Angriff auf Zugbegleiter: Sicherheitsgipfel

Aktuelle Stunde 13.02.2026 30:24 Min. UT Verfügbar bis 13.02.2028 WDR Von Daniela Rüthers-Becker

Bahn-Sicherheit: Mehr Zweierteams und Bodycams in Zügen

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Nach dem Tod eines Zugbegleiters reagiert die Bahn mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen. Auch in NRW soll Personal besser geschützt werden. Bei der Doppelbesetzung von Zugbegleitern in Regionalzügen gibt es noch offene Fragen.

Aus traurigem Anlass berieten Bahn-Vertreter und Politiker am Freitag darüber, wie die Sicherheit in den Zügen verbessert werden kann. Und auch Nordrhein-Westfalen kündigt verschärfte Sicherheitsmaßnahmen im ÖPNV an. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) will, "dass alle Kolleginnen und Kollegen, die das wünschen, eine Bodycam bekommen".

Die Bodycam-Ausrüstung will der Minister "kurzfristig" und "flächendeckend" angehen. Krischer kündigte zudem mehr Sicherheitsteams an, die schon bisher in der Nacht und an Wochenenden Bedrohungslagen verhindern sollen. Mit KI-Einsatz soll die bereits bestehende Videoüberwachung in Bussen und Bahnen verbessert werden, um im Notfall schnell eingreifen zu können.

Sicherheit für Bahn-Personal: "Bodycam kann helfen"

WDR 5 Morgenecho - Interview 13.02.2026 06:35 Min. Verfügbar bis 13.02.2027 WDR 5

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Maßnahmenpaket in Berlin vereinbart

Nach dem gewaltsamen Tod eines Zugbegleiters fand am Freitag in Berlin auf Einladung der Bahn ein Krisentreffen statt. Die Politiker und DB-Chefs verständigten sich darauf, dass alle Beschäftigten mit Kundenkontakt, die dies wünschen, mit Bodycams ausgestattet werden sollen - also analog zu Krischers Plänen in NRW. Zudem soll es mehr Sicherheitspersonal und mehr Zugbegleiter im Nahverkehr geben. Bei DB Regio entfällt bei der Ticketkontrolle ab 1. März darüber hinaus die Pflicht zur Ausweiskontrolle.

Ferner soll das Bahn-Personal noch mehr Deeskalationstraining bekommen, auch ein Ausbau der Videoüberwachung in Zügen und Bahnhöfen soll geprüft werden. Krischer nahm nicht an dem Treffen in Berlin teil. Er hatte bereits am Mittwoch mit NRW-Verkehrsunternehmen und anderen ÖPNV-Verantwortlichen über Sicherheitsmaßnahmen beraten.

Zugbegleiter stirbt nach Attacke

Ein 36-jähriger Zugbegleiter war Anfang Februar in einem Regionalexpress in Rheinland-Pfalz von einem Schwarzfahrer bei einer Ticketkontrolle angegriffen worden. Der Bahn-Beschäftigte wurde dabei so schwer verletzt, dass er später starb.

Die FDP im NRW-Landtag stellte sich hinter den Einsatz von Bodycams für alle Kontrolleure. Besser als die angestrebte Freiwilligkeit wäre aber ein "verbindlicher Einsatz und die Möglichkeit der Tonaufzeichnung", sagte der FDP-Abgeordnete Christof Rasche. Er schlug zudem "einen Modellversuch mit Tasern für qualifiziert geschulte Kontrolleure vor".

Sicher ist: Ein Bahn-"Sicherheitsgipfel" wird nicht ausreichen, um das Problem mit Gewalt, Bedrohungen und Beleidigungen in den Zügen in den Griff zu bekommen. Lukas Frew, Branchenkoordinator Busse und Bahnen in NRW bei der Gewerkschaft Verdi, sieht ein "strukturelles Problem".

"Knackpunkt" Doppelbesetzung

Der Gewerkschafter fordert "verbindliche Sicherheitsstandards" und mehr Personal. Kontrollen sollten, so Frew, "nur mindestens zu zweit" durchgeführt werden. Angesichts von über 100 Regionalbahn-Linien und S-Bahnen mit hoher Taktung allein in Nordrhein-Westfalen ein ehrgeiziges Ziel. Zumal auch in dieser Branche Personalmangel herrscht. Frew: "Wer einen funktionierenden ÖPNV will, muss auch für sichere Arbeitsplätze sorgen."

NRW-Verkehrsminister Krischer will, dass "gerade auf stark belasteteten Strecken nur noch Zweiterteams unterwegs sind". So könnten sich zwei Kolleginnen oder Kollegen Rückendeckung in schwierigen Situationen geben. Bis wann dies umgesetzt sein soll, ließ der Minister aber offen.

"In den allermeisten Regionalbahnen" sei bisher nur ein Zugbegleiter für alles zuständig, sagt Benjamin Köster von der Eisenbahngewerkschaft EVG. Hier sei die Politik in den Ländern in der Pflicht, eine Doppelbesetzung vorzuschreiben. Dies sei ein "Knackpunkt". Es gehe um die Sicherheit der Beschäftigten, aber auch um die Sicherheit der Fahrgäste, betont Köster.

Kritik an "Ping-Pong" zwischen Bund und Ländern

Grundsätzliche Kritik am Treffen in Berlin äußerte EVG-Chef Martin Burkert. Er kritisierte, dass die Frage der Finanzierung von besseren Sicherheitsmaßnahmen ungeklärt bleibe. "Es ist wie angenommen wieder das Ping-Pong zwischen Bund und den Ländern", sagte Burkert mit Blick auf die Frage, wer die Kosten etwa für mehr Personal tragen soll. Er forderte eine Sonderkonferenz der Ministerpräsidenten.

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer
  • WDR-Anfrage bei Lukas Frew von der Gewerkschaft Verdi
  • WDR-Anfrage bei Benjamin Köster von der Eisenbahngewerkschaft EVG
  • Mitteilung des FDP-Abgeordneten Christof Rasche
  • Nachrichtenagentur AFP

Sendung: WDR 5, Sicherheit für Bahn-Personal: "Bodycam kann helfen", 13.02.2026, 09:46 Uhr

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