NRW plant mehr Lerntests für Schüler

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Mit mehr landesweiten Tests, genannt Lernstandserhebungen, reagiert NRW auf die Bildungskrise. Dabei lässt sich Schulministerin Feller Zeit. Außerdem will sie verstärkt die Meinung der Schüler einholen. Lehrer fordern mehr Personal.

Das NRW-Schulministerium will die Zahl der Lernstandserhebungen in einigen Jahren deutlich erhöhen. Es solle drei zusätzliche Erhebungen für Lesen, Schreiben und Rechnen geben, kündigte Schulministerin Dorothee Feller (CDU) am Mittwoch an. Diese standardisierten zusätzlichen Tests werden in den Klassen 2, 5 und 7 eingeführt.

Bisher gibt es in NRW die auch bundesweit durchgeführten VERA-Vergleichsarbeiten in den Jahrgangsstufen 3 und 8 in Deutsch und Mathematik sowie bei VERA-8 zusätzlich in einer Fremdsprache. Warum der Plan für die zusätzlichen Tests? Studien zeigten, "dass ein erheblicher Teil unserer Schülerinnen und Schüler nicht die Bildungserfolge erzielt, die wir uns wünschen", sagte Ministerin Feller zur Begründung. Die SPD als größte Oppositionsfraktion sieht schon länger eine "Bildungskatastrophe" in NRW.

Fellers Schulpläne: "Eher schwammig"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 03.07.2025 02:09 Min. Verfügbar bis 03.07.2026 WDR 5 Von Daniela Junghans

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NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) spricht auf einer Verantstaltung im Freien in ein Mikrofon

NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU)

Mit den Neuerungen lässt sich das Land aber Zeit: Die zusätzlichen Lernstandserhebungen sollen laut Schulministerium bis zum Jahr 2030 stufenweise starten. Zunächst mit Schulen, die freiwillig in der Pilotphase teilnehmen. Später sollen die Tests verbindlich und flächendeckend eingeführt werden, so Feller. Ziel sei eine "Trendwende" beim Lernniveau. In Klasse 5 startet die Pilotphase im Schuljahr 2026/27 (allgemein erst 2028/29). In den Klassen 2 und 7 geht es landesweit sogar erst 2029 los.

Lernstandserhebungen sind laut Ministerium ein "Diagnoseinstrument". Die Tests werden nicht wie eine Klassenarbeit gewertet und nicht benotet. Sie enthalten Aufgabenformate wie multiple-choice oder offene Fragen - etwa zum Textverständnis im Fach Deutsch. Aus methodischen Gründen sollen Lösungen eindeutig als „richtig oder falsch" einzustufen sein. Mehr Stress droht den Schülern und Lehrern. Denn hinzu kommen ja noch die Klassenarbeiten.

Solche Erhebungen seien ein wichtiger Faktor des Lehr- und Lernerfolgs, so das NRW-Schulministerium. Die Wirkung sei wissenschaftlich belegt: So befinde etwa John Hattie von der University of Melbourne, der über 80.000 Einzelstudien ausgewertet habe, "dass die wirksamsten Schulen diejenigen sind, die den Lernfortschritt sichtbar machen", so das Ministerium. Feller nannte als Vorbild unter anderem den rot-grün regierten Stadtstaat Hamburg.

Datengestützte Qualitätsentwicklung, so das Konzept des Professors für Bildungsmanagement, Stephan Huber, der das Land berät. Eine "datenbasierte Schul- und Unterrichtsentwicklung" solle mit den Ergebnissen der Tests entwickelt werden. Konkret: Je nach Lernniveau der Schüler, sollen die Schulen bei der Bildungsarbeit gezielt unterstützt werden. Demnach bekommt dann auch die Schulaufsicht, also Regierungsbehörden, eine aktivere Rolle. Sie soll mit den Schulen Zielvereinbarungen treffen.

Mehr Schüler-Feedback, aber kein Lehrer-Bashing

Ebenfalls im Laufe der nächsten Jahre soll laut Ministerium ein Schülerfeedback entwickelt werden, um mehr über die "sozial-emotionale Entwicklung" der Kinder und Jugendlichen zu erfahren. Dabei soll es etwa um Empathie, Selbstregulation und Konfliktfähigkeit gehen. Auch die allgemeine Stimmung in den Schulen soll abgefragt werden.

Auf einem digitalen Portal sollen Schüler Fragen etwa zum Unterrichtsbeginn, zu ihrem Wohlbefinden oder zu Hilfe aus dem Elternhaus beantworten, allerdings kein Lehrer-Bashing betreiben können.

Vorwurf des Aktionismus

Kritik an den Plänen kam aus den Reihen der Opposition im Landtag. Die Landesregierung verliere sich "in einem Sammelsurium aus Tests, Portalen und Aktionismus", sagte die FDP-Bildungspolitikerin Franziska Müller-Rech. Ihrer Ansicht nach wäre es wichtiger, die "individuelle Förderung" der Schüler zu verbessern. "Zusätzlicher Druck alleine durch zusätzliche Prüfung führt sicher nicht dazu, dass Lernrückstände aufgeholt werden", sagte die SPD-Landtagsabgeordnete Dilek Engin.

Auch der Pädagogen-Verband Bildung und Erziehung mahnte eine gezielte Förderung an. Viele Schulen litten unter einer Mangelverwaltung, brauchten mehr Lehr-Personal und kleinere Lerngruppen, um ihrem Bildungsauftrag gerecht zu werden, sagte die VBE-Landesvorsitzende Anne Deimel.

Über dieses Thema berichtet der WDR am 2.7.2025 auch in Hörfunk und Fernsehen.

Unsere Quellen:

  • Ministerin Feller und Professor Huber bei Pressekonferenz
  • Mitteilung der Schulministerin und Infos von der Website des Ministeriums
  • Nachrichtenagentur dpa
  • FDP und SPD laut Mitteilungen

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