Die Riester-Rente ist in den vergangenen Jahren immer unbeliebter geworden: Zu hohe Kosten und zu geringe Erträge, so eine häufige Kritik. Die Riester-Rente wird deshalb immer unattraktiver, die Zahl der Verträge geht seit 2018 immer weiter zurück. Ende 2024 gab es noch knapp 15 Millionen Verträge. In viele davon wurde jedoch gar nicht mehr eingezahlt. Mit der Reform der privaten Altersvorsorge will die Bundesregierung das Sparen fürs Alter attraktiver machen.
Hintergrund der Pläne ist ein Grundproblem des deutschen Rentensystems: Immer weniger Beitragszahlerinnen und Beitragszahler müssen für immer mehr Rentnerinnen und Rentner bezahlen. Laut einer Berechnung des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) kamen im Jahr 2022 auf 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter knapp 30 über 67 Jahre. Im Jahr 2040 werden es laut IW mehr als 40 sein.
Die Deutsche Rentenversicherung hat im Jahr 2023 knapp 380 Milliarden Euro ausgegeben. Rund drei Viertel davon stammen aus Beitragseinnahmen, der Rest wird vor allem durch Steuergeld finanziert. Die Aktivrente könnte die Rentenkasse zumindest ein wenig entlasten. Denn die Einnahmen sind zwar steuerfrei, allerdings sozialversicherungspflichtig. Wer im Alter weiter arbeitet, muss also auch weiterhin in die Rentenversicherung einzahlen.
Im vergangenen Jahr hatten wir euch gebeten, uns Fragen zum Rentensystem zu schicken. Die häufigsten eurer Fragen beantworten wir in diesem Beitrag.
- Wie genau sieht die Reform der Riester-Rente aus?
- Wie unterscheidet sich die neue Förderung der privaten Altersvorsorge von der alten Riester-Rente?
- Wie funktioniert die neue Aktivrente?
- Werden bei der Aktivrente Sozialabgaben fällig?
- Wer profitiert von der Aktivrente?
- Was kostet die Aktivrente den Staat?
- Welche Ansätze zur Reform des Rentensystems werden noch diskutiert?
- Auf welchen Säulen steht die Altersvorsorge?
- Wie unterscheiden sich gesetzliche Rente und Pensionen?
- Warum sind die Pensionen so viel höher als die Renten?
- Wie haben sich Renten und Pensionen zuletzt entwickelt?
- Müssen Renten versteuert werden?
Wie genau sieht die Reform der Riester-Rente aus?
Mit einer neuen staatlichen Förderung soll die private Altersvorsorge attraktiver werden. Ab 2027 wird es mehrere staatlich geförderte Altersvorsorge-Depots geben. Damit können Sparer in Aktien oder Fonds investieren, dafür gibt es staatliche Zuschüsse.
Für jeden eingezahlten Euro bis jährlich 360 Euro wird es 50 Cent vom Staat geben. Für jeden eingezahlten Euro zwischen 360 und 1.800 Euro 25 Cent. Jährlich ergibt sich so ein Zuschuss von maximal 540 Euro. Am größten ist der Vorteil für Sparer, die monatlich nur bis zu 30 Euro zurücklegen. Außerdem erhalten Eltern einen Kinderzuschlag von maximal 300 Euro pro Jahr und Kind, dafür müssen sie monatlich mindestens 25 Euro einzahlen.
Wie unterscheidet sich die neue Förderung der privaten Altersvorsorge von der alten Riester-Rente?
Bei der 2002 eingeführten Riester-Rente sind Anbieter verpflichtet, die eingezahlten Beiträge zu 100 Prozent zu garantieren. Wer über einen Riester-Vertrag fürs Alter spart, geht also kein Risiko ein. Ein geringeres Risiko bedeutet aber auch eine geringe Rendite. Zugleich kassieren Versicherungen und Banken bei den Riester-Verträgen vergleichsweise hohe Abschluss- und Verwaltungskosten. Unterm Strich lohnten sich die Verträge deshalb häufig nicht.
Mit der Reform der privaten Altersvorsorge fällt die starre Beitragsgarantie weg. Damit steigt zwar das Risiko für die Sparerinnen und Sparer, gleichzeitig wächst aber auch die Renditechance, sodass die Altersvorsorge attraktiver wird. Für diejenigen, die kein Risiko eingehen wollen, soll es weiterhin Angebote geben, bei denen 100 Prozent der eingezahlten Beiträge garantiert ausgezahlt werden. Neu ist außerdem, dass auch Selbständige von einer staatlichen Förderung für die Altersvorsorge profitieren.
Wie funkioniert die neue Aktivrente?
Mit der Aktivrente könnten Rentnerinnen und Rentner jeden Monat bis zu 2.000 Euro steuerfrei hinzuverdienen. Dieser Freibetrag gilt direkt bei der Lohnzahlung. Das heißt: Wer als Rentner weiterarbeitet, profitiert direkt von einem höheren Nettogehalt und muss nicht erst auf die Rückzahlung nach der Steuererklärung warten. Die Aktivrente muss auch nicht beantragt werden, der Freibetrag wird vom Arbeitgeber automatisch bei der Berechnung der Lohnsteuer berücksichtigt.
Außerdem hat sich die Bundesregierung darauf geeinigt, dass die Aktivrente nicht dem so genannten Progressionsvorbehalt unterliegt. So wird vermieden, dass Rentner wegen ihrer zusätzlichen Einkünfte aus der Aktivrente in einen höheren Steuertarif rutschen und zum Beispiel auf ihre reguläre Rente oder Mieteinkünfte höhere Steuern zahlen müssen.
Werden bei der Aktivrente Sozialabgaben fällig?
Ja - wenn auch nicht in vollem Umfang. Wer Aktivrente bezieht, muss Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bezahlen. Der Arbeitgeber muss zudem Beiträge für die Rentenversicherung zahlen. Nur die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung fallen bei der Aktivrente komplett weg.
Wer profitiert von der Aktivrente?
Wer die Aktivrente in Anspruch nehmen will, muss die Regelaltersgrenze erreicht haben. Diese Grenze wird schrittweise erhöht und liegt für den Geburtsjahrgang 1959 derzeit bei 66 Jahren und zwei Monaten. Diejenigen, die vorzeitig in Rente gehen, profitieren erst dann vom Steuerbonus, wenn sie das reguläre Renteneintrittsalter erreicht haben.
Außerdem gilt die Aktivrente nur für sozialversicherungspflichte Jobs. Ausgeschlossen sind zum Beispiel Beamte, Selbständige und Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft. Auch für Minijobs gilt die Aktivrente nicht.
Was kostet die Aktivrente den Staat?
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) erwartet jährliche Mindereinnahmen in Höhe von 890 Millionen Euro. Davon sollen jeweils 348 Millionen auf den Bund und die Länder entfallen, 134 Millionen auf die Gemeinden.
Laut Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft sind die Einnahmeausfälle für den Staat deutlich höher. Grundlage für die Analyse sind Zahlen aus dem Jahr 2023. Damals waren bundesweit rund 600.000 Menschen im Rentenalter beruflich tätig. Weil diese Menschen weniger Steuern mit der Aktivrente zahlen müssten, ergeben sich laut IW Mitnahmeeffekte in Höhe von 2,8 Milliarden Euro. Ob die Aktivrente tatsächlich ein Anreiz für ältere Menschen ist, länger zu arbeiten, sei hingegen unklar.
Welche Ansätze zur Reform des Rentensystems werden noch diskutiert?
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hält es für nötig, dass die Menschen in Deutschland länger arbeiten. Es könne auf Dauer nicht gut gehen, nur zwei Drittel des Erwachsenenlebens zu arbeiten und ein Drittel in der Rente zu verbringen, so die CDU-Politikerin. Bundesarbeits- und Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) hat vorgeschlagen, dass auch Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, um so die Einnahmen zu erhöhen.
Mit einer ganz anderen Idee hat sich das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung zu Wort gemeldet. Die Ökonomen fordern einen so genannten "Boomer-Soli", eine Abgabe, bei der Rentner mit hohen Einkünften diejenigen mit weniger Geld unterstützen würden. Diese Umverteilung innerhalb der älteren Generation soll die jüngere Generation entlasten.
Auf welchen Säulen steht die Altersvorsorge?
Die Altersvorsorge in Deutschland steht auf drei Säulen. Der Kern ist dabei für die meisten Menschen die gesetzliche Rentenversicherung beziehungsweise die Beamtenversorgung. Neben diesen so genannten öffentlich-rechtlichen Pflichtsystemen gibt es noch die betriebliche Altersversorgung und die private Versorgung, zum Beispiel über Riester-Verträge, private Rentenversicherungen oder Aktiensparpläne.
Die Deutsche Rentenversicherung weist darauf hin, dass es häufig nicht ausreicht, sich allein auf die gesetzliche Rente zu verlassen. Diese werde in den kommenden Jahrzehnten langsamer wachsen als die Löhne. "Es ist deshalb sehr wichtig, zusätzlich fürs Alter vorzusorgen", heißt es von der Deutschen Rentenversicherung.
Wie unterscheiden sich gesetzliche Rente und Pensionen?
Für die Höhe der Pension von Beamtinnen und Beamten spielen zwei Faktoren eine Rolle: Die Dauer des Beschäftigungsverhältnisses und die Höhe der Bezüge in den letzten zwei Jahren vor der Pensionierung. So ergibt sich eine maximal mögliche Pension in Höhe von gut 71 Prozent der letzten Bezüge. In der Praxis lagen die Pensionen für Bundesbeamte 2024 durchschnittlich bei knapp 67 Prozent.
Das Rentenniveau in der gesetzlichen Rentenversicherung liegt derzeit bei 48 Prozent. Das bedeutet: Wer 45 Jahre lang mit einem durchschnittlichen Einkommen in die Rentenversicherung eingezahlt hat, bekommt eine Rente in Höhe von 48 Prozent dieses Durchschnittsverdienstes. Zentral für die Höhe der gesetzlichen Rente sind die Entgeltpunkte, oft auch als Rentenpunkte bezeichnet. Wer in einem Jahr genau so viel verdient hat, wie der Durchschnitt aller Versicherten (derzeit 50.493 Euro), erhält dafür einen Rentenpunkt. Jeder Rentenpunkt ist aktuell 40,79 Euro wert.
Laut Alterssicherungsbericht der Bundesregierung bekamen Rentnerinnen und Rentner zuletzt im Schnitt 1093 Euro im Monat. Die durchschnittliche monatlichen Pension für Bundesamte und Richter lag bei 3480 Euro für Männer und 2980 Euro für Frauen.
Warum sind die Pensionen so viel höher als die Renten?
Pensionen und gesetzliche Renten lassen sich nicht direkt miteinander vergleichen. Das liegt zum einen daran, dass bei der Rente die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bereits abgezogen sind. Pensionäre müssen die Kosten, die nicht durch die Beihilfe abgedeckt werden, hingegen selbst bezahlen.
Hinzu kommt, dass die gesetzliche Rente nur die erste Säule der Altersvorsorge abdeckt, die so genannte Regelsicherung. Daneben gibt es - zumindest in der Theorie - noch die zweite Säule, die betriebliche Altersvorsorge. Für Beamte gibt es eine solche Zusatzsicherung nicht, hier muss die Pension beide Säulen der Altersvorsorge abdecken. Für die dritte Säule, die private Vorsorge, sind sowohl gesetzlich Versicherte als auch Beamte selbst verantwortlich. Verzerrt wird der Vergleich zwischen Renten und Pensionen laut Bundesinnenministerium außerdem dadurch, dass bei der Berechnung des Rentenniveaus oft auch niedrige Renten etwa von Minijobbern oder von Beschäftigten mit nur wenigen Versicherungsjahren einfließen. Darüber hinaus müssen Pensionen voll versteuert werden, Renten hingegen derzeit noch nur teilweise.
Beamte profitieren allerdings davon, dass sich die Höhe ihrer Pension nur an den Bezügen ihrer letzten beiden Beschäftigungsjahre orientiert. Hier sind die Einkünfte in der Regel besonders hoch, niedrigere Bezüge, etwa aus den ersten Berufsjahren, fallen bei der Pension daher nicht ins Gewicht. Bei der gesetzlichen Rente hingegen wird das Einkommen des gesamten Berufslebens berücksichtigt, also auch die Jahre, in denen die Versicherten noch nicht so viel verdient haben.
Wie haben sich Renten und Pensionen zuletzt entwickelt?
Laut Bundesinnenministerium sind Pensionen und Renten in den vergangenen Jahren in vergleichbarem Umfang gestiegen, weil sich beide Systeme an der Entwicklung der Löhne und Gehälter orientieren. Während die Renten in den westlichen Bundesländern von 2011 bis 2020 um 25,7 Prozent gestiegen sind, wurden die Pensionen der Bundesbeamten im gleichen Zeitraum um rund 27,6 Prozent erhöht.
Müssen Renten versteuert werden?
Ja, auch für Renten fallen auch Steuern an. Bei der Besteuerung der Renten läuft in Deutschland gerade eine Umstellung. Dabei wächst der steuerpflichtige Teil der Rente mit jedem Jahr. Wer beispielsweise im Jahr 2025 in Rente geht, muss 84 Prozent der Rente versteuern.
Diese Umstellung führt auch dazu, dass immer mehr Rentnerinnen und Rentner verpflichtet sind, eine Steuererklärung abzugeben. Eine Steuererklärung ist immer dann nötig, wenn der steuerpflichtige Teil der Jahresbruttorente über dem Grundfreibetrag liegt, derzeit sind das 12.348 Euro.
Bundeskabinett bringt "Aktivrente" auf den Weg
WDR Studios NRW. 15.10.2025. 01:20 Min.. Verfügbar bis 15.10.2027. WDR Online.
Worüber noch bei der Reform des Sozialstaats diskutiert wird:
Das Bürgergeld kürzen oder Steuern erhöhen - hier könnt ihr weitere aktuelle Debatten zum Sozialstaat verfolgen, eure Fragen stellen und mitdiskutieren:
Unsere Quellen:
- Bundesinnenministerium
- Deutsche Rentenversicherung
- Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Alterssicherungsbericht 2024
- Institut der Deutschen Wirtschaft
- Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung
- tagesschau.de: "Wir müssen mehr und länger arbeiten."
- tagesschau.de: Beamte sollen in die Rentenversicherung einzahlen
- tagesschau.de: Aktivrente würde Milliarden kosten
- Mails und Kommentare, die uns zu diesem Thema von Usern erreicht haben
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 25.03.2026, 18:45 Uhr
Kommentare zum Thema
Sehr geehrte Damen und Herren, ich war gestern bei einem Vortrag über unsere Pflegeversicherung. Ich habe leider nicht gewusst das ich schon viele Jahre einbezahlt habe aber nie etwas bekommen werde. Weil ich so unglaublich dumm war 35 Jahre meine kleine zwei Zimmer Eigentumswohnung abzuzahlen, ich war der Meinung keine Miete als Rentner zu bezahlen wäre eine gute Idee. Weit gefehlt, wenn ich Pflegebedürftig werde zahlt der Staat nicht einen Cent für mich, es wird die Wohnung als Vermögen herangezogen, usw , mein Fleiß war es also umsonst gearbeitet zu haben. Mir kann Mann es ja wegnehmen ! Ich bin ja reich!Ne nur unglaublich dumm. Eine Frage in die Runde , ein Asylant , das sind ja nicht wenige, wer bezahlt das Pflegeheim? Das ist kein sozialer Neid von mir, das verbitte ich mir ausdrücklich. Aber warum werde ich für mein Lebenswerk noch so abgezogen?
Erstaunlich finde ich allerdings, dass bestimmte Kräfte ständig den Sozialstaat abbauen wollen. Immer wird mit den steigenden Kosten und angeblich leeren Staatskassen argumentiert. Dieses Spiel ist seit Jahrzehnten beobachtbar. Es führt aber eben nicht zu Wachstum und Wohlstand, sondern zu einer Zunahme von ganz prekären Verhältnissen. Dabei wäre eine Regierung in der Lage, den Fokus auf Steuerbetrug einzustellen. Umsatzsteuerkarusselle, CumCum und CumEx zum Beispiel, müssen ja nicht sein. Hier kann die Regierung doch sinnvoll tätig werden. Aber das wird offenbar alles stillschweigend ignoriert, obwohl es ohne diese Plünderungen eine Billion Euro mehr im Staatshaushalt geben würde. So hoch wird der Steuerausfall durch Betrug für die letzten 10 Jahre mindestens eingeschätzt!
Nebelkerzen wie die geplanten Änderungen beim Bürgergeld, um zu verschleiern, dass Konservative und Rechte keinerlei Antworten haben auf die dringenden Probleme unserer Zeit. Dabei ließe sich bei den Reichen in diesem Land doch wirklich genug holen.
@Renate, man kann nicht alle Reiche einfach so pauschal über einen Kamm scheren. Viele sind mit Fleiß, mit Schweiß, Bildung und Anstand zu ihrer Belegschaft privat reicher geworden. Wo ich kritisiere, dass sind die großen Konzerne, die Lobby der Versorgung, die uns täglich abzocken und selbst enorm hohe Gehälter, Honorare jährlich privat erhalten. Beim Sport ist es auch so, muss ein Fußballspieler um die 20/25 Jahren schon ein (X) Millionär sein, der sich eine Yacht für 26 000 Euro am Tag buchen kann im Urlaub? Bei vielen Millionäre könnte man was holen, die in Luxus leben, aber uns über das TV sagen wie wir zu sparen haben ist hochnäsig der unteren Gesellschaft gegenüber.