Anne Brorhilker, geboren 1973, entdeckte die Vorgänge um unrechtmäßige Steuerrückzahlungen bei CumEx- und CumCum-Geschäften 2013. In der Folge ermittelte die Juristin jahrelang akribisch, zuletzt als Oberstaatsanwältin in Köln und Leiterin mehrerer Teams. Eine Kärrnerarbeit wegen riesiger Datenmengen, intransparenter Strukturen und internationaler Dimensionen – und interner Probleme, die es immer wieder gab.
2024 kündigte Anne Brorhilker deshalb überraschend ihren Job und wechselte als Co-Geschäftsführerin zur "Bürgerbewegung Finanzwende". Die Organisation versteht sich als Gegengewicht zur Finanzlobby und setzt sich für faire Finanzmärkte ein. Brorhilker ist überzeugt, dass sie als Aktivistin mehr erreichen kann als im Staatsdienst. Als Beamtin hatte sie zudem auch Zweifel, ob es genügend politischen Willen zur Aufklärung gibt.
Dabei schätzt Anne Brorhilker, dass dem deutschen Staat bis zu 100 Milliarden Euro jährlich an Einnahmen durch Steuerhinterzieheung entgehen. Eine Summe, mit der man ganz anders über Haushaltslöcher und Sparmaßnahmen diskutieren könnte, wenn sie denn zur Verfügung stehen würde. Und sie prangert ein Zwei-Klassen-System an: "Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen." Diese Ungerechtigkeit zu ändern, ist die Motivation von Anne Brorhilker.
Redaktion: Chris Hulin
Buchtipp:
Anne Brorhilker (2025): Cum/Ex, Milliarden und Moral – Warum sich der Kampf gegen Wirtschaftskriminalität lohnt. München: Heyne Verlag. 272 Seiten. 24 Euro. ISBN: 978-3-453-21911-3