Waldbrandgefahr in NRW: Wie gut sind die Kommunen vorbereitet?
Westpol. 13.07.2025. 17:41 Min.. UT. DGS. Verfügbar bis 13.07.2030. WDR.
Ein steiler Hang im Wald bei Lindlar im Bergischen Land. Im Frühjahr loderten hier auf mehr als drei Hektar die Flammen. „Zwischenzeitlich drohten wir, von dem Feuer überrollt zu werden“, beschreibt Kreisbrandmeister Julian Seeger den Einsatz. Jetzt, drei Monate nach dem Brand, ist der Waldboden von Grün überwuchert, darunter aber noch schwarze Asche und verkohltes Holz.
Seeger hatte den Einsatz damals geleitet und zeigt uns an der Brandstelle, was die Herausforderung ist: „Der Wald wartet nicht auf uns.“ Ein Einsatz hier sei viel schwieriger, als in der Stadt. Denn: Es gibt keine Zufahrten. Keine Hydranten. Keine Brandmelder. Kein Licht.
Waldbrand bei Lindlar-Eichholz, März 2025
Mehr als 300 Feuerwehrleute waren im Einsatz, vielfach zu Fuß. Und für den gefährlichen Einsatz im Wald ist eine gute Ausrüstung essenziell. So braucht man etwa, um wendig zu sein und Glutnester zu löschen, leicht tragbare Löschrucksäcke. Doch von denen standen, so Seeger, zu wenige zur Verfügung. Noch immer arbeitet er daran, mehr zu bekommen.
Nur zwei Kreise halten Mittel für Waldbrandschutz für ausreichend
Vor drei Jahren hatte die NRW-Landesregierung öffentlichkeitswirksam ihr Waldbrandschutzkonzept vorgestellt. Was ist seitdem passiert? Und wie bewerten die Kreise und Städte mittlerweile den Waldbrandschutz im Land?
Das WDR-Magazin Westpol hat die 18 Kreise und kreisfreien Städte in NRW mit einem Waldanteil von über 20 Prozent befragt: Lediglich zwei von ihnen bewerten die personellen und finanziellen Mittel zur Umsetzung eines Waldbrandschutzkonzepts bisher als „ausreichend“.
Forstämter und Feuerwehr tauschen sich besser aus
Sieben Kreise und Städte halten sie für "eher ausreichend", fünf für „nicht ausreichend“. Vier Städte und Kreise haben auf die Frage nicht geantwortet. Deutlich wird: Mit der Unterstützung des Landes bei der Umsetzung der öffentlichkeitswirksam ausgerufenen Waldbrandstrategie sind viele nicht zufrieden.
Zwar sei manches bereits verbessert wurden, etwa der Austausch zwischen Forstämtern und Feuerwehren. Doch anderes fehle weiter.
Forderung: Bessere Infrastruktur und Warnsysteme
Wuppertal etwa fordert in der Westpol-Abfrage: „Finanzielle Unterstützung des Landes für die Herstellung der Wege- und Löschwasserinfrastruktur.“ Der Kreis Euskirchen wünscht sich die „verpflichtende Schaffung von Waldbrandschneisen“ und dass private Waldbesitzer stärker in die Pflicht genommen werden, etwa mit einer gesetzlichen Pflicht zur „Schaffung von Löschteichen“.
Ein Großteil der Waldfläche im Land (67%), liegt nämlich bei vielen verschieden privaten Waldbesitzern, die sich Waldgebiete teilen und jeweils für sich bewirtschaften. Jeder kann bisher selbst entscheiden, ob er eine Maßnahme umsetzt oder nicht.
Der Rheinisch-Bergische Kreis wünscht sich einen weiteren „Ausbau der Luftunterstützung, z. B. Hubschrauber zur Unterstützung der Brandbekämpfung“. Aktuell sind in NRW 14 Kräfte der Polizeifliegerstaffel ausgebildet, um mit Hubschraubern samt Löschkörben abzuheben und Brände aus der Luft zu bekämpfen.
Und zur Prävention werden teils bundes- und landesweite Kampagnen zur Aufklärung der Bevölkerung gefordert. Außerdem bessere Frühwarnsysteme und mehr Drohneneinsatz zur Waldüberwachung. Auch der Waldbrand in Lindlar hätte so möglicherweise noch früher erkannt und bekämpft werden können.
Experten: Mehr Tempo ist nötig
Alexander Held
Der Waldbrandexperte Alexander Held vom European Forest Institute stützt solche Forderungen der Kreise und Städte. Er sagt: Die Landesregierung NRW habe einen richtigen Weg eingeschlagen – entscheidend sei aber jetzt, „mit wieviel Dampf das umgesetzt wird, mit wie viel Energie“. Echter Waldbrandschutz sei „abhängig von der langfristigen politischen Unterstützung“.
Die Brände in Sachsen und Thüringen zeigen, laut Held, die Geschwindigkeit der Klimaentwicklung hin zu mehr Brandgefahr: „Und wenn wir Schritt halten wollen mit dieser Geschwindigkeit, dann reicht es uns nicht nur mit Erklärungen zu arbeiten und Absichtserklärungen.“
Zahl der Waldbrände in NRW gestiegen
Das NRW-Landwirtschaftsministerium, zuständig für den Forst, erwidert: Neben der Zusammenarbeit von Forstämtern und Feuerwehr seien auch schon mehr Löschübungen realisiert worden. Es verweist außerdem auf entsprechende Fördertöpfe zur Umsetzung von Schutzmaßnahmen. Und auf das Modellprojekt „Fire Watch“ zur Überwachung mit Kameras.
Verkohlter Ast nach Waldbrand in Lindlar
Eine Ausweitung des Projektes sei in Prüfung und viele weitere Einzelmaßnahmen seien auf den Weg. Dennoch: Die Zahl der Waldbrände war in NRW in den 2010er Jahren niedrig, ist zuletzt deutlich gestiegen. Laut Klimaatlas NRW lag sie zwischen 2012 und 2017 stets zwischen 20 und 35 Bränden im Jahr, 2020 waren es dann 227, 2022 auch 203. Der Klimawandel und Trockenphasen werden dies, so erwartet Brandexperte Alexander Held, weiter verschärfen.
Viele der Städte und Kreise mit hohem Waldanteil hoffen darauf, dass die Landesregierung sie beim Umsetzen der Waldbrandkonzepte – und damit beim Schutz ihrer Feuerwehrleute und Bürger – noch besser unterstützen wird.
Unsere Quellen:
- Abfrage bei 18 Kreisen und kreisfreien Städten in NRW mit mehr als 20% Wald
- Anfrage Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW
- Vor Ort-Recherche in Lindlar
- Landeszentrale für Polizeiliche Dienste
- Alexander Held, European Forest Institute
Über dieses Thema berichten wir auch im WDR Fernsehen am 13.07.25 um 19:30 Uhr in der Sendung Westpol.

