Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg herrscht Katerstimmung bei der SPD, nicht nur "im Ländle". Auch in NRW sind die Sozialdemokraten über das schlechte Abschneiden ihrer Partei tief enttäuscht. "Gestern war ein bitterer Abend für die Sozialdemokratie", kommentierte Frederick Cordes, Generalsekretär der SPD in NRW, das Ergebnis. "Am Ende ist der Wahlkampf auf ein Duell hinausgelaufen, das Wählerstimmen auch von anderen Parteien abgezogen hat."
Die SPD war bei der Wahl am Sonntag auf 5,5 Prozent abgestürzt - ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Deutschland. Wahlsieger ist Cem Özdemir von den Grünen. Seine Partei kommt nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis auf 30,2 Prozent. Die CDU mit Spitzenkandidat Manuel Hagel liegt mit 29,7 Prozent nur knapp dahinter.
Entsprechend groß ist die Freude bei den Grünen in NRW. Noch am Wahlabend gratulierten Yazgülü Zeybek und Tim Achtermeyer, die Landesvorsitzende in NRW, ihrem Parteifreund Özdemir. "Die Wählerinnen und Wähler im Ländle haben heute deutlich gemacht: Sie wollen eine moderne Politik, die für Aufbruch, Fortschritt und Zuversicht steht – nicht für Rückschritt", teilten Zeybek und Achtermeyer mit. "Wir Grünen starten mit kräftigem Rückenwind in dieses Wahljahr."
FDP vor personellem Neuanfang?
NRW-FDP-Chef Höne fordert Neuanfang
Während die SPD mit 5,5 Prozent im Stuttgarter Landtag bleiben kann, muss die FDP ihre Plätze nun räumen. Die Liberalen scheiterten in ihrem Stammland mit 4,4 Prozent deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde. Mit entsprechend viel Sorge schauen die Liberalen in NRW auf die kommenden Wahlen. "Schon seit dem Bundestagswahlkampf gelingt es uns nicht, Menschen, die unsere Werte und Überzeugungen teilen, hinter uns zu versammeln", erklärte Henning Höne, Landesvorsitzender der FDP in NRW. Die Freiheit brauche neue Stimmen, so Höne weiter.
"Der organisierte Liberalismus in Deutschland braucht einen echten Neuanfang." Henning Höne, FDP-Landesvorsitzender in NRW
Wackelt also der Stuhl von FDP-Bundesparteichef Christian Dürr? "Wir müssen uns ehrlich eingestehen, dass von der Bundespolitik zu wenig Rückenwind kam", erklärte auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Präsidiumsmitglied und ehemalige Erste Bürgermeisterin in Düsseldorf. "Jetzt heißt es Butter bei die Fische. Dazu gehört das Selbstverständnis, Verantwortung für Wahlergebnisse zu übernehmen", so Strack-Zimmermann weiter.
AfD: "Gegen die Interessen der Bürger"
Mit Freude nahm die AfD in NRW das Ergebnis ihrer Partei in Baden-Württemberg auf. "Dass die AfD ihr Ergebnis nahezu verdoppeln konnte, ist ein positives Signal", teilte ein Sprecher mit. Es sei allerdings "beschämend", dass die CDU nun mit den Grünen koalieren wolle. "Die CDU entscheidet sich damit erneut für die Brandmauer und gegen die Interessen der Bürger." Grüne und CDU kamen bei der Landtagswahl zusammen auf knapp 60 Prozent der Wählerstimmen, die AfD auf 18,8 Prozent.
In NRW wird am 25. April 2027 ein neuer Landtag gewählt. Vorher stehen in diesem Jahr noch Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz an (22.03.), Sachsen-Anhalt (06.09.), Berlin und Mecklenburg-Vorpommern (beide 20.09.).
Unsere Quellen:
- Mitteilung der NRW-SPD
- Mitteilung der Grünen NRW
- Mitteilung der FDP NRW
- Statement von Marie-Agnes Strack-Zimmermann
- Mitteilung der AfD NRW
Sendung: WDR.de, NRW reagiert auf Wahl in Baden-Württemberg, 09.03.2026, 14:00 Uhr
