Es brodelt in der FDP. Am Sonntag gab es zunächst die krachende Wahlniederlage im Stammland Baden-Württemberg mit 4,4 Prozent. Dann erklärte Bundeskanzler Merz die FDP für politisch tot. Die Zweifel am Bundesvorsitzenden Christian Dürr werden lauter, die Diskussion um seine Nachfolge ist entbrannt. Im WDR-Landesmagazin Westblick hat sich der NRW-Fraktionsvorsitzende und Vorsitzende des Landesverbands, Henning Höne, zur Lage der FDP geäußert.
"Das debattieren wir im Moment"
Höne ist schonungslos in seiner Analyse, die FDP sei in einer wirklich existentiellen Lage, sagt der FDP-Landeschef. Seit der Bundestagswahl befinde sich die Partei in einer "tiefen Krise", die durch die Wahl in Baden-Württemberg verstärkt worden sei.
"Der Neuanfang ist uns noch nicht gelungen seit der Bundestagswahl." Henning Höne
Auch wenn der FDP-Landeschef es vermeidet, dies als Versäumnis von Dürr zu benennen, klingt es doch nach einer Distanzierung. Ein klares Bekenntnis zum Bundesvorsitzenden sieht jedenfalls anders aus. Dann warnt Höne noch davor, einfach nur Köpfe auszutauschen, "das alleine ist es eben auch nicht". Aber vielleicht ist es eine von mehreren Maßnahmen? Die Frage, ob Dürr bleiben soll, beantwortet Höne so: "Das debattieren wir im Moment, das klären wir intern." Diese Formulierungen lassen Raum für Spekulationen.
Christian Dürr, ehemaliger Fraktionschef im Bundestag, übernahm im Mai 2025 den Bundesvorsitz der Partei. Seine Stellvertreter sind Wolfgang Kubicki, Svenja Hahn und Henning Höne.
Wer könnte Dürr nachfolgen?
Von den möglichen Kandidaten, die aktuell genannt werden, ist der 39-Jährige Henning Höne der Jüngste. Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist zwar weitaus prominenter als der Coesfelder, verkörpert mit ihren 68 Jahren aber ebensowenig einen Neuanfang wie der ebenfalls bundesweit bekannte Wolfgang Kubicki mit 74 Jahren. Auch die Namen der ehemaligen Generalseketäre Bijan Djir-Sarai und Linda Teuteberg sind zu lesen. Djir-Sarai war Ende 2024 zurückgetreten nach dem Debakel rund um das FDP-Strategie-Papier zum Ampel-Aus ("offene Feldschlacht", "D-Day"). Kann der aktuelle Kämmerer im Rhein-Kreis Neuss das Gesicht des Neuanfangs sein?
Konkret auf Wolfgang Kubicki und Agnes Strack-Zimmermann für den Bundesvorsitz angesprochen, lobt Höne im WDR zwar deren Ideen und Erfahrungen, die man "weiter einbinden werde". Er gesteht ein, dass die beiden die größte Prominenz haben und verweist dann aber auf die 70.000 Mitglieder seiner Partei und die Kollegen, die in den Landesparlamenten und Kommunen Verantwortung tragen. Also zum Beispiel Henning Höne?
Blickt man auf die Deutschlandkarte, dann sieht man, dass es für die FDP dünn wird mit einer parlamentarischen Basis in den Ländern. Mit Abstand am stärksten ist die FDP in NRW vertreten, wenn auch ohne Regierungsbeteiligung wie in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Am 22.03. wird in Rheinland-Pfalz gewählt, am 06.09. in Sachsen-Anhalt. Jüngste Vorwahl-Umfragen von Infratest Dimap für Rheinland-Pfalz weisen noch nicht mal mehr einen Wert bei der FDP aus, so gering scheinen dort die Chancen der Freidemokraten auf einen Wiedereinzug zu sein.
Macht Höne den Lindner 2.0?
Christian Lindner (rechts) und Armin Laschet
Schon einmal ging die Erneuerung der Bundes-FDP von NRW aus, wo der Landtag eine wesentliche Bühne für einen liberalen Hoffnungsträger war. Nachdem die FDP 2013 nicht nur aus der Bundesregierung, sondern auch aus dem Bundestag gewählt wurde, übernahm Christian Lindner als Vorsitzender eine Partei in der Krise. Die NRW-FDP führte er als Spitzenkandidat in den Landtagswahlkampf 2017.
Lindner machte keinen Hehl daraus, dass Düsseldorf für ihn nur eine Zwischenstation zurück in den Bundestag ist. Er verhandelte im Mai in Düsseldorf mit Armin Laschet den Koalitionsvertrag zwischen CDU und FDP, ging aber nicht ins Kabinett. Stattdessen nutzte er immer wieder die Landespolitik für die Profilierung seiner Partei. Mit Erfolg – der Wiedereinzug in den Bundestag gelang im September 2017 mit 10,7 Prozent der Stimmen.
Wechsel an der Bundesspitze schon im Mai?
Der nächste reguläre Bundesparteitag der FDP ist am 30./31. Mai in Berlin. Allerdings ohne Vorstandswahlen, die finden nur alle zwei Jahre statt. Aber diese Tagesordnung lässt sich ja auch an die politische Lage anpassen.
Unsere Quellen:
- Henning Höne im WDR-Landesmagazin Westblick
- Eigene Recherche
Sendung: WDR 5, Westblick / Muss NRW die FPD wieder retten, 12.03.2026, 17:05 Uhr
