NRW wirbt um Forscher aus dem Ausland

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Das Land Nordrhein-Westfalen hat ein neues Programm, um Spitzenforscher aus dem Ausland an die Unis in NRW zu holen. Die sogenannten Innovationsprofessuren richten sich besonders an strategisch wichtige Forschungsfelder.

Zielgruppe: Forschende aus dem Ausland

Das Programm richtet sich an Forschende aus dem Ausland, vor allem außerhalb von Europa - etwa aus den USA. Laut Wissenschaftsministerin Ina Brandes (CDU) ist die Initiative bundesweit einmalig.

Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft, am 28.03.2025 im Landtag NRW

NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes (CDU)

Die Bundesregierung hat sich zwar ein "1.000 Köpfe-Programm" in ihren Koalitionsvertrag geschrieben, mit dem "internationale Talente" gewonnen werden sollen, damit Deutschland in Zeiten globaler Polarisierung als "attraktives Zielland" erhalten bleibe. Allerdings, so NRW-Ministerin Brandes, würden nur bestehende Programme aufgestockt und keine neuen aufgesetzt.

US-Unis unter Druck

Der Anstoß für das neue Landesprogramm sei die Situation in den USA gewesen, wo Unis und Forscher durch die Regierung von Präsident Donald Trump zunehmend unter Druck geraten. Wobei sich das Programm nicht nur an US-Forschende richtet, sondern auch an Wissenschaftler aus anderen Ländern.

Die Ministerin sagt, sie nehme ein gestiegenes Interesse an deutschen Unis wahr, auch von Forschenden aus den USA oder solchen, die zurückkehren wollen nach Deutschland. Gestört habe sie aber die Debatte darum: Im Zentrum habe damals die Frage gestanden, inwiefern Deutschland von der Situation profitieren könne. Brandes meint, es gebe aber bereits viel Austausch und Kooperation: "Das sind unsere Freunde", sagt sie, und dass man nicht mit einem Wunschzettel durch die Unis laufen könne. Vielmehr gehe es darum, diejenigen zu unterstützen, die gerne das Land verlassen wollen.

Johanna Antonie Tjaden-Schulte, Vorständin der NRW-Bank sagt: "Die geopolitische Situation hat eine Chance eröffnet und wir sind der Meinung, die Chance muss ergriffen werden, weil Europa als Ort für freie Forschung und Lehre ganz deutlich an Relevanz gewonnen hat."

Einige sind bereits zurückgekehrt

Einige haben diesen Schritt bereits gemacht. Seit 2007 gibt es ein Programm, das es Wissenschaftlern aus Deutschland ermöglicht, nach einem Aufenthalt im Ausland zurück an eine Uni in NRW zu kommen. Prof. Alpaslan Tasdogan war für fünf Jahre in Dallas (Texas), mittlerweile forscht er an der Medizinischen Fakultät der Uni Duisburg-Essen. Sein Fokus liegt auf der Erforschung von Schwarzem Hautkrebs und der Frage, warum Krebszellen in verschiedene Organe streuen.

An der Forschungslandschaft in NRW gefalle ihm, dass man unkompliziert zusammenarbeiten könne, "was in Amerika oft erschwert ist". Er habe Freunde und Bekannte in den USA, die ein Auge auf NRW haben: "Ich denke, da können wir gut mithalten."

Auch Prof. Hans-Georg Steinrück ist zurückgekehrt. Nachdem er fünf Jahre in Stanford verbracht hat, kam er erst nach Paderborn und forscht seit 2023 am Forschungszentrum Jülich. Er ist Direktor des Instituts für nachhaltige Wasserstoffwirtschaft und glaubt, dass es dem Forschungsstandort Deutschland gut tun würde, wenn er internationaler würde.

LPK mit Wissenschaftsministerin Ina Brandes und Forscher*innen zu Innovationsprofessuren

Wissenschaftler im Gespräch mit der Ministerin. V.l.n.r.: Prof. Hans-Georg Steinrück, Prof. Iris Niehues, Ministerin Ina Brandes, Johanna Antonie Tjaden-Schulte, Prof. Andrea Kirsch, Prof. Alpaslan Tasdogan

Er selbst habe in den USA gute Erfahrungen gemacht, die Willkommenskultur sei selbstverständlicher. Davon wünsche er sich auch hier mehr - etwa, dass Menschen mit unterschiedlichem Background willkommen geheißen würden und so ihr Start reibungsloser werde.

Über das Rückkehrprogramm sind auch Forscherinnen aus europäischen Ländern wieder nach NRW gekommen. Prof. Andrea Kirsch etwa. Sie hat in Dänemark gelebt und geforscht, jetzt widmet sie sich "Energiematerialien der Zukunft" an der Ruhr-Uni Bochum und lobt die Vernetzung der Unis untereinander. Sie gehören zu der Gruppe von 65 Rückkehrern, die seit 2007 nach NRW gekommen sind.

Finanzierung über NRW-Bank und Spender

Das neue Programm soll das bestehende ergänzen und vor allem Wissenschaftler in der "Hochphase ihrer Karriere" ansprechen, wie Ministerin Brandes sagt. Sie seien anspruchsvoll in den Rahmenbedingungen, daher sei das Programm bewusst großzügig ausgestaltet. Wie viele Forschende kommen können, ist nicht klar und hängt von der finanziellen Höhe der Professuren ab. Das Ministerium und die NRW-Bank rechnen mit Summen von 500.000 bis 900.000 Euro pro Jahr für eine W3-Professur inklusive Ausstattung. Dabei spielt die Tätigkeit eine Rolle - und wie verhandelt wird.

Die NRW-Bank stellt insgesamt 17,5 Millionen Euro bereit. Davon soll jeweils die Hälfte einer Professur bezahlt werden, über einen Zeitraum von fünf Jahren. Die andere Hälfte soll von Stiftungen oder Spendern kommen oder die antragstellende Universität übernimmt 50 Prozent der Kosten selbst. So sollen insgesamt 35 Millionen Euro zusammenkommen.

Über dieses Thema berichten wir am 08.09.2025 auch in den WDR-Hörfunknachrichten und ab 17:05 Uhr im Westblick auf WDR5.

Unsere Quellen:

  • Pressekonferenz in Düsseldorf
  • Pressemitteilung des NRW-Wissenschaftsministeriums

Millionenförderung für Spitzenforschung in NRW

WDR 5 Westblick - aktuell 08.09.2025 06:21 Min. Verfügbar bis 08.09.2026 WDR 5

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