Florian Glatter berichtet aus Sachsen zu den Bränden

Aktuelle Stunde 05.07.2025 35:47 Min. Verfügbar bis 05.07.2027 WDR

Waldbrandgefahr: Wie sich NRW vor Feuern schützt

Stand:

Im Osten Deutschlands kämpfen hunderte Einsatzkräfte an verschiedenen Brandherden, aber auch in Teilen von NRW gibt es zeitweise ein hohes Waldbrandrisiko. Was sind die Ursachen für die Brände? Wie gut ist das Land vorbereitet? Und worauf sollten wir jetzt achten?

Der Brandgeruch des Feuers, das am Dienstag an der Landesgrenze von Brandenburg und Sachsen ausgebrochen ist, reichte am Samstag sogar bis nach Berlin. Rund 700 Feuerwehrleute versuchten, die Flammen in der Gohrischheide einzudämmen.

Die Gohrischheide ist ein Naturschutzgebiet, auf dem sich bis 1992 ein Truppenübungsplatz der sowjetischen Armee befand. Der Löscheinsatz am Boden ist schwierig, weil die Gefahr besteht, dass restliche Munition detoniert. Aus diesem Grund wurden zuletzt vier Löschhubschrauber und zwei Wasserwerfer eingesetzt. Auch in Thüringen kämpft die Feuerwehr noch gegen die Flammen, die sich über 250 Hektar Land erstrecken.

Dramatisch ist die Lage auch in Kalifornien und in Südost-Europa. In Kalifornien sind beim bisher größten Waldbrand des Jahres schon mehr als 28.000 Hektar Land verwüstet worden. Die Brände, die in dieser Woche in der Türkei, Griechenland und Syrien loderten, wurden durch Trockenheit und starken Wind angefacht.

Hohe Waldbrandgefahr auch in NRW

Auch bei uns in NRW sind durch Temperaturen zwischen 24 und zuletzt bis zu 39 Grad Bäume, Büsche und Gräser so trocken, dass sie schnell Feuer fangen können. Gestern war die Gefahr vor allem im Süden von NRW noch hoch, auf Stufe 4 von 5 möglichen Stufen. Heute liegen die meisten Bereiche in NRW wieder bei Stufe 2, mancherorts noch bei Stufe 3. Aber gebrannt hat es auch schon, zum Beispiel in Arnsberg und auch im Kreis Düren.

Die Gründe für solche Waldbrände sind manchmal schon "sehr verwunderlich", sagt Wilfried Thelen, der stellvertretende Kreisbrandmeister in Düren. Der berühmte Blitzschlag sei selten verantwortlich. Jüngst habe zum Beispiel ein im Wald gebauter Lehmbackofen für einen Waldbrand gesorgt.

"Statistisch gesehen entstehen die Hälfte aller Waldbrände durch Fahrlässigkeit und Brandstiftung - das muss man klar so ausdrücken." Wilfried Thelen, stellvertretender Kreisbrandmeister Düren

Brandursache ist oft der Mensch

Dabei könnten die meisten Waldbrände vermieden werden. So sieht es auch Kreisbrandmeister Thomas Sprank in der Städteregion Aachen. Er rät Spaziergängern und Radfahrern im Wald:

"Auf keinen Fall rauchen, kein Grillfeuer entzünden, es sich nicht mit Fackeln, Laternen, Kerzen im Wald gemütlich machen, keine Zigaretten, die noch glühen, aus dem Fahrzeug Fenster werfen. Und parken Sie wegen der heißen Motor- und Katalysator-Temperaturen nicht im trockenen Gras." Kreisbrandmeister Thomas Sprank, Städteregion Aachen

Besonders wichtig sei es auch, die Zufahrtswege in Waldgebiete für die Feuerwehr frei zu halten, damit die Löschfahrzeuge in Ernstfällen auch durchkommen.

Große landesweite Konzepte noch in Arbeit

Um NRW sicherer vor Waldbränden zu machen, wurden von der Landesregierung vor drei Jahren verschiedene Maßnahmen angekündigt: Brandschneisen durch NRWs Wälder, mehr Löschteiche und bessere Bedingungen für die Feuerwehren wie Rettungswege und neue Ausrüstung.

Auf WDR-Nachfrage im NRW-Forstministerium im Frühjahr wurde klar, dass diverse neue Löschteiche noch nicht entstanden sind, und es wurden bisher auch keine kilometer-langen Schneisen geschaffen. Dafür gebe es verschiedene Einzelprojekte wie die Überwachung von Waldstücken oder neu angeschaffte, besonders geländegängige Feuerwehrfahrzeuge. Forstministerin Silke Gorißen (CDU) stellte im Frühjahr dann aber auch schon eher nüchtern fest:

"Das wird alles nicht von heute auf morgen umgesetzt. Da bedarf es vieler Köpfe, vieler Konzepte in den einzelnen Regionen. Wir haben enorm viel Wald bei uns." Silke Gorißen (CDU), Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW

Größter Teil des Waldes in privater Hand

Nur 13 Prozent des Waldes gehören überhaupt dem Land. Selbst neben den Wäldern der Kommunen sind 67 Prozent in Privatbesitz, teils kleinste Abschnitte in einem Wald. Das Problem ist also eine gemeinsame Abstimmung von Staat und privaten Waldbesitzern für Wege, Schneisen oder Überwachung.

Diese vielen kleinen und auch größeren Parzellen von Privatwald sind auch für Uwe Schwarz, stellvertretender Kreisbrandmeister des Hochsauerlandkreises, ein Problem. Maßnahmen zum Brandschutz würden teilweise blockiert, weil sich ein einzelner Privatmann wehre. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Ebenen könnten schon optimiert werden, so Schwarz. "Vielleicht muss man hier und da auch noch ein bisschen Geld in die Hand nehmen, um mehr zu machen."

Mehr Abstimmung durch gemeinsame Übungen

Das Bild zeigt einen Feuerwehrhelm vor der verbrannten Waldfläche.

Verbrannte Waldfläche in Overrath

Feuerwehren und Forstämter arbeiten in NRW zunehmend eng zusammen. Gemeinsame Übungen sorgen dafür, dass im Ernstfall klare Absprachen und bekannte Ansprechpartner existieren - das spart wertvolle Zeit. Denn die Förster kennen ihr Revier: Sie wissen, welche Wege befahrbar sind, wo trockenes Gehölz steht oder welche Baumarten dort wachsen. Diese Informationen helfen der Feuerwehr, gezielte Löschstrategien zu entwickeln und Risiken frühzeitig zu erkennen.

Bei so einem Praxistest, wie er am Samstag im Hochsauerlandkreis stattgefunden hat, ist auch der menschliche Faktor besonders wichtig.

"Der konkrete Nutzen liegt einfach da drin in Krisenzeiten Köpfe kennen, das heißt wenn sich die Försterinnen und Förster und die Feuerwehr kennen, ist es um ein Vielfaches einfacher und leichter, im Ernstfall sehr schnell Maßnahmen zu ergreifen." Uwe Schwarz, stellvertretender Kreisbrandmeister des Hochsauerlandkreises

Mehr Technik für mehr Sicherheit

Feuerwehreinsatz in Dülmen

Die Feuerwehr kann einen Brand mit einer Drohne einschätzen

Neben Löschfahrzeugen kommen im Kreis Düren auch spezielle Drohnen zum Einsatz. Mit hochauflösenden Wärmebildkameras können vermeintliche Brandherde schnell lokalisiert werden.

Waldbrände aus der Luft zu bekämpfen, hält auch der Deutsche Feuerwehrverband für sinnvoll und hat kürzlich die Anschaffung von mehr Hubschraubern gefordert. Die Vorteile: Anders als Löschflugzeuge könnten sie überall eingesetzt werden, und Hubschrauber könnten im Zweifelsfall auch Menschen retten und Material transportieren.

Nicht nur Bäume können brennen

Aber nicht nur im Wald lauert derzeit die Brandgefahr. Thomas Sprang warnt auch, vor der eigenen Haustür zu zündeln.

"Derzeit ist es überhaupt nicht angebracht mit Brenner zu versuchen, Unkraut zu entfernen. Gerade in der Nähe zu trockenen Gehölz entzündet sich das quasi wie Papier." Kreisbrandmeister Thomas Sprank, Städteregion Aachen

So ein Feuer könne dann letztendlich nur durch die Feuerwehr erfolgreich bekämpft werden. Fliegt brennendes Unkraut auf eine Hecke, kann auch das eigene Haus schnell in Brand geraten.

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Kreisbrandmeister Thomas Sprank im WDR 5 Morgenecho am 05.07.2025
  • WDR-Interview mit Wilfried Thelen, stellvertretender Kreisbrandmeister Düren im WDR 5 Morgenecho am 05.07.2025
  • WDR-Interview mit Uwe Schwarz, stellvertretender Kreisbrandmeister des Hochsauerlandkreises im WDR 5 Morgenecho am 05.07.2025
  • Karl-Heinz Banse, Präsident Deutscher Feuerwehrverband, im NOZ-Interview vom 24.06.2025

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