Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz baut seine Öffentlichkeitsarbeit deutlich aus. Mit dem Format "Auf dem Radar" ist er nun auf mehreren digitalen Plattformen vertreten. Vorgesehen sind Kurzvideos, Hintergrundformate und Podcasts auf Instagram, YouTube, Facebook, Spotify, Apple Podcasts, Threads und WhatsApp.
Nach Angaben des Innenministeriums sollen Menschen dort erreicht werden, wo extremistische Inhalte, Desinformation und Propaganda heute besonders sichtbar sind: auf dem Smartphone und in sozialen Netzwerken.
Ergänzung zu klassischen Verfassungsschutzberichten
Innenminister Herbert Reul (CDU) begründete den Schritt bei der Vorstellung in Düsseldorf. "Wir wollen dort präsent sein, wo das Leben heute spielt: online, auf dem Handy, mitten im Feed". Ziel sei es, früher aufzuklären und Warnungen nicht nur über klassische Verfassungsschutzberichte zu verbreiten.
"Wir gehen dahin, wo angeworben wird, wo radikalisiert wird, wo Desinformationen gestreut werden." Innenminister Herbert Reul (CDU)
Ein Teil der Mittel für das Projekt stammt laut Ministerium aus dem Sicherheitspaket der Landesregierung, das nach dem Anschlag von Solingen geschnürt worden war.
Themen aus allen Bereichen des Verfassungsschutzes
Verfassungsschutzchef Jürgen Kayser sprach von einer "strategischen Neuausrichtung" der Aufklärungsarbeit. Künftig sollen Themen aus allen Bereichen des Verfassungsschutzes digital aufbereitet werden, darunter Rechtsextremismus, Linksextremismus, Islamismus, Desinformation, Spionage und Cyberbedrohungen.
Die Inhalte sollen bewusst einfach verständlich, schnell produzierbar und nah an aktuellen Entwicklungen sein. Unterstützt wird das Projekt nach Kaysers Angaben zunächst für ein Jahr von einer externen Agentur, mit Verlängerungsoptionen.
Alle großen Plattformen - mit einer Ausnahme
Die Kanäle sind auf allen Plattformen unter dem Account "aufdemradar.nrw" zu finden - mit einer Ausnahme. Die Plattform TikTok wird bislang noch nicht bespielt. Man wolle nicht nur Jugendliche, sondern breitere Altersgruppen erreichen, begründete Verfassungsschutzchef Kayser die Entscheidung.
Jürgen Kayser und Herbert Reul stellten "Auf dem Radar" vor
Zudem sehe man Risiken im TikTok-Algorithmus, weil emotional aufgeladene Inhalte dort besonders stark ausgespielt würden. Hinzu kämen Fragen der Glaubwürdigkeit und der operativen Sicherheit, weil TikTok ein chinesisches Unternehmen ist. Eine spätere Nutzung schloss Kayser allerdings nicht aus.
Die FDP begrüßt die Initiative grundsätzlich, übt aber auch Kritik: "Radikalisierung passiert heute auf TikTok, auf Streaming-Plattformen wie Twitch und in den Chats von Spielekonsolen - nicht primär auf den Kanälen, die die Landesregierung bespielt", erklärte Marcel Hafke, innenpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion. Wenn zentrale Plattformen außen vor blieben, werde nur ein Teil der Zielgruppe erreicht.
"Wer Kinder und Jugendliche wirksam schützen will, muss sie dort abholen, wo sie wirklich sind." Marcel Hafke (FDP)
Auch bei der Finanzierung müsse "kritisch hinterfragt werden, ob die gewählten Maßnahmen in einem angemessenen Verhältnis zum Nutzen stehen", so Hafke. Problematisch sei zudem, dass die Kampagne an entscheidenden Stellen wieder auf klassische Lagebilder verweise. "Das erzeugt einen Medienbruch und erschwert die Verständlichkeit."
Rechtliche Herausforderungen
User-Kommentare zu den veröffentlichten Beiträgen sollen stets möglich sein. Der Verfassungsschutz wolle auf Social Media in den Dialog kommen, Fragen beantworten und Inhalte einordnen, betonte Jürgen Kayser.
Bei der Verbreitung seiner Inhalte kann sich der Verfassungsschutz auch die Zusammenarbeit mit Influencern vorstellen, so Behördenchef Kayser. Er betonte aber zugleich: "Wir verstehen uns nicht selbst als Influencer, sondern eben als Frühwarnsystem, was sachlich, fachlich, fundiert aufklärt." Jedes veröffentlichte Video werde rechtlich abgesichert sein, stellte Kayser auf Nachfrage klar. "Wir werden da jetzt natürlich auch keine Schnellschüsse machen." Bei jedem Video werde sichergestellt, dass der Verfassungsschutz über die Organisation berichten dürfe.
Unsere Quellen:
- Innenminister Herbert Reul (CDU) und Verfassungsschutz-Chef Jürgen Kayser auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf
- Pressemitteilung der Landesregierung
- Statement von Marcel Hafke (FDP)
Sendung: WDR.de, "NRW-Verfassungsschutz will viral gehen", 24.03.2026, 11:41 Uhr
