Und Einsamkeit kann jeden treffen:
“Das ist so eine Konstante in meinem Leben, dass ich mich nie irgendwo so richtig dazugehörig gefühlt hab. Das war in all meinen Lebensphasen so und ist auch nach wie vor so.” Comedian Felix Lobrecht
Sagt Felix Lobrecht, einer der erfolgreichsten Comedians Deutschlands und 1LIVE 99 Problems Moderator. Er ist einer von vielen Menschen, die von Einsamkeit betroffen sind und im 1LIVE Sektorreport: Einsamkeit ein Tabu brechen wollen. Felix glaubt, dass wir so wenig über Einsamkeit reden, liegt zum Beispiel daran.
“Das ist ein bisschen so, wie dass man lieber in ein Restaurant geht, in dem schon Leute drin sind, als in ein leeres Restaurant. Wenn man zugibt, dass man sich einsam fühlt, kann das vielleicht so wirken wie "mit dir will keiner Abhängen, dann will ich auch nicht mit dir abhängen" und dann redet man gar nicht drüber. Aber ich glaube, dass der Gedanke Quatsch ist” Comedian Felix Lobrecht
Im Auftrag vom 1LIVE hat infratest dimap eine repräsentative Studie durchgeführt, bei der das Einsamkeitsempfinden von 1.165 Menschen aus Nordrhein-Westfalen abgefragt wurde.
Diese zeigt, dass immer mehr junge Menschen unter Einsamkeit leiden. Fast die Hälfte der 18- bis 34-Jährigen in Nordrhein-Westfalen berichtet, sich sogar in Gesellschaft von Familie, Freunden, Partnerin oder Partner einsam zu fühlen.
Das beschreibt auch 1LIVE Hörerin Lorena, 17, aus Bonn:
“Ich glaube nicht alle verstehen, wie man sich fühlt und auch wenn man mit den anderen zusammen ist und nicht auf einer anderen Ebene ist. Dann zieht man sich zurück und denkt, dass man nicht wie die anderen ist und dann ist man halt einsam.” Lorena aus Bonn
Es ist auffällig, dass gerade diese Form von Einsamkeit, die auch in Gesellschaft von Familie, Freunden und in der Partnerschaft auftritt, junge Menschen deutlich mehr betrifft als andere Altersgruppen.
Für die Studie hat das Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap im Auftrag von 1LIVE im Juni 2025 1.165 Personen ab 18 Jahren aus NRW zu ihren Einsamkeitsgefühlen in konkreten sozialen Situationen befragt: In Gesellschaft anderer und während dem Scrollen auf Social Media. Antwortmöglichkeiten waren neben „häufig“ und „manchmal“ auch „selten“ und „nie“.
Auch Social Media ist laut unserer Befragung ein Auslöser von Einsamkeitsgefühlen.
1LIVE Hörerin Johanna, 22, aus Köln beschreibt konkrete Situationen, in denen es ihr so geht.
“Wenn Leute viele Sachen posten von ganz vielen Treffen mit ganz vielen Menschen und man selbst alleine zuhause sitzt und man denkt: Warum habe ich das gerade nicht?” Johanna aus Köln
Die von 1LIVE in Auftrag gegebene repräsentative Studie zeigt, dass jeder und jede vierte Person in Nordrhein-Westfalen sich beim Konsum von Social-Media-Angeboten einsam fühlt. Bei den 18- bis 34-jährigen tritt das Gefühl mit 45 Prozent fast doppelt so häufig auf wie unter den Nutzenden insgesamt.
Einer von fünf jungen Erwachsenen berichtet von häufigen Belastungen, während der Nutzung von Social Media. Sängerin Nina Chuba kennt das Gefühl aus eigener Erfahrung:
“Das kann ja nur zu Einsamkeit fühlen, wenn man sich denkt: Ich lieg allein in meinem Bett und schau aber Leuten beim Feiern auf einer tollen Insel zu. Da fühlt man sich einfach nicht verstanden und als wäre man irgendwie so nicht in der gleichen Welt wie die Menschen, die anscheinend das Leben auskosten. Zumindest wie es so aussieht.” Sängerin Nina Chuba
Streamer Zarbex verbringt beruflich viel Zeit online und hat sich in Phasen der Einsamkeit auch häufig in seine Streams geflüchtet.
“Als Influencer kennst du Gott und die Welt, aber es sind zu 99% nur oberflächliche Freundschaften, sag ich mal. Du redest nicht über deine Gefühle, wie dein Tag war. Irgendwann fing das dann bei mir an, so in meinem closen Freundeskreis, dass wir uns nach dem Stream, oder abends einfach privat anrufen und fragen: Hey was ist so los bei dir? Und dann reden wir wirklich eine halbe Stunde über Privates. Das ist echt angenehm und hat die Freundschaften auch echt nochmal gestärkt.” Streamer Zarbex
Keine Altersgruppe ist so stark von Einsamkeit betroffen, wie junge Menschen. Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim findet in den Zahlen aber auch einen Trost.
“Wenn ich so Umfragezahlen zum Beispiel höre, wie viele Menschen betroffen sind und sich einsam fühlen, dann ist natürlich im ersten Moment schockierend und traurig. Aber gleichzeitig sehe ich darin auch einen Trost, weil ich dann weiß, ich bin ja nicht allein mit dem Gefühl. Ich glaube das erstmal zu realisieren ist schon der erste Schritt. Und der zweite Schritt ist sich zu öffnen, um eben auch dadurch wieder Connections zu finden.” Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim