Duisburg, 15.12.2021. Schwertransport auf der Autobahn A3 Höhe Duisburg in Richtung Frankfurt. Bild: LKW, PKW, Schriftzug "Schwertransport", Warndreieck, Rückansicht

Duisburg, 15.12.2021. Schwertransport auf der Autobahn A3 Höhe Duisburg in Richtung Frankfurt. Bild: LKW, PKW, Schriftzug "Schwertransport", Warndreieck, Rückansicht

Kaputte Straßen: Mangelnde Kontrollen bei Schwertransporten in NRW?

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Besonders schwere Lastwagen dürfen ohne Sondergenehmigung nicht fahren. Hat die Polizei hier jahrelang nicht richtig hingeschaut?

In NRW haben ungenehmigte Schwertransporte womöglich jahrelang Straßen und Brücken beschädigt. Das legen Schilderungen von zwei pensionierten Polizisten und einem früheren Mitarbeiter einer Straßenverkehrsbehörde aus dem Jahr 2023 nahe.

Hintergrund ist offenbar, dass die besonders schweren Lkw einfach ohne Genehmigung fuhren oder Auflagen missachteten. So schrieben es die drei in einem Brief an das NRW-Innenministerium, der dem WDR vorliegt.

Mangelnde Kontrollen in NRW bei Schwertransporten

WDR Studios NRW 01.11.2025 00:54 Min. Verfügbar bis 01.11.2027 WDR Online

Besonders schwere Lkw brauchen Sondergenehmigungen

Laut Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung dürfen Fahrzeuge ein Gesamtgewicht von 44 Tonnen eigentlich nicht überschreiten. Wenn noch schwerere Lasten transportiert werden, ist deshalb für jede Fahrt eine besondere Genehmigung nötig. In denen erteilen die Behörden dann teils Auflagen, an die die Transportunternehmen sich halten müssen, damit die Straßen nicht beschädigt werden.

Doch in NRW "werden offensichtlich zunehmend Transporte ohne die erforderliche Erlaubnis bzw. Ausnahmegenehmigung durchgeführt", heißt es in dem Brief. Kontrollen durch die Polizei gebe es kaum noch, weil das Personal dafür immer weniger qualifiziert sei: Seit Jahren würden entsprechende Fortbildungen nicht mehr angeboten.

Nur geringe Bußgelder bei Verstößen

Auf Seiten der Transportunternehmen sei deshalb die Versuchung groß, die Vorschriften einfach zu missachten – auch weil "der zu erzielende Gewinn deutlich höher ausfällt als das zu befürchtende Bußgeld". Bei Verstößen würden gerade einmal 60 Euro für Fahrer und 70 Euro für Halter fällig, falls sie überhaupt auffliegen.

Brief vom März 2023

Die drei Verkehrsexperten hatten unter anderem in der Arbeitsgruppe zu Groß- und Schwerlasttransporten mitgearbeitet, die beim NRW-Innenministerium und beim Verkehrsministerium eingerichtet war. Ihren Brief schickten sie im März 2023 an NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Zuerst hatte die "Rheinische Post" darüber berichtet.

"Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer beeinträchtigt"

Nach Einschätzung der drei Verfasser wird durch die Verstöße "die Infrastruktur geschädigt, aber auch die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer beeinträchtigt". Es würden "regelmäßig Auflagen der Genehmigung missachtet". Diese Fälle seien "mittlerweile an der Tagesordnung" heißt es in dem Brief.

Der Grund dafür sei hausgemacht: Seit Inkrafttreten neuer Schwertransport-Regeln im Jahr 2017 habe es "bis heute weder eine Qualifizierung der Polizeikräfte noch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der zuständigen Straßenverkehrsbehörden gegeben", schrieben die Polizisten Anfang 2023.

"Nach unserer Kenntnis wurde die Fortbildung im Bereich Großraum- und Schwertransporte bei der Polizei NRW komplett eingestellt. Das führt dazu, dass eine Unterwegskontrolle dieser Verkehrsart, die ein spezielles Fachwissen erfordert, nur noch in seltenen Fällen durchgeführt werden kann." Verfasser des Briefs an das Innenministerium im März 2023

Die Verfasser baten Innenminister Herbert Reul (CDU), angesichts der Lage Konsequenzen zu ziehen: So forderten sie eine bessere Qualifizierung "aller am Verfahren Beteiligten (Polizei und Straßenverkehrsbehörden)" und mehr Kontrollen von Groß- und Schwertransporten. Außerdem setzten sie sich für eine einheitliche Handlungsempfehlung zu diesen Sonderfahrten ein.

Innenministerium: regelmäßige Kontrollen

Ein Sprecher des Innenministeriums betont auf eine aktuelle Anfrage des WDR, es gebe "speziell für Kontrollen des gewerblichen Personen- und Güterverkehres fortgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Verkehrsdirektionen" aller Kreispolizeibehörden. Bei nächtlichen Kontrollen auf Autobahnen würden "regelmäßig auch Großraum- und Schwertransporte kontrolliert" und die "Einsatzkräfte der Verkehrsdirektionen entsprechend beschult".

Zusätzlich habe man landesweit zum 1. Januar 2025 eine ergänzende Fortbildungsmaßnahme eingeführt mit dem Titel "Verkehrsüberwachung - Großraum- und Schwertransporte Spezialisierung".

Keine Zahlen zu ungenehmigten Schwertransporten in NRW

Laut Innenministerium liegen der Polizei in NRW "keine Zahlen zu ungenehmigten Großraum- und Schwertransporten vor". Für die Festlegung der Bußgelder bei Verstößen sei der Bund verantwortlich, nicht das Land.

Auch im Zusammenhang mit der kaputten Rahmedetalbrücke spielten Schwertransporte eine Rolle. Am Montag könnte es dazu neue Erkenntnisse geben. Dann sagen drei Zeugen aus, die mit Genehmigung und Kontrolle der schweren Sondertransporte zu tun hatten.

Unsere Quellen:

  • Brief an Innenminister Reul vom März 2023
  • Innenministerium NRW
  • Eigene Recherche

Über dieses Thema berichten wir am 1. November 2025 auch im WDR Hörfunk: In den Nachrichten "WDR aktuell" ab 11 Uhr.

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