Unterwegs mit der Polizei auf Dortmunds Straßen
Lokalzeit aus Dortmund. 05.12.2025. 18:50 Min.. Verfügbar bis 05.12.2027. WDR. Von Per Quast.
Den Vorplatz des Dortmunder Hauptbahnhofs hat die Polizei genau im Blick, hier gibt es seit dem März einen Container zur Videoüberwachung. "Nach der Pandemie haben wir festgestellt, dass die Gewaltkriminalität deutlich zugenommen hat. Und die Straßenkriminalität war hier ein Hotspot."
Die Dortmunder Polizei setzt verstärkt auf Videoüberwachung, etwa im Dietrich-Keuning-Park auf dem Weg vom Bahnhof zur Nordstadt. Hier sind die Kameras mittlerweile sogar fest installiert. Besonders auch die Drogenszene will die Polizei im Blick haben.
Polizeipräsident Gregor Lange
Durch die Kameras werden zwar viele Verstöße aufgezeichnet, manche Verbrechen aber auch nur verdrängt und oft nur ein paar Meter weiter begangen. Umso wichtiger sei es, genau diese Ecken im Blick zu haben, mit zivilen Kräften, Streifen und der Bereitschaftspolizei, sagt uns Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange: "Wir sind jetzt tagtäglich mit einer zusätzlichen Hundertschaft unterwegs und können die Straßenkriminalität besonders in der Innenstadt genau unter die Lupe nehmen."
Ein Teil des Präsenzkonzepts im Kampf gegen die Kriminalität: vor Ort sein auf der Straße - sichtbar und unsichtbar.
Mehr Polizeipräsenz – und mehr Menschen auf der Straße
Diakonie-Mitarbeiterin Leonie Furgol
Auch Leonie Furgol und Marie Schomburg sind auf den Straßen der Innenstadt unterwegs. "Wir haben Schlafsäcke dabei, heiße Getränke, Handschuhe und Mützen", sagt Furgol. Die beiden versorgen Obdachlose mit dem Nötigsten, um warm zu bleiben, und bieten eine medizinische Notversorgung. Schon nach wenigen Minuten sind viele Sachen verteilt.
Diakonie-Mitarbeiterin Marie Schomburg
Für die Menschen, die auf der Straße leben, bedeutete die verstärkte Präsenz von Polizei und Ordnungsdienst Verdrängung. Oft würden sie von ihren Schlafplätzen vertrieben, erzählen sie uns. "Ich kann unter Umständen verstehen, dass es manche in ihrem Stadtbild stört. Aber nicht hinzugucken oder die Leute zu vertreiben, ist einfach nicht die Lösung", sagt Marie Schomburg.
Dass es mehr Menschen gibt, die auf der Straße landen, merken beide: "Wir hatten diesen Sommer so viele Beratungsklienten wie sonst erst am Ende des Jahres. Wir werden dieses Jahr auf 2.500 kommen", sagt Leonie Furgol.
Kontrollen als Teil des Dortmunder Sicherheitskonzepts
Im Dietrich-Keuning-Park läuft in einer Ecke, die die Kameras gerade nicht mehr einsehen können, eine Polizeikontrolle. Die Beamten durchsuchen mehrere Dealer und finden Cannabis. Die Männer haben keinen deutschen Pass, sind alle polizeibekannt.
Auch rund um den Weihnachtsmarkt führt die Polizei an diesem Abend weitere Kontrollen durch. Vor allem junge Männergruppen sind im Blick – auch, weil sie in der Kriminalitätsstatistik überrepräsentiert sind. Nicht-deutsche Männer begehen statistisch zudem überproportional häufig Gewalttaten.
Polizeisprecher Joshua Pollmeier betont:
"Was uns aber wichtig ist, ist, dass wir uns davon nicht beeinflussen lassen, sondern dass wir unseren Alltag, unsere polizeilichen Maßnahmen so durchziehen, ohne Vorurteile, ohne Schubladendenken." Joshua Pollmeier, Dortmunder Joshua Pollmeier
Polizeisprecher Joshua Pollmeier
Die Kontrollen sind ein Teil des Dortmunder Sicherheitskonzepts. Um die gestiegene Messergewalt in den Griff zu bekommen, setzt die Polizei zudem auf ein Konzept für Intensivtäter. Ihnen kann die Polizei ein Messertrageverbot für die ganze Stadt erteilen. Beim ersten Verstoß werden 250 Euro fällig, beim zweiten Verstoß 500 Euro.
Der Ton ist rauer geworden
Vor Obdachlosen haben sie keine Angst, sagen Leonie Furgol und Marie Schomburg. Stattdessen nehmen beide eine grundsätzlich gestiegene Aggressivität wahr.
"Man weiß nicht, wer ein Messer mitführt – und wer es einsetzt", so Furgol. Und Schomburg ergänzt: "Es ist ein allgemeines Unwohlsein, zum Beispiel wenn man im Dunkeln auf eine große Männergruppe zuläuft."
Polizist Ralf Kießling
Die steigende Grundaggression begegnet auch der Polizei im Alltag, genau wie abnehmender Respekt. Ralf Kießling ist seit 45 Jahren im Dienst. Auf die Frage, ob er heute einen anderen Ton anschlagen müsse als früher, schmunzelt er: "Ja, natürlich. Aber wir sind dann in der Eskalationstreppe. Wenn uns freundlich entgegengetreten wird, dann sind wir natürlich freundlich. Aber wir können auch die Eskalationstreppe auf verschiedenen Stufen besteigen."
Das Sicherheitsgefühl wiederherstellen
Doch es geht auch anders. Am Rand des Weihnachtsmarkts steht eine mobile Wache der Polizei. Viele Menschen bleiben kurz stehen, fragen nach dem Weg zum Weihnachtsbaum oder zur Bahn.
Polizistin Marion Gerring stellt fest: "Wir erleben tatsächlich vermehrt, dass die Leute sich bedanken, dass wir hier sind, dass wir ihnen ein gutes Gefühl machen. Ich freue mich darüber, ich bin da wirklich froh, dass die Leute das auch mal so mitteilen."
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- Polizei Dortmund
- Diakonie Dortmund
Sendung: Westpol spezial: Stille Nacht, sichere Nacht?, 07.12.2025, 19:30 Uhr
