Sicherheitsgipfel der Bahn: Reportage Zugbegleiter | WDR aktuell
02:27 Min.. Verfügbar bis 13.02.2028.
Um kurz nach elf fährt die S-Bahn am Kölner Hauptbahnhof ab. Ihr Ziel: Düsseldorf Flughafen. Nur wenige sind an diesem Vormittag mit im Zug. Darunter Pendler, Reisende und Geschäftsleute. Für die meisten ist es nur eine vergleichsweise kurze Fahrt.
Für die beiden Zugbegleiter Jalal Youssef und Nicole Arnold beginnt aber jetzt ihr Job. Ein Arbeitsalltag, der sich in den vergangenen Jahren sehr gewandelt hat, sagt Nicole Arnold. Sie ist seit mehr als 30 Jahren bei der Bahn.
"Die Zivilcourage hat sich unfassbar verändert, die Aggressionen der Leute. Sie haben ein kurze Zündschnur, das merkt man schon. Früher hatten sie Respekt vor der Uniform, was jetzt auch nicht mehr da ist." Nicole Arnold, Zugbegleiterin
Jeder Gang durch den Zug ist unberechenbar
Die beiden beginnen mit der Ticketkontrolle. Freundlich und routiniert. Ein kurzer Blick, ein Nicken, ein Dankeschön. Doch nicht jede Begegnung ist so unkompliziert. Wenn sie ihren Dienst antreten, fahre die Angst mit, sagt Nicole Arnold, weil sie nicht wisse, ob es ein guter, ruhiger oder ein schlechter Tag wird.
Zugbegleiterin Nicole Arnold ist seit mehr als 30 Jahren bei der Bahn.
Angst bei Fahrkartenkontrollen
Seit dem Tod ihres Kollegen Serkan C. bei einer Fahrkartenkontrolle fahren Angst und Anspannung mit. Deutschlandweit war die Betroffenheit groß, als der 36-jährige Schaffner nach einem brutalen Angriff bei einer Fahrkartenkontrolle starb. Der Tod des Kollegen geht vor allem Jalal Youssef sehr nah. Vor 10 Jahren flüchtete er von Syrien nach Deutschland. Trotz des Todes seines Kollegen macht er den Job als Zugbegleiter gern.
"Ich komme aus einem Land, in dem (…) viele Leute gestorben sind und sich bedroht gefühlt haben. Ich bin jetzt hier in Deutschland seit 10 Jahren und deshalb mache ich das gerne. Denn mein einziges Ziel ist es, Menschen zu helfen." Jalal Youssef, Zugbegleiter
Übergriffe passieren vor allem nachts
Am späten Vormittag ist es vergleichsweise ruhig in der S11 nach Düsseldorf. Bislang gab es keinerlei Probleme mit Fahrgästen bei der Ticketkontrolle. Trotzdem hat sich Nicole Arnold dazu entschlossen, jederzeit eine Body Cam zu tragen.
Kleine Bodycams sollen die Arbeit von Zugbegleitern sicherer machen.
"Alleine schon das Anschalten hilft. Ich sage dann, wenn mir jetzt etwas passiert, kann ich sie jederzeit aufnehmen. Das schreckt schon zurück." Zitat Nicole Arnold, Zugbegleiterin
Viele Fahrgäste, mit denen wir sprechen, zeigen Verständnis für das Bahnpersonal. Sie selbst bekommen auf ihren Fahrten immer wieder die Anspannung und die Aggressionen mit.
Mehr als 3.000 Angriffe auf Bahnpersonal im vergangenen Jahr
Das sind rund acht Angriffe pro Tag. Vor gut zehn Jahren waren es noch weniger als halb so viele. Nach einer Stunde steigen Nicole Arnold und Jalal Youssef am Düsseldorfer Hauptbahnhof aus. Auf ihrer ersten Fahrt heute ist alles ruhig geblieben. Für sie ist aber klar: Mehr Schutz, mehr Personal, mehr Technik muss her. Damit ihr Job im Zug wieder ein sicherer Arbeitsplatz wird.
Sendung: WDR 5, Morgenecho, 13.02.206, 6 Uhr