Windräder-Ausbau: NRW ist im ersten Halbjahr weiter spitze
02:23 Min.. Verfügbar bis 14.07.2027.
Lebhafte Brise statt lauem Lüftchen: In Nordrhein-Westfalen sind im ersten Halbjahr 101 Windräder neu ans Netz gegangen. Das geht aus einer Auswertung des Marktstammdatenregisters hervor, die der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE NRW) heute veröffentlicht. Sie liegt dem WDR vor.
Damit ist NRW nunmehr seit einem Jahr in den Windrad-Statistiken im bundesweiten Vergleich ganz vorn. Niedersachsen und Schleswig-Holstein landen in der aktuellen Auswertung auf den Plätzen zwei und drei.
So viel wie im Gesamtjahr 2022
Die 101 Windräder können 525 Megawatt (MW) Strom erzeugen. Damit wurde nun in sechs Monaten in NRW mehr neue Leistung installiert als im Gesamtjahr 2022 - damals waren es 421 Megawatt brutto. Weil im gleichen Zeitraum auch alte Anlagen abgebaut wurden, beträgt der Nettozuwachs im ersten Halbjahr 479 MW. Das ist in etwa so viel wie ein durchschnittlicher Braunkohle-Kraftwerksblock. Diese Zahlen sind vorläufig und können sich bis Ende des Monats aufgrund von Nachmeldungen noch geringfügig ändern.
Ausbau auf Rekordkurs
Christian Vossler (LEE NRW)
"NRW könnte beim Windkraftausbau erstmals nach acht Jahren ein neues Spitzenniveau erreichen", sagt LEE NRW-Geschäftsführer Christian Vossler mit Blick auf den möglichen Gesamtwert für 2025. Der bisherige Ausbaurekord stammt aus dem Jahr 2017 und liegt bei 881 MW brutto im Jahr. Vossler hofft, dass dieses neue Ausbau-Niveau in den nächsten Jahren "zumindest" beibehalten wird. Die Vorzeichen dafür sind günstig: In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden in NRW 468 neue Windenergieanlagen mit einer Leistung von rund 2.822 MW genehmigt. Der LEE NRW vertritt die Interessen der Unternehmen, die im Sektor der Erneuerbaren Energien tätig sind.
Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur (Grüne) nannte den Windrad-Ausbau auf WDR-Anfrage ein "handfestes Zukunftsprogramm." Sie ergänzte: "Bezahlbare, sichere und unabhängige Energie ist unerlässlich für eine klare wirtschaftliche Perspektive. Ambitionierter Klimaschutz ist auch ökonomisch sinnvoll, denn er schafft Arbeitsplätze, sichert Wertschöpfung vor Ort und macht uns unabhängig von fossilen Importen."
Netzanschluss dauert oft lange
Mona Neubaur (Grüne)
Aus Sicht der Branche gibt es aber auch Probleme: Die Wartezeiten, bis die Windräder auch ans Stromnetz angeschlossen werden, würden länger und seien "ein immer größeres Ärgernis". Auch der Transport der mitunter riesigen Windrad-Teile über Autobahnen und Landstraßen sei schwierig. Bei der extra dafür neu eingesetzten "Stabsstelle Windenergie" im Verkehrsministerium sei "noch viel Luft nach oben", so Vossler. Er fordert zum Beispiel Mikrokorridore und temporäre Behelfsausfahrten für den Transport.
Neubaur räumte ein, es bleibe "noch viel zu tun, etwa bei Netzausbau sowie -anschluss. Hier steht die Landesregierung im engen Austausch mit den Netzbetreibern." Bei den Transporten sei es ihr Ziel, "die Routenplanung von der Produktionsstätte zu den Anlagenstandorten gemeinsam mit den zuständigen Behörden zu optimieren."
NRW will klimaneutral werden
Insgesamt sind nun in NRW 3.829 Windräder in Betrieb, sie können 8.282 Megawatt Strom erzeugen. Ihr Bau findet vor dem Hintergrund der Klimakrise statt. Um diese zu begrenzen, hat sich Nordrhein-Westfalen gesetzlich verpflichtet, bis 2045 klimaneutral zu werden. Dafür soll Ökostrom, der hierzulande vorrangig mit Windrädern und Solarzellen erzeugt wird, die fossil erzeugte Elektrizität ablösen.
Unsere Quellen:
- Mitteilung und Statistik des LEE NRW
- Stellungnahme Mona Neubaur
Über dieses Thema berichten wir am 14. Juli auch im WDR Hörfunk: In den Nachrichten "WDR aktuell" ab 06 Uhr.
