Die Pflegemodellrechnung soll zeigen, welche Auswirkungen der demografische Wandel haben wird, teilte das Statistische Landesamt IT NRW am Mittwoch mit. Grundlage seien Berechnungen zur Bevölkerungsentwicklung sowie die Pflegestatistik.
Den Vorausberechnungen zufolge werden bis zum Jahr 2050 in Nordrhein-Westfalen knapp 1,7 Millionen Menschen und damit etwa jede zehnte Person pflegebedürftig sein. Das würde einem Zuwachs von über 20 Prozent gegenüber 2023 entsprechen, in dem knapp 1,4 Millionen Pflegebedürftige ermittelt wurden.
Im Vergleich zum Jahr 2023 wird die Zahl der Menschen in stationärer Pflege um ein Drittel steigen. Ähnlich sieht es bei den ambulanten Pflegediensten aus, auch sie werden mehr Menschen versorgen müssen.
Der Hintergrund: Im nächsten Vierteljahrhundert erreichen die geburtenstarken Jahrgänge der sogenannten Babyboomer-Generation ein Alter mit hohem Risiko, pflegebedürftig zu werden.
Ungefähr drei von fünf pflegebedürftigen Menschen sind weiblich. Zwischen 2023 und 2070 erwarten die Statistiker einen um elf Prozentpunkte stärkeren Anstieg bei den pflegebedürftigen Männern als bei den Frauen. Infolgedessen könnte der Frauenanteil laut Modellrechnung im Zeitraum leicht von 61 auf 59 Prozent sinken.
Münsterland besonders betroffen
Wenn die Modellrechnung zutrifft, werden wahrscheinlich auch die Kosten für Pflege steigen, denn es werden auch mehr Menschen Pflegegeld beziehen. In den Kreisen Coesfeld, Borken und Paderborn sind die Anstiege pflegebedürftiger Menschen höher als in anderen Teilen des Landes. Im Ruhrgebiet, vor allem in Hagen und Gelsenkirchen, fallen die Anstiege deutlich geringer aus.
Anstieg pflegebedürftiger Menschen in NRW
WDR Studios NRW. 18.03.2026. 00:39 Min.. Verfügbar bis 17.03.2028. WDR Online.
Die Zahlen seien "ein Warnsignal von historischem Ausmaß", sagte der Gesundheitsexperte der SPD-Landtagsfraktion, Thorsten Klute. Er sprach von "alarmierende Entwicklungen". Klute: "Nordrhein-Westfalen steuert sehenden Auges in ein Pflegedesaster." Er warf der schwarz-grünen Landesregierung vor, pflegende Angehörige zu wenig zu unterstützen und nicht genug für mehr Pflegekräfte zu tun.
Zwar sei die Zahl der Azubis gestiegen, aber es würden auch viele abbrechen: 2023 lag die Quote bei 41 Prozent. Bei den neuen Zahlen von IT NRW fehle diese Angabe.
Mehr männliche Pflege-Azubis
Zum Jahresende 2025 waren 41.244 Personen in der Ausbildung zur Pflegefachkraft, teilt das Statistische Landesamt mit. Nach vorläufigen Ergebnissen sei das ein Plus von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Es sind nach wie vor überwiegend Frauen, die die Ausbildung machen, doch seit dem Start der generalistischen Ausbildung 2020 ist der Männeranteil etwas gestiegen: War damals noch jeder vierte Auszubildende männlich, ist es heute jeder dritte. Auch unter den Studierenden im Bereich Pflege ist der Frauenanteil deutlich höher.
Mitarbeit: Amber Berger (Grafik)
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung des Statistischen Landesamt
- Nachrichtenagentur dpa
- Pressemitteilung der SPD-Landtagsfraktion
Sendung: WDR 2, Nachrichten, 18.03.2026, 09:00 Uhr
Sendung: WDR.de, Anstieg pflegebedürftiger Menschen in NRW, 18.03.2026, 10:20 Uhr
Kommentare zum Thema
Schäden die nicht mehr repariert werden, häufen sich bei Pflegebedürftigen. Auch bei Menschen die oft schwere körperliche Tätigkeiten bei der Pflegearbeit ausführen müssen, privat und beruflich. Senioren im Seniorenheim und angehende kranke Rentner sind anfälliger für Krankheiten und Verletzungen. Egal ob bei der sogenannten Babyboomer-Generation, auch die junge Generation lebt mit hohem Risiko, pflegebedürftig zu werden. Die Kosten für Pflege steigen, wer wird mehr davon profitieren? Die Pflegebedürftigen, der sie pflegen lässt bzw. pflegt? Wenn laufend zu wenig Personal vorhanden ist, hat jede Pflege-Seite nichts dabei gewonnen.
Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er sich nicht auf das Thema der Diskussion bezieht. (die Redaktion)
Was sagt die Politik zur Modellrechnung des Statistischen Landesamtes NRW bei der Pflege? Sie sagt: „Die nordrhein-westfälische Landesregierung unter Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sieht die pflegerische Versorgungslage in NRW bis zum Jahr 2030 „auch mit Blick auf die demografische Entwicklung bis 2030 grundsätzlich als stabil“ an“. Zitat. Super die Aussage der Politiker für nur vier Jahre.