Krankgeschriebener Lehrer tritt in Kochshows auf

Aktuelle Stunde 26.10.2025 35:16 Min. UT Verfügbar bis 26.10.2027 WDR Von Dorothea Schluttig

Aufregung um krankgeschriebenen Lehrer: Was sagt das Gesetz dazu?

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Mitten in Zeiten von Lehrermangel und massivem Unterrichtsausfall, sorgen Lehrkräfte für Schlagzeilen, die über Monate und Jahre bei vollen Bezügen krank ausfallen, ohne zum Amtsarzt zu müssen. Welche Rechte und Pflichten gelten eigentlich? Fragen und Antworten.

Wieder sorgt ein lange krankgeschriebener Lehrer für Aufregung in NRW: Der Mann soll während einer rund einjährigen krankheitsbedingten Auszeit in zwei Kochshows im Fernsehen aufgetreten sein. Der Fall weckt Erinnerungen an eine Lehrerin aus NRW, die 16 Jahre lang krank geschrieben war – bei vollen Bezügen.

Die Landesregierung will die Debatte nun zum Anlass nehmen, Verfahrensweisen zu optimieren, wie ein Sprecher des Schulministeriums ankündigte. Doch: Wie sieht die rechtliche Lage aus? Wann müssen Beamte zum Amtsarzt und wie steht es eigentlich mit den Bezügen bei angestellten Lehrern im Krankheitsfall? Fragen und Antworten zum Thema:

Wann muss ein Beamter zum Amtsarzt?

Die Schulleitungen haben laut Bezirksregierung krankheitsbedingte Fehlzeiten von Lehrkräften zu melden. Erkranken Lehrkräfte für längere Zeit – und zwar länger als drei Monate innerhalb von sechs Monaten – wird laut dem NRW-Schulministerium in der Regel ein amtsärztliches Verfahren eingeleitet. Damit soll geprüft werden, ob die Erkrankten grundsätzlich noch ihren Dienst ausüben können.

"Wenn jemand wegen einer Erkrankung innerhalb von sechs Monaten länger als drei Monate keinen Dienst macht und auch keine Aussicht besteht, dass er wieder gesundet innerhalb der nächsten sechs Monate, dann gilt er als dienstunfähig", erklärt Thorsten Masuch, Professor für Öffentliches Recht. Darauf könne sich der Dienstherr stützen und den Beamten oder die Beamtin zum Amtsarzt schicken.

Eine amtsärztliche Untersuchung könnte auch eine Grundlage sein, Lehrkräfte für andere Tätigkeiten einzusetzen. Kommt der Amtsarzt zu dem Ergebnis, dass die Lehrkraft nicht mehr dienstfähig ist, kann sie - laut Verband Bildung und Erziehung (VBE) - zum Ende des Monats in den Ruhestand versetzt werden. Dagegen können Lehrer klagen.

Warum gehen Zahlungen an Beamte weiter?

Während ihrer Krankheit haben Beamte Anspruch auf ihre vollen Bezüge. Die werden ohne zeitliche Begrenzung weiter gezahlt.

"Das liegt an dem besonderen Beamtenverhältnis, dem sogenannten Dienst- und Treueverhältnis. Sowohl der Beamte schuldet Dienst und Treue gegenüber dem Dienstherren, als auch umgekehrt", so Thorsten Masuch.

Es gilt das so genannte Alimentationsprinzip. Laut Bundesinnenministerium ist der Dienstherr durch die Verfassung (Art. 33 Abs. 5 GG) verpflichtet, der Beamtin und dem Beamten während der aktiven Dienstes, bei Invalidität und im Alter einen dem Amt oder früheren Amt angemessenen Lebensunterhalt zu gewähren.

"Es gibt nicht wie bei Angestellten, Entgeltfortzahlungen und dann verminderte Bezüge", so Masuch.

Welche finanziellen Nachteile hätten Beamte bei Dienstunfähigkeit?

Wenn Beamte wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand gehen, müssen sie mit entsprechenden Abzügen rechnen. Wird lediglich eine Teildienstunfähigkeit festgestellt, wird die Besoldung und die spätere Pension gekürzt.

Wie ist die rechtliche Lage bei angestellten Lehrern?

Die Schulleitungen haben der Bezirksregierung Fehlzeiten von erkrankten Lehrkräften zu melden. Wer als Lehrer angestellt ist und krank wird, bekommt sechs Wochen weiterhin Gehalt. Ab dann gibt es Krankengeld.

"Bei angestellten Lehrern gibt es den Grundsatz: Ohne Arbeit, keinen Lohn." Thorsten Masuch, Professor für Öffentliches Recht.

Wie viele Lehrer sind derzeit krankgeschrieben?

Aus einem aktuellen "Lagebild zu Langzeiterkrankungen bei Landesbeamten" geht hervor, dass im Geschäftsbereich des Schulministeriums 745 Beamte seit mehr als sechs Monaten, 582 Beamte mehr als ein Jahr, 47 Beamte länger als drei Jahre und 14 seit mehr als fünf Jahren krankgeschrieben sind. Von diesen 1.388 Personen mussten laut Land bisher 772 zum Amtsarzt - also etwa 55 Prozent.

Wie viele Lehrer fehlen derzeit in NRW?

Der Lehrermangel ist nach wie vor ein großes Problem in Nordrhein-Westfalen. Im Sommer gab es laut Schulministerium noch 7.000 unbesetzte Stellen.

Die rund 5.000 öffentlichen Schulen in Nordrhein-Westfalen hatten im Juni 2025 laut Ministerium einen Gesamtstellenbedarf von rund 171.600 Stellen. Das waren im Vergleich zum Dezember 2022 rund 6.500 Stellen mehr. Der Grund: Die Zahl der Schüler ist gestiegen. Aber auch der Ausbau des Ganztags sowie die weitere Umsetzung der Inklusion hätten laut Ministerium zu einem steigenden Personalbedarf geführt.

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