Schulen fragen ab jetzt: Wie geht's euch eigentlich? | Aktuelle Stunde
WDR. 00:29 Min.. Verfügbar bis 11.03.2028.
Was trifft zu oder eher nicht?: "Ich fühle mich wohl in der Schule", "Ich habe einen Freund oder eine Freundin in der Klasse", "In der Schule habe ich manchmal Angst". Mit Fragen wie diesen sollen Schülerinnen und Schüler Auskunft darüber geben, wie es ihnen geht. "Schülerfeedback" heißt das neue Programm, das in dieser Woche in die Erprobung startet und das in den kommenden Jahren an allen Schulen in NRW eingeführt werden soll.
"Umfassende Rückmeldung über das Wohlbefinden"
Den engen Zusammenhang zwischen Wohlbefinden und schulischen Leistungen hatte zuletzt der IQB-Bildungstrend im vergangenen Herbst aufgezeigt. Die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe gab darin an, unter mittleren bis großen emotionalen Problemen zu leiden.
Die Gesellschaft sei insgesamt gefordert, sagte Schulministerin Dorothee Feller (CDU) bei der Vorstellung des neuen Programms am Montag in Düsseldorf. "Selbstverständlich können auch unsere Schulen einen wichtigen Beitrag dazu leisten, das Wohlbefinden unserer Kinder und Jugendlichen im Blick zu behalten und sie in ihrer sozialen und emotionalen Entwicklung zu fördern", sagte Feller.
Beziehungen, Selbstwert, Sorgen
Erhoben wird das Befinden der jungen Menschen mithilfe von digitalen Fragebögen. Sie unterscheiden sich je nach Altersgruppe und im Umfang: Kinder an den Grundschulen bekommen Bögen mit 30 Fragen, in den höheren Klassen werden 40 Fragen gestellt. Testklassen benötigten etwa 20 Minuten, um sie auszufüllen.
Ausschnitt aus einem Fragebogen zum Schülerfeedback
Die Fragen zielen auf die Beziehungen zu Mitschülern und Lehrkräften, auf Selbstwert und Selbstwirksamkeit, auf Belastungen und Sorgen, den Umgang miteinander und auf demokratische Teilhabe.
Sich als Teil der Schulgemeinschaft zu fühlen, gesehen und gehört zu werden, Konflikte und Streit gut lösen zu können und einfach gerne in die Schule zu gehen - das wäre wohl ein Idealzustand. Dass die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen ihre Situation so beschreiben wird, ist allerdings fraglich.
Datengestützte Qualitätsentwicklung
Für Schülerinnen und Schüler bleibt die Teilnahme freiwillig, die Schulen werden allerdings nach und nach dazu verpflichtet, dass sie die Möglichkeit zum Feedback anbieten. Wie oft die Fragebögen vorgelegt werden, steht noch nicht fest. Im Laufe einer Schullaufbahn wird es wohl mehrfach der Fall sein.
Eingespeist werden die Daten in eine umfassendere Strategie, die sich "Datengestützte Qualitätsentwicklung" (DQE) nennt. Dazu zählen auch zusätzliche Lernstandserhebungen, die für die Klassen 2, 5 und 7 geplant sind. Andere Daten gibt es bereits aus den Ergebnissen der Vergleichsarbeiten (VERA3 und VERA8), aus den zentralen Prüfungen der Klasse 10 und aus denen des Zentralabiturs.
Obendrein erhalten alle Schulen künftig ein sogenanntes "Schuldatenblatt". Darin wird zum Beispiel vermerkt: Wie hoch ist der Anteil von Schülerinnen und Schülern, in deren Elternhaus nicht Deutsch gesprochen wird? Wieviel sonderpädagogischer Förderbedarf ist nötig? Wie sind die genannten Vergleichsarbeiten ausgefallen?
Demnächst müssen dann alle Schulen Zielvereinbarungsgespräche mit der Schulaufsicht führen. Angestellte großer Unternehmen kennen solche Jahresgespräche mit dem Chef aus eigener Erfahrung. "Von den Daten zu Taten zu kommen", nennt die Schulministerin dieses Vorgehen. Wie sich das auf das Wohlbefinden des Lehrpersonals auswirken wird, bleibt abzuwarten.
Unsere Quellen:
- Mitteilung des NRW-Schulministeriums
- Pressekonferenz mit Schulministerin Dorothee Feller
Sendung: WDR.de, NRW startet Testlauf für Schülerfeedback, 16.03.2026, 13:30 Uhr
