Herkunftssprachen – mal willkommen, mal abgelehnt
Stand:
In Deutschland kommt nicht jede Sprache gleich gut an. "Oui" trifft meist auf Wohlwollen, "Tamam" eher auf Skepsis. Linguizismus nennt die Wissenschaft diese Art der Diskriminierung. Reporterin Florentine Ambalika Kirchhof hat mit Menschen gesprochen, die das selbst erlebt haben.
Linguizismus gebe es in allen Gesellschaften, sagt Dr. Ina-Maria Maahs von der Uni Köln. Aber es unterscheide sich, welche Sprachen hohes Ansehen genießen und welche weniger. Und das hänge oft mit den Assoziationen, Erfahrungen und Vorurteilen zusammen, die Menschen mit einer Sprache und den jeweiligen Ländern verbinden. In Deutschland genießen europäische Schulfremdsprachen ein hohes Prestige, im Gegensatz zu Sprachen, wie Russisch, Türkisch, Polnisch oder Arabisch.
Die ungleiche Bewertung von Sprachen habe Folgen für junge Menschen, die in einem mehrsprachigen Haushalt aufwachsen, sagt Psychologin Deniz Baspinar. Kinder spüren und erfahren, dass ihre Herkunftssprache als minderwertig und etwas Abzulegendes betrachtet wird.
Im Erwachsenenalter könne es dann zu einer bewussten Wiederhinwendung zur Herkunftssprache kommen, die ein wichtiger Teil der eigenen Identität ist. Dann können diese Menschen auch als "Brückenmenschen" zu anderen Gesellschaften und Gemeinschaften fungieren, ergänzt Dr. Aria Adli von der Uni Köln.
Autorin: Florentine Ambalika Kirchhof
Redaktion: Lars Schweinhage
WDR 5, Neugier genügt, Sendung vom 17.06.2026, 10.04 Uhr