Ein Termin beim Hausarzt ist nicht immer leicht zu bekommen - geschweige denn beim Facharzt. Lange Wartezeiten kennen viele Patienten schon heute. Hinzu kommt: In den nächsten Jahren werden viele Ärzte in den Ruhestand gehen. Das könnte zu einer Unterversorgung in manchen Regionen führen, denn schon jetzt deutet sich ein Mangel an.
Zugleich wollen junge Ärztinnen und Ärzte gerne in Anstellung arbeiten, manche auch in Teilzeit, ist von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe zu hören. Medizinische Versorgungszentren bieten genau diese Möglichkeit, denn in diesen kooperativen Praxen arbeiten Ärzte in Anstellung. Beruf und Familie lassen sich so besser miteinander vereinen.
Medizinische Versorgungszentren als Alternative
Das Land arbeitet gerade an einer neuen Förderrichtlinie. Damit könnte künftig auch die Gründung Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) gefördert werden. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) kündigte das im Gesundheitsausschuss des Landtags an. Im Gespräch mit dem WDR sagt er, dass es dabei um Zentren in medizinisch unterversorgten Gebieten gehe.
Allerdings, so der Minister, sei es aus rechtlichen Gründen nicht möglich, ausschließlich öffentliche MVZ zu fördern. Die Förderung müsse auch für kommerzielle Ärzte-Gemeinschaften zu bekommen sein. Hinter denen stehen Investoren, die Gewinne machen wollen.
Diese Form will Laumann eigentlich nicht so stark in NRW vertreten haben - vielmehr sollten Ärztinnen und Pflegepersonal das Sagen haben. Ob und wie die Zentren erstmals in die Förderung aufgenommen werden, soll noch vor Weihnachten geklärt werden.
Thorsten Klute, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im NRW-Landtag
Die SPD im Landtag dürfte sich darüber freuen. Die Sozialdemokraten haben schon länger gefordert, kommunale Versorgungszentren zu fördern. Thorsten Klute, gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion, erkennt in diesen Zentren viele Vorteile: "Gerade in ländlichen Regionen oder strukturschwachen Stadtteilen sind kommunale MVZ damit ein wirksames Instrument, um Versorgungslücken zu schließen und medizinische Daseinsvorsorge dauerhaft abzusichern."
Bisher wenige kommunale MVZ
Die SPD legt den Fokus auf Versorgungszentren in kommunaler Trägerschaft. Davon gibt es in NRW bisher neun: In Kalletal, Marienmünster, Neuenrade, Wettringen, Dortmund, Monheim, Goch und Remscheid. Ein weiteres in Höxter wurde vor Kurzem gegründet, weitere in Oberberg oder im Kreis Kleve sind in Planung.
Zum Vergleich: MVZ in privater Trägerschaft gibt es hunderte. In Westfalen-Lippe ist die Zahl kontinuierlich gestiegen: Waren es 2016 noch 149, waren es im vergangenen Jahr schon 413. Die meisten werden von Vertragsärzten oder Krankenhäusern betrieben.
Die KVWL rät nicht pauschal dazu, solche Zentren kommunal zu stemmen: In kleinen Gemeinden können sie zwar hilfreich sein, um die Versorgung zu sichern. Doch sollte es "immer nur eine ultima ratio sein, wenn andere Angebote an den ärztlichen Nachwuchs ergebnislos ausgeschöpft sind", heißt es von der Vereinigung. Auch die Vereinigung Nordrhein meint, dass es auf den Einzelfall ankomme. Es sollten keine Parallelstrukturen oder Wettbewerbsszenarien entstehen.
Für die KVWL sollte der freiberufliche, selbstständige Vertragsarzt der erste Leistungsträger in der Versorgung sein. MVZ könnten aber eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, den ärztlichen Nachwuchs abzuholen.
Unsere Quellen:
- Gesundheitsausschuss im NRW-Landtag
- SPD-Pressemitteilung
- Angaben KVWL, KVNO
- Eigene Recherchen
Sendung: WDR.de, NRW will MVZ in unterversorgten Regionen fördern, 05.12.2025, 17.03 Uhr
