Politischer Aschermittwoch | Aktuelle Stunde

03:25 Min. Verfügbar bis 18.02.2028

Politischer Aschermittwoch: Schlagabtausch zwischen CDU und SPD

Stand:

In NRW findet der politische Aschermittwoch vor allem abends statt. Zuvor las schon die Wirtschaft der Politik die Leviten.

Von
Christoph Ullrich
Christoph Ullrich
,
Martin Teigler
Martin Teigeler
und Wolfgang Landmesser, Jochen Trum

Auch wenn der politische Aschermittwoch eher eine bayerische Tradition ist: Auch in NRW gibt es zwei stets wiederkehrende Ereignisse, an denen zum Beginn der Fastenzeit noch einmal ausgeteilt wird.

Seit bald drei Jahrzehnten lädt die nordrhein-westfälische SPD, genauer gesagt ihr Regionalbezirk Westliches Westfalen, nach Schwerte in den Freischütz. Jedes Jahr geben sich dort die mal mehr oder weniger gewichtige Parteiprominent die Klinke in die Hand.

Pistorius füllt bei der SPD den Saal

Verteidigungsminister Boris Pistorius bei einer Pressekonferenz in Dänemark

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD)

In diesem Jahr hatte sich Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius angemeldet. Entsprechend viele waren gekommen, um ihn zu sehen: So voll war der Saal in den vergangenen Jahren nicht: Mit 650 Menschen war der Freischütz zum ersten Mal seit langem ausverkauft.

Pistorius sprach über Gerechtigkeit

Pistorius stammt zwar aus Osnabrück und damit aus keiner Karnevalshochburg. Aber er sei gerne gekommen und froh nicht am Rosenmontag eingeladen geworden zu sein. Dann wäre er in die Verlegenheit gekommen, sich verkleiden zu müssen. "Ich wäre ja ungern als Armin Laschet gekommen", witzelte er angesichts der optischen Ähnlichkeit zu dem CDU-Bundestagsabgeordneten.

Jenseits der Aschermittwochs-Folklore ging Pistorius vor allem auf Gerechtigkeitsfragen ein. Er lobte die Landespartei für ihre Kampagne, vor allem Familien in NRW entlasten zu wollen. "Es braucht gute Kitas und Schulen, verlässliche Arbeitszeiten, gute Tariflöhne von denen man Leben könne und vor allem Respekt", so Pistorius.

Zudem brauche es Anerkennung vor Ehrenamt und unbezahlter Arbeit in der Familie. Es brauche auch den Respekt "vor harter, tradierter Arbeit". Strukturwandel heißt deshalb für Pistorius "Arbeit sichern, Qualifizierung fördern, Transformation gestalten und zwar sozial gerecht".

SPD-Spitzenkandidat greift CDU an

Vor Pistrorius redete Landtags-Fraktionschef Jochen Ott. Er griff vor allem die CDU scharf an - Teile der Partei hatten zuletzt umfangreiche Sozialkürzungen ins Gespräch gebracht. "Wir sind Zeugen einer beispiellosen Selbstradikalisierung der CDU", so Ott - und Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) reagiere darauf nicht.

"Hierfür hat er keine Zeit. Wahrscheinlich macht er gerade ein schönes, geplantes Video für Insta", höhnte Ott. Bei Wüst gelte die Devise "lieber inszenieren statt regieren", so der designierte SPD-Spitzenkandidat zur Landtagswahl 2027.

CDU trifft sich im Sauerland

Hendrik Wüst sitzt an einer Tafel und lacht ins Publikum

Hendrik Wüst und Paul Ziemiak

Die CDU feierte ihren Aschermittwoch im sauerländischen Lennestadt. Politische Spitzen gab es in der Schützenhall von Kirchveischede aber nur wenige. Stattdessen lobte Ministerpräsident Wüst die Errungenschaften seiner schwarz-grünen Regierung.

Die CDU habe das Bundesland sicherer gemacht. "Sozialdemokraten haben noch vor zehn Jahren gesagt, mehr als 1.500 Polizeianwärter könne man nicht gleichzeitig ausbilden", kritsierte Wüst. "Als habe Moses das in eine Steintafel gekritzelt". Aber seine Regierung habe gezeigt, dass es gehe und man seit 2023 die doppelte Anzahl an Anwärtern und Anwärterinnen ausgebildet habe.

Wüst warnt vor der AfD

Hendrik Wüst am Rednerpult

Hendrik Wüst beim politischen Aschermittwoch

Lautesten Applaus erhielt Wüst für seinen wiederholten Appell gegen Rechtsextremisten. Der CDU-Landesparteichef warnte mit Blick auf mehrere anstehende Landtagswahlen in diesem Jahr eindringlich vor der AfD. Es bestehe die Gefahr, dass die AfD bei einer Landtagswahl im Osten gewinnen werde und womöglich den Ministerpräsidenten stelle.

"Manche sagen, das ist nicht so schlimm, dann werden die sich schon entzaubern", meinte Wüst. Aber das sei in der deutschen Geschichte "schon mal kräftig schiefgelaufen". Wüst stellte klar: Die Länder seien zuständig für ganz zentrale Bereiche des Staates: Für die Polizei, für die Justiz, für den Verfassungsschutz. In den Ländern liege damit ein "Kern des Gewaltmonopols". Wüst warnte: Politische Macht dürfe niemals wieder in die Hände von Extremisten gelangen. 

Warnung vor zu frühem Wahlkampf

Den Auftakt zum politischen Aschermittwoch in Nordrhein-Westfalen bestritt am Morgen die Wirtschaft. "Die Lage ist dramatisch", sagte der Präsident des Unternehmerverbands NRW, Arndt Kirchhoff, in Düsseldorf. Jeden Monat gingen am Standort Nordrhein-Westfalen 2.800 Jobs verloren. Die Politik müsse endlich handeln.

Unternehmer-Chef fordert Reformen

Union und SPD im Bund müssten sich zusammenraufen – und vor allem die Renten- und Krankenversicherung reformieren. Wenn das nicht passiere, würden die Lohnnebenkosten weiter steigen, so Kirchhoff. Zudem lehnte er den SPD-Vorschlag für eine Reform der Erbschaftssteuer ab. Eine Erbschaftssteuer auf Betriebsvermögen wäre "ein fataler Akt des Misstrauens gegenüber Unternehmertum".

Der Arbeitgeber-Vertreter rief die NRW-Politiker auf, "nicht jetzt schon in den Wahlkampfmodus zu schalten" - 2027 steht die nächste Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen an. Dafür liege noch zu viel auf dem Schreibtisch, das angesichts der ernsten Wirtschaftslage keinen Aufschub dulde.

NRW-Wirtschaft fordert "Verantwortung und Führung"

WDR 5 Westblick - aktuell 18.02.2026 03:06 Min. Verfügbar bis 18.02.2027 WDR 5

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Als Beispiele nannte Kirchhoff den Bürokratieabbau sowie Reformen bei der Bauordnung und beim Landesnaturschutzgesetz. Er appellierte darüber hinaus an die Parteien, keine Strukturdebatten um die Schulen im Land zu führen.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort
  • Nachrichtenagentur dpa

Sendung: WDR 5, Politischer Aschermittwoch: "Originell sein", 18.02.2026, 17:06 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 18.02.2026, 18.45 Uhr

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