. April 2026 können die Bürgerinnen und Bürger in den betroffenen Kommunen der Region Rhein-Ruhr über die Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 abstimmen. Grundlage dafür sind sogenannte Ratsbürgerentscheide, in der eine konkrete Frage vom Stadtrat an die Bevölkerung übertragen wird.

Die Frage lautet: "Sind Sie dafür, dass sich die Stadt N.N. an der gemeinsamen Bewerbung der Region Rhein/Ruhr um die Olympischen und Paralympischen Spiele im Jahr 2036, 2040 oder 2044 beteiligt?". Die Bürgerinnen und Bürger können mit Ja oder Nein antworten.

Abstimmung zur Olympia-Bewerbung

WDR Studios NRW 10.03.2026 02:27 Min. Verfügbar bis 09.03.2028 WDR Online

Wie läuft die Abstimmung?

Westfalenhalle beim Vier-Nationen-Handballturnier 2014

Ein olympisches Handballturnier in der Dortmunder Westfalenhalle?

Abstimmungsberechtigt sind alle EU-Bürgerinnen und -bürger ab 16 Jahren, die seit mindestens drei Monaten in einer der teilnehmenden Gemeinden wohnen. Die Abstimmungen werden ausschließlich per Brief durchgeführt. Damit das Ergebnis gültig ist, muss nicht nur eine Mindestbeteiligung erreicht werden sondern auch ein bestimmter Zustimmungswert. In Städten mit über 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern müssen Beteiligung und Zustimmung bei zehn Prozent liegen. In kleineren Kommunen liegt das Abstimmungsquorum bei bis zu 20 Prozent. 

Heißt konkret: In einer Kommune mit 100.000 Einwohnern müssen zum einen mindestens 10.000 Menschen am Ratsbürgerentscheid teilnehmen. Zum anderen muss unter den Teilnehmenden eine Mehrheit für die Olympiabewerbung votieren, und diese Mehrheit muss aus mindestens 10.000 Menschen bestehen.

Stadtsportbund: 90 Prozent der Sportstätten schon vorhanden

"Unser großer Vorteil an Rhein und Ruhr ist: Wir haben 90 Prozent der Sportstätten, die für Olympia gebraucht würden, schon hier", sagt Mathias Grasediek.

Der Geschäftsführer des Dortmunder Stadtsportbundes spricht beispielhaft für alle beteiligten NRW-Städte, wenn er sagt: "Wir bräuchten also keine großen Neubauten, die nach den Spielen keiner mehr nutzt." Denn die bereits vorhandene Infrastruktur und damit verbunden der Wegfall von allzu vielen kostspieligen Neubauten ist eins der stärksten Argumente für Spiele in NRW.

Was bringen Olympische Spiele?

Die Bewerbung ist dennnoch umstritten. Studien zeigen, dass Olympische Spiele oft kurzlebige wirtschaftliche Effekte bringen, hohe Kosten verursachen und den Wohnungsmarkt unter Druck setzen können. Olympia-Kritiker fordern, das Geld lieber in den Breitensport zu investieren, statt in ein riskikoreiches Mega-Event. Die finanziellen Auswirkungen seien bislang nicht ausreichend durchgerechnet worden.

Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester widerspricht dieser Einschätzung. Die Budgets seien kalkuliert, die Kosten lägen bei 4,8 Milliarden Euro und würden vollständig privat finanziert. Durch den Ticketverkauf rechne man sogar mit einem Gewinn.

Ratsbürgerentscheide zur Olympia Bewerbung in 17 Städten

Im Mittelpunkt der Olympia-Bewerbung steht Köln als sogenannte "Leading City". So sieht das Konzept vor, in Köln das olympische Dorf für die Athleten zu errichten. In Mönchengladbach würden beispielsweise Wettbewerbe im Hockey stattfinden, in Dortmund Spiele im Fußball und Handball. In Düsseldorf sind unter allen beteiligten Kommunen die meisten Wettkämpfe vorgesehen. Dazu gehören beispielsweise Volleyball, Handball, Basketball, Ringen oder Fußball.

Abstimmen können die Menschen aus dem teilnehmenden Gemeinden Aachen, Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Herten, Köln, Krefeld, Leverkusen, Mönchengladbach, Monheim am Rhein, Oberhausen, Pulheim, Recklinghausen und Wuppertal

Die Stadt Düsseldorf teilte auf ihrer Homepage mit, dass die Benachrichtigungen gemeinsam mit den Abstimmungsunterlagen automatisch bis zum 29. März zugestellt werden. Dieses Datum nennt auch die Stadt Aachen. In Köln heißt es: "Die Unterlagen kommen voraussichtlich zwischen dem 19. und 27. März 2026 bei Ihnen an." In Monheim am Rhein werden die Abstimmungsunterlagen Mitte März an die Haushalte verschickt. 

Was passiert bei negativem Abstimmungs-Ergebnis?

Klar ist: Endet die Abstimmung in einer Kommune mit einem negativen Ergebnis, kann sich die Stadt nicht mehr weiter innerhalb der Olympia-Bewerbung engagieren. Bei kleineren Städten hätte das womöglich keine gravierenden Auswirkungen auf die Gesamtbewerbung - man könnte noch Ersatz-Sportstätten finden.

Fällt das Votum allerdings in einem der "Big Player" wie Köln, Düsseldorf oder Dortmund negativ aus, würde die Gesamt-Bewerbung wackeln. Und: Selbst wenn es am Ende eine Mehrheit für die Spiele gibt, bleibt noch die deutsche Konkurrenz. Denn auch München, Berlin und Hamburg wollen sich bewerben. In München hat schon eine Mehrheit für die Spiele ausgesprochen.

Wie geht's nach dem Entscheid weiter?

Im Herbst will der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheiden, mit welcher Stadt oder Region sich Deutschland um das sportliche Großereignis bewirbt. Neben der Region Rhein/Ruhr kandidieren auch Berlin, Hamburg und München. Bei einem Bürgerentscheid in München hatte eine Mehrheit im Oktober vergangenen Jahres Ja zu den Olympischen und Paralympischen Spielen gesagt.

Unser Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort
  • Olympia-Bewerbung KölnRheinRuhr
  • Stadt Dortmund
  • StadtSportBund Dortmund
  • Instagram / TSC Eintracht Dortmund
  • Umfrage in der Dortmunder Innenstadt
  • Infos der Städte Düsseldorf, Monheim und Köln
  • Pressemitteilung des Landes NRW

Sendung: WDR.de, Olympia in NRW - Ja oder nein?, 10.03.2026, 10.45 Uhr

Weitere Beiträge

1 / 2