Laumann-Pläne: Wie den Ärzte-Mangel in den Griff bekommen?
Aktuelle Stunde . 03.03.2026. 19:46 Min.. UT. Verfügbar bis 03.03.2028. WDR. Von Daniela Rüthers-Becker.
Das Gesundheitssystem hat mit vielen Herausforderungen zu kämpfen: Patienten merken das, wenn sie lange auf Termine bei Fachärztinnen oder -ärzten warten müssen, Beitragszahler bekommen die steigenden Kosten zu spüren.
So, wie ambulante Versorgung derzeit aufgestellt ist, ist sie nicht effizient genug. Das steht in dem Eckpunktepapier, das das Gesundheitsministerium am Dienstag veröffentlicht hat. Künftig ist wegen des demografischen Wandels mit mehr Patienten zu rechnen – gleichzeitig werden viele Ärzte in den Ruhestand gehen. Rund ein Drittel der Ärztinnen und Ärzte ist über 60 Jahre alt.
Vorschläge aus der Praxis
Das Land will offenbar gegensteuern und hat gemeinsam mit Krankenkassen, Ärzten, Patientenvertretungen und anderen Akteuren an Reformvorschlägen gearbeitet. Die Idee: Eine gezieltere Steuerung soll helfen, dass Patienten schneller bedarfsgerecht versorgt werden. Gleichzeitig sollen die Ressourcen geschont werden.
Die Vorschläge in Kurzform: Patienten sollen künftig öfter über die Rufnummer 116 117 der Kassenärztlichen Vereinigungen verteilt werden. Primärversorgungspraxen übernehmen eine zentrale Rolle. Durch Bürokratieabbau (etwa Dauerüberweisungen) sollen Praxen und Patienten entlastet werden. Ein Kernpunkt ist etwa die bessere Vernetzung der Rufnummern 116 117 und 112 bei akuten Fällen.
Laumann: Freie Arztwahl bleibt
Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) bezeichnete die NRW-Vorschläge am Dienstag in Düsseldorf als "fundierten Schritt" und "sehr wichtigen Impuls" mit Blick auf die Diskussionen über eine Verbesserung der ambulanten Versorgung. Die freie Arztwahl will Laumann nach eigenen Angaben nicht infrage stellen, aber die Patientensteuerung müsse besser werden. Damit wolle man zum Beispiel an Wochenenden die Notaufnahmen entlasten.
Angesichts der geplanten Reformen auf Bundesebene sagte Laumann, man müsse zu "einem Gesamtkonzept kommen" - bei der ambulanten und der stationären medizinischen Versorgung. So müsse das Rettungsgesetz auf Bundes- und Landesebene geändert werden.
Laumann hatte schon in der Vergangenheit betont, dass die Arzt-Patienten-Kontakte runtergehen müssten. Ein Primärversorgungssystem sei ein zentraler Baustein dafür, heißt es in dem Papier. Das soll nun einen Beitrag zur aktuellen politischen Diskussion leisten. Auf Bundesebene wird genau darüber derzeit diskutiert. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat vor kurzem einen Dialogprozess dazu gestartet.
So könnte Patientensteuerung aussehen
Im Idealfall soll eine Patientin zunächst eine Ersteinschätzung einholen, die über die Rufnummer 116 117 oder digital erfolgen kann – dafür soll die Rufnummer bekannter gemacht und weiterentwickelt werden.
Das Ergebnis dieser Einschätzung soll verbindlich sein: Wird etwa eine ärztliche Leistung in Anspruch genommen, die von der Einschätzung abweicht, dann sollte die Patientin - in Teilen - selbst dafür aufkommen.
Im nächsten Schritt soll die Patientin in die Primärversorgungspraxis gehen. Diese Praxis kann sie selbst auswählen und als solche festlegen. In vielen Fällen dürfte das etwa die Hausarztpraxis sein. Die Praxis soll die Steuerung der Behandlung übernehmen und beispielsweise bei Bedarf an eine Facharztpraxis verweisen. Es gibt bereits solche Modelle, die unter dem Stichwort hausarztzentrierte Versorgung laufen.
Veränderungen in den Praxen
In den Praxen soll es weniger Bürokratie geben, zum Beispiel durch standardisierte Formulare und mehr Digitalisierung. Dabei könnte die elektronische Patientenakte eine wichtige Rolle spielen. Digitale Analysetools und auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz soll Ärzte unterstützen.
Ein Vorschlag ist außerdem, das Vergütungssystem zu ändern, damit weniger Fehlanreize gesetzt werden, etwa durch mehr Pauschalen.
Auch beim Personal sollte sich etwas ändern, die Versorgung soll stärker im Team funktionieren. So könnten etwa die Physician Assistants eine wichtige Rolle übernehmen. Geschulte Mitarbeitende könnten Untersuchungen durchführen und EKGs oder Lungenfunktionstests auswerten. Dafür müsste allerdings das Berufsbild bundesweit vereinheitlicht werden.
Die SPD im Landtag lobte, dass Laumann Vorschlägen der Sozialdemokraten folge. Der Minister setze „zukunftsfeste medizinische Versorgung um“, sagte der SPD-Abgeordnete Thorsten Klute. Er stellte sich hinter die Pläne für eine Ersteinschätzung über die Rufnummer 116 117 und den Aufbau von Primärversorgungspraxen. Klute kritisierte, dass aus dem Haus von Bundesgesundheitsministerin Warken (CDU) "seit einem Jahr keine gehaltvollen Vorschläge für dringend notwendige Reformen in Gesundheit und Pflege kommen".
Der Sozialverband VdK NRW sowie verschiedene Patientenvereinigungen waren an dem Prozess beteiligt und möchten das Papier als weitere Arbeitsgrundlage nutzen. Grundsätzlich begrüßen sie Reformen. Allerdings müsse das System noch mehr von den Patienten her gedacht werden, ihnen dürfe nicht die Mündigkeit abgesprochen werden. "Wir möchten künftig frühzeitig eingebunden werden", wünscht sich Vanessa Rengers-Patz vom VdK NRW, auch stellvertretend für andere Patientenorganisationen.
Unsere Quellen:
- Laumann bei PK in Düsseldorf
- Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW
- Eigene Recherchen
- Reaktion SPD per Mitteilung
- Reaktion VdK NRW
Sendung: WDR Nachrichten, 03.03.2026, 11:00 Uhr

