Die gesperrte Rheinbrücke in Leverkusen, auf der sich Eis gebildet hat

Leverkusener Brücke: Autobahn GmbH kannte Eis-Risiko

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Nach der erneuten Sperrung wegen herabfallender Eisbrocken räumt die Autobahn GmbH ein, das Risiko gekannt, aber als "gering" bewertet zu haben.

Die neue Leverkusener Brücke war erst im Februar 2024 eröffnet worden. Seitdem ist der Abfall von Eis und Schnee im Winter ein wiederkehrendes Problem. Bereits vor rund einem Jahr, im Januar 2025, musste die Brücke gesperrt werden. Es kam zu Unfällen und der Beschädigung von Autos. Ein Hubschraubereinsatz zur Beseitigung des Eises brachte zunächst keinen Erfolg. Später mussten Feuerwehrleute in einem Korb zu den 60 Meter hohen Pylonen gehoben werden, um dort Schnee und Eis abzukratzen.

In dieser Woche, am frühen Rosenmontag, wurde die Brücke erneut gesperrt. Die Polizei teilte mit, dass mehrere Autofahrer von herabfallenden Eisplatten getroffen worden seien. Die zuständige Autobahn GmbH spricht inzwischen von vermutetem Schneematsch. Sie hatte eine Wettersituation wie im Januar 2025 als "sehr unwahrscheinlich" eingeschätzt.

Eisfall: Desaster um Leverkusener Brücke

WDR 5 Westblick - aktuell 20.02.2026 04:13 Min. Verfügbar bis 20.02.2027 WDR 5

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Meteorologe Plöger: solche Wetterlagen nicht ungewöhnlich

Sven Plöger

Meteorologe Sven Plöger

Der Meteorologe Sven Plöger hält das für eine Fehlannahme. Zwar sei er bei der Beurteilung der Wettersituation der Autobahn GmbH nicht dabei gewesen, aber wenn er die Einschätzung höre, finde er sie "vorsichtig formuliert ungewöhnlich". Es könne immer wieder passieren, dass eine Front mit "kalter Luft und mit viel Wind, ordentlich Schnee" gegen Brücken gedrückt wird und der Schnee dort ansetze. Wenn dann sehr plötzlich deutlich mildere Luft aus dem Westen komme, dann sei es so, dass der Schnee nicht langsam abtropfe, sondern dann könnten "auf einen Schlag große Eisteile abfallen". Durch den Klimawandel werden solche Lagen zwar seltener, aber sie werden weiterhin vorkommen. "Darauf sollte man vorbereitet sein", so Plöger.

ADAC: Funktionsmängel im Winterbetrieb

Deutliche Kritik kommt auch vom ADAC. Der Mobilitätsexperte des Automobil-Clubs, Roman Suthold, sieht klare Funktionsmängel der Brücke im Winterbetrieb. Grund dafür seien die abgeschrägten Pylonen und die Schrägseile, die über Radwege und Fahrbahnen ragen, auf denen sich je nach Witterung Schnee und Eis ansammeln und dann leicht abfallen könne. Das sei "sehr gefährlich". Im schlimmsten Fall könnten Eisbrocken eine Fahrzeugscheibe durchbrechen und Fahrer oder Beifahrer verletzen. "Bei Fahrradfahrern und Fußgängern kann natürlich wirklich jemand tödlich verletzt werden", so der Professor weiter.  Aus seiner Sicht sei man "von der architektonischen Schönheit der Brücke so gefangen gewesen, dass man die Funktionalität etwas außer Acht gelassen" habe.

Autobahn GmbH weist Konstruktionsfehler zurück

Verantwortlich für das Design ist das Ingenieurbüro Grassl. Auf einer öffentlich zugänglichen Bauskizze kann man die abgeschrägten Pylonen gut erkennen. Auf Westpol-Anfrage verweist das Ingenieurbüro auf die Autobahn-GmbH. Die versichert schriftlich, dass die Brücke allen geltenden Sicherheitsstandards entspreche. Einen Konstruktionsfehler weist die Autobahn GmbH zurück, räumt aber ein, von der möglichen Eis-Gefahr schon in der Planungsphase gewusst zu haben.

Sie teilt mit, dass "in dieser Abwägung auch das geringe Risiko von Eis- und Schneeabbrüchen bedacht" worden sei. Allerdings wurden offenbar keine Maßnahmen ergriffen, auch nach der ersten Sperrung im Januar 2025 nicht. Das habe ihn "wirklich sehr geschockt", sagt ADAC-Mobilitäts-Experte Prof. Suthold.

SPD: Frühwarnsystem reicht nicht aus

Die Autobahn-GmbH erklärt nun gegenüber Westpol, man habe "mögliche Maßnahmen intensiv recherchiert". Dazu gehöre ein "dauerhaftes Monitoringsystem", das den Zustand der Brückenpylonen und -seile in Echtzeit überwache. Diese Kameras können "voraussichtlich Ende März/Anfang April 2026 installiert werden".

Der SPD-Landtagsabgeordnete Gordon Dudas, der auch Mitglied im Brücken-Untersuchungsausschuss des Landtages ist, fordert hingegen, die Funktionsfähigkeit der A1-Brücke umgehend herzustellen. Ein Frühwarnsystem sei "erstmal gut", es "verhindert die Eisbildung aber nicht". Es müsse andere technische Lösungen geben. Er fordert, das vom Land NRW "Druck auf den Bund ausgeübt wird", damit eine Sperrung der Brücke nicht wieder vorkomme.

Unsere Quellen:

  • Anfrage Autobahn GmbH
  • Interview Gordan Dudas, SPD Landtagsabgeordneter

Sendung: WDR Fernsehen, Westpol, 22.02.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR.de, Autbahn GmbH wusste von Problemen, 22.02.2026, 14:25 Uhr
Sendung: Westblick, Eisfall: Desaster um Leverkusener Brücke, 22.02.2026, 17:05 Uhr

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