Untersuchungsausschuss Rahmedetalbrücke

Aktuelle Stunde 15.12.2025 17:49 Min. UT Verfügbar bis 15.12.2027 WDR Von Cedrik Pelka

Desaster um Rahmedetalbrücke: Scheuer kann sich nicht erinnern

Stand:

Die beiden früheren Bundesverkehrsminister Scheuer und Wissing wurden im Untersuchungsausschuss des Landtags befragt.

Wie ist es zur plötzlichen Sperrung der Rahmedetalbrücke vor vier Jahren gekommen? Und was ist danach passiert? Dazu sollen zwei ehemalige Bundesverkehrsminister im Düsseldorfer Landtag Auskunft geben: Volker Wissing (parteilos, damals FDP) und Andreas Scheuer (CSU) sind als Zeugen vor den Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) geladen.

Andreas Scheuer war Bundesverkehrsminister in der Zeit vor der Sperrung der Rahmedetalbrücke. Er wurde am Montagvormittag als erster Zeuge angehört. Im Raum standen dabei mehrere Fragen: Wurde Scheuer über den Zustand der Rahmedetalbrücke informiert? War er darüber mit dem Land NRW im Austausch? Wie lief dieser Austausch ab? Was hat er dazu seinem Nachfolger Wissing übergeben?

Scheuer kann sich nicht erinnern

Scheuer: "Dazu habe ich keine Erinnerung." | Bildquelle: dpa / Rolf Vennenbernd

Scheuer hob dabei mehrfach die insgesamt konstruktive Zusammenarbeit mit NRW "auf Arbeitsebene" hervor, konnte konkret zur Rahmedetalbrücke aber keine Auskunft geben. "Dazu habe ich keine Erinnerung", war einer seiner meistwiederholten Sätze im Untersuchungsausschuss, gefolgt von "Ich will da nicht mutmaßen", bis hin zu "Das ist auf Fachebene geblieben."

Kurz: Scheuer selbst war nach eigener Aussage mit dem Problemfall Rahmedetalbrücke nicht persönlich befasst. Und auch von der Sperrung der Brücke im Dezmber 2021, wenige Tage vor der Amtsübergabe an seinen Nachfolger Volker Wissing, will er nichts gehört haben. Er könne zwar nicht ausschließen, dass er dazu eine Information bekommen habe, könne dies aber mangels Zugriff auf Unterlagen im Bundesverkehrsministerium nicht mehr nachvollziehen.

Kein Einfluss auf einzelne Projekte

Er sei in seiner Amtszeit vor allem mit der Gründung der Autobahn GmbH befasst gewesen, einem sehr großen und aufwendigen Reformprojekt, das besonders bei den betroffenen Arbeitnehmern Ängste ausgelöst habe, erklärte Scheuer. Den Bundesverkehrswegeplan mit den geplanten Baumaßnahmen habe er als fertiges Ergebnis vorgefunden. An eine politische Einflussnahme auf einzelne Projekte, dass etwas verhindert wurde, daran könne er sich nicht erinnern. 

Vier Jahre Verkehrchaos

Seit der Sperrung erleben Lüdenscheid und Umgebung täglich ein Verkehrschaos. Mancherorts fahren seitdem rund 20-mal mehr Lastwagen vor dem Zuhause der Menschen entlang, weil die A45 gesperrt ist. Am 22. Dezember soll nach vier Jahren endlich der Neubau der Brücke eröffnet werden. Die Umstände um das alte, inzwischen abgerissene Bauwerk beschäftigen die Politik jedoch immer noch.

Volker Wissing wurde wenige Tage, nachdem die Brücke am 2. Dezember 2021 überraschend für den Verkehr gesperrt werden musste, Verkehrsminister. Er war also für das Management rund um die Folgen der Sperrung zuständig. Nach der Sperrung war er mehrfach vor Ort, um sich über die Situation zu informieren - und auch um um Vertrauen zu werben, wie er im Ausschuss betonte. Besonders eindrücklich sei ihm ein Vor-Ort-Termin im Februar im Gedächtnis geblieben. "Die Menschen haben verzweifelt geschrien. Sowas vergisst man nicht."

Wissing: "Waren auf gutem Weg"

Wissing: "Sowas vergisst man nicht." | Bildquelle: dpa / Rolf Vennenbernd

Um künftige Fehleinschätzungen bei der Priorisierung von Sanierungsarbeiten zu vermeiden, habe man unter anderem einen Traglast-Index eingeführt und den Brückengipfel einberufen, so Wissing. Dabei wurden 4.000 wichtige Brücken identifiziert, die in den kommenden zehn Jahren saniert werden sollten - also rechnerisch 400 pro Jahr. "Wir waren meiner Erinnerung nach auf einem guten Weg", erklärte Wissing im Ausschuss auf die Frage, ob das geklappt hätte.

Zu den möglichen Gründen für den maroden Zustand der Rahmedetalbrücke wollte Wissing sich nicht äußern. "Ich habe mich mit der Vergangenheitsbewältigung nicht befasst, nur mit dem Neubau", betonte der ehemalige Verkehrsminister.

Trägt NRW Mitschuld am schlechten Brückenzustand?

Vor dem Untersuchungsausschuss wurde auch der frühere Aufsichtsratsvorsitzende der Autobahn GmbH, Oliver Luksic, gehört. Luksic war zudem unter Verkehrsminister Wissing Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium.

Bei seiner Befragung gab Luksic den Bundesländern - und damit auch NRW - eine Mitschuld am schlechten Zustand der Brücken im Land. Denn als 2018 klar gewesen wäre, dass die Autobahn GmbH gegründet werde sollte, hätten alle 16 Bundesländer ihre Planungen zurückgefahren, so Luksic. "Da wollte man große, komplexe Bauwerke nicht mehr anfassen", berichtet Luksic. Andere Projekte, zum Beispiel an Landstraßen, seien vorgezogen worden.

Zudem berichtete er im Ausschuss von einem Brückenprojekt im Saarland: Die Fechinger Talbrücke sehe exakt aus wie die Rahmedetalbrücke. "Das ist die gleiche Brücke mit gleicher Länge", erklärte Luksic. Auch dort seien 2016 Probleme aufgetaucht, die saarländische Lanesregierung habe es aber geschafft, diese Brücke zu stabilisieren.

Desaster um Rahmedetalbrücke - weitere Untersuchungen

WDR 5 Westblick - aktuell 15.12.2025 05:00 Min. Verfügbar bis 15.12.2026 WDR 5

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Falsch eingerichtete Fahrspuren

In Scheuers Amtszeit fällt auch das fragwürdige Vorgehen der Autobahn GmbH in den Monaten und Jahren vor der Sperrung. So wurden Berechnungen zur Stabilität des Bauwerks nicht nach Vorschrift durchgeführt und Lkw-Fahrspuren darauf falsch eingerichtet.

Diese falsche Verkehrsführung sei ein "Grund für die nachhaltige Schädigung der Brücke" gewesen - das musste die Autobahn GmbH inzwischen einräumen. Entsprechende Erkenntnisse über das Fehlverhalten wurden aus einem Protokoll gestrichen, die Opposition im Landtag spricht deshalb von Vertuschung. Die Autobahn GmbH ist dem Bundesverkehrsministerium unterstellt.

Unsere Quellen:

  • Sitzung des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses im Düsseldorfer Landtag
  • Eigene Recherche

Sendung: WDR 5, Nachrichten "WDR aktuell", 15.12.2025, 14:00 Uhr
Sendung: WDR 5, Nachrichten "WDR aktuell", 15.12.2025, ab 06:00 Uhr