Launch des JUPITER Supercomputers in Jülich | Kurzvideo
01:27 Min.. Verfügbar bis 05.09.2027.
Großer Aufmarsch für einen sehr großen Computer: Zur Einweihung des Supercomputers "Jupiter" am Forschungszentrum Jülich waren Freitagnachmittag Bundeskanzler Friedrich Merz, NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und Landeswissenschaftsministerin Ina Brandes gekommen. Dazu viele weitere prominente Gäste aus Bundes-, Landes- und Europapolitik. Bei der offiziellen Eröffnung sparte der Bundeskanzler nicht mit Superlativen. „Deutschland kann in der Forschung, Entwicklung und Anwendung von Zukunftstechnologien neue Maßstäbe setzen und zur Lösung von Menschheitsaufgaben beitragen“, sagte Friedrich Merz. Deutschland und Europa hätten große Chancen, bei der weiteren Entwicklung von KI eine entscheidende Rolle zu spielen - auch wenn aktuell die USA und China die weltweiten Maßstäbe setzen. Er wolle, "dass wir das alles mit den größten Ambitionen voranbringen", sagte Merz.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst betonte die Bedeutung von KI für das Land. "Jupiter ist ein Meilenstein für den Strukturwandel im Rheinischen Revier und für unseren konsequenten Weg von der Kohle zur KI", sagte Wüst. Der Supercomputer bringe NRW dem Ziel näher, ein KI-Hotspot in Europa zu werden.
Neuer Supercomputer in Jülich | WDR aktuell
01:53 Min.. Verfügbar bis 05.09.2027.
Was macht "Jupiter" besonders?
Nicht nur "Jupiters" Maße von 80 mal 40 Meter sind beachtlich, auch seine enorme Rechenleistung, die in Europa einzigartig ist, setzt Maßstäbe"Jupiter" ist europaweit der erste Supercomputer, der mehr als eine Trillion Rechenoperationen in der Sekunde ausführen kann. Das entspricht der Rechenleistung von 5 Millionen Notebooks. In Nerd-Sprache ausgedrückt: "Jupiter" ist mit 24.000 GH200 Grace Hopper Superchips von NVIDIA bestückt und kann so ein Exaflop, sprich 10 hoch 18 Gleitkommaoperationen pro Sekunde, erreichen.
Damit ist "Jupiter" laut der Top 500-Liste der Technologieberatungsfirma Prometeus einer der vier leistungsfähigsten Supercomputer weltweit. Allerdings ist diese Liste nicht vollständig: Firmen wie Amazon, Meta oder Google lassen ihre Rechner nicht in die Top 500 aufnehmen, auch China reicht seit Jahren keine Daten mehr ein.
Was kann "Jupiter" im Bereich KI leisten?
"Jupiter" kann überall eingesetzt werden, wo es darum geht, KI-Modelle mit großen Datenmengen zu trainieren. Das kann die Entwicklung von Medikamenten sein, Teilchenphysik oder Militärtechnik.
Wo und wann gibt es Unwetter? KI soll Prognosen verbessern
Auch bei Klima- und Wettermodellen wird zunehmend auf KI gesetzt. Wettermodelle basieren auf einem "Netz", in dessen einzelnen "Maschen" wichtige Daten wie Temperatur, Druck und Luftfeuchtigkeit berechnet werden. Derzeit sind diese "Maschen" ca. 13 Kilometer weit. "Mit Jupiter können wir das ändern und die Klimazukunft mit der räumlichen Auflösung von etwa einem Kilometer simulieren", so der Atmosphärenforscher Lars Hoffmann. Der Supercomputer liefert demnach bessere Antworten auf die Frage, wann und wo mit Extremwetter zu rechnen ist. Heftige Gewitter oder Starkregen sollen in Zukunft, so die Hoffnung, deutlich realistischer und genauer prognostiziert werden können.
In welchem Bereich genau die Rechenkraft von "Jupiter" in Zukunft zum Einsatz kommt, steht noch nicht fest. Das Bundesforschungsministerium und das Land NRW haben einen Wettbewerb ins Leben gerufen, bei dem Forschungsgruppen und Unternehmen Ideen einreichen konnten, wie sie "Jupiter" für KI-Modelle nutzen wollen.
Was haben wir in NRW davon?
Da "Jupiter" aufgrund seiner Rechenleistung besonders dafür geeignet ist, große Datenmengen in KI einzubringen und diese so zu trainieren, besteht die Hoffnung, dass sich um "Jupiter" herum viele Firmen gruppieren: Entwickler, Programmierer, Start-Ups mit innovativen Ideen, wie man KI einsetzen könnte. "Wenn die Rechenleistung erst einmal da ist, könnten viel mehr Ideen für Start-ups und Unternehmen im Bereich der künstlichen Intelligenz entstehen", sagt Jannis Hecker, Referent für künstliche Intelligenz beim Digitalverband Bitkom, dem WDR. Jülich soll ein zentraler Ort für die Entwicklung neuer KI-Modelle werden.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sieht "Jupiter" als "Meilenstein für den Strukturwandel im Rheinischen Revier und für unseren konsequenten Weg von der Kohle zur KI". Das Ziel sei, NRW zum "KI-Hotspot in Europa zu machen", sagte er in einer Mitteilung.
Derzeit haben in diesem Bereich die USA die Nase vorn. Doch das Ziel angesichts der politischen Verhältnisse ist klar: Europa will unabhängiger werden und möglichst wenig US-Systeme nutzen - auch im Bereich der Superrechner. "Wenn der US-Präsident Trump heißt und ihm etwas nicht gefällt, was wir hier in Europa machen, kann der Zugang zu diesen Systemen schnell eingeschränkt werden", warnte etwa der Informatiker Holger Hoos von der RWTH Aachen.
Was kostet "Jupiter"? Wer bezahlt das?
Eine halbe Milliarde Euro. Die Kosten werden aufgeteilt: Der Bund und das Land NRW übernehmen je 125 Millionen Euro, der Rest kommt von GU EuroHPC (Gemeinsames Unternehmen für europäisches Hochleistungsrechnen). Diese Kooperation wurde von EU und privaten Firmen ins Leben gerufen, um in diesem Bereich mit der Weltspitze mithalten zu können.
Wie viel Energie verbraucht Jupiter?
Ein Teil der Abwärme wird zum Heizen genutzt
"Jupiter" gilt als energieeffizient, zumindest für einen Supercomputer. Er kann pro Watt mehr als 60 Milliarden Rechenoperationen durchführen und ist damit laut den Herstellern der effizienteste in der Top 5 der Superrechner. Dennoch verbraucht er sehr viel (ökologisch erzeugten) Strom: Bei Voll-Last geht man in Jülich von ca. 18 Megawatt aus. "Mit Inbetriebnahme des Rechners erhöht sich der Stromverbrauch des Forschungszentrum erheblich", heißt es dort.
Die Abwärme, die "Jupiter" erzeugt, soll vor Ort genutzt werden, um das Forschungszentrum zu beheizen. Dafür wurde ein System aus Wärmepumpen installiert. Zunächst sollen 20 Prozent von "Jupiters" Abwärme genutzt werden, im Laufe der Zeit soll der Wert auf 50 Prozent steigern.
Wie sicher ist "Jupiter" vor Hackern und kriminellen Nutzern?
Die enorme Rechenpower eines Supercomputers wie "Jupiter" kann theoretisch nicht nur für Forschung, Wissenschaft und Unternehmen eingesetzt werden, sondern auch für kriminelle Zwecke. Besonders, wenn es um das Knacken von Passwörtern geht, spielt die Rechenleistung eine entscheidende Rolle. Während ein normaler Computer 526 Jahre benötigt, um ein starkes Passwort zu entschlüsseln, bräuchte "Jupiter" dafür laut WDR-Digitalexperte Jörg Schieb nur wenige Wochen.
Sorgen müsse man sich aber in diesem Fall nicht machen. "Jupiter ist in sicheren, wissenschaftlichen Händen und für normale Kriminalität unzugänglich", so Schieb. Das Auswahlverfahren darüber, wer Jupiters Rechenzeit nutzen darf, sei streng abgelaufen. "Kein Hacker bekommt dazu Zugang." Zudem könne man sich auch mit einem solchen Supercomputer nicht live irgendwo durch Knacken eines Passwortes einhacken, sondern allenfalls versuchen, abgegriffene Passwörter zu entschlüsseln. Die eigentliche Cyber-Bedrohung liege woanders, sagt Schieb: "Bei schwachen Passwörtern, Phishing und staatlichen Quantencomputer-Programmen."
Über dieses Thema berichten wir auch im WDR Fernsehen um 12.45 Uhr in der Sendung "WDR aktuell"
Unsere Quellen:
- Forschungszentrum Jülich
- Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen
- Interview mit Thomas Lippert, Direktor des "Jülich Supercomputing Centre"
- Top 500-Liste von Prometeus