Eine Familie im Ghetto
Schon 1488 siedelte das erste Mitglied der jüdischen Familie Zuntz von Zons am Rhein nach Frankfurt am Main. Mehr als 300 Jahre lang lebte die Familie in der Judengasse, dem ersten jüdischen Ghetto in Europa. Mit der Emanzipation zogen sie weg: In Berlin gründete Leopold Zunz die Wissenschaft des Judentums, in Bonn gründete Rachel Zuntz das Kaffeeunternehmen "A. Zuntz selige Witwe". Karl Zuntz blieb der letzte Familienangehörige in der Judengasse, bevor er nach Auschwitz deportiert wurde.
Erinnern in Zeiten der Intoleranz
Zum 500. Familienjubiläum gelang es dem Israeli Jehuda Zuntz, einen Stammbaum von rund eintausend Verwandten weltweit zu erstellen. Nun widmet das Jüdische Museum Frankfurt der Familie eine Ausstellung. Im Zentrum steht der Dialog zwischen der Berliner Fotografin Ruthe Zuntz und ihrem Vater Simon, einem Überlebenden des Holocaust und passioniertem Briefschreiber. In einer Zeit wachsender Intoleranz gegenüber Migranten stellt die Ausstellung die Frage nach der Erinnerung an die Shoah ohne Zeitzeugen – anhand einer überwiegend jüdischen Familie, die man als urdeutsch bezeichnen könnte.
Autor: Igal Avidan
Eine Produktion des Hessischen Rundfunks 2025
Redaktion im WDR: Christina-Maria Purkert
Das Lebenszeichen läuft immer sonn- und feiertags um 08.30 Uhr auf WDR 3 und sonntags um 08.04 Uhr auf WDR 5.