Polizisten am Einsatzort

Polizeieinsatz nach Messerangriff an Essener Berufskolleg

Essener Messerangriff: Hinweise auf islamistisch motivierte Tat

Stand:

In Essen war eine Lehrerin von einem Schüler mit einem Messer lebensgefährlich verletzt worden. Es gebe Hinweise auf eine religiös motivierte Tat, sagte Innenminister Reul. Außerdem war der mutmaßliche Täter bereits unter polizeilicher Beobachtung gewesen.

Zum Messerangriff auf eine Lehrerin eines Berufskollegs in Essen vergangenen Freitag verkündete NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag neue Erkenntnisse. Tatverdächtig ist ein 17-jähriger Kosovare - Schüler des Berufskollegs. Bei seiner Festnahme wurde er lebensgefährlich verletzt.

Reul: Hinweise auf islamistischen Hintergrund

Die Hintergründe und das Motiv der Tat würden derzeit noch ermittelt, sagte Reul. Eingebunden in die Ermittlungen sei nun aber auch der Staatsschutz: "Aus der ersten Auswertung der sichergestellten Datenträger lassen sich nämlich Hinweise auf eine religiös motivierte Tat erkennen." Es gehe dabei um Videos, die der Tatverdächtige angefertigt hat. Später ergänzte Reul, dass sich Hinweise auf einen islamistisch motivierten Hintergrund verdichteten.

Laut Sicherheitskreisen soll der 17-Jährige in einem Video die Tat kommentiert haben. Darin soll er als Begründung für die Tat angegeben haben, die Lehrerin habe den Propheten beleidigt. Zudem soll er mehrmals "Allahu Akbar" gerufen haben. "Focus online" und "Kölner Stadtanzeiger" hatten zuvor darüber berichtet.

Messerattacke in Essen islamistisch motiviert?

WDR 5 Westblick - aktuell 11.09.2025 03:50 Min. Verfügbar bis 11.09.2026 WDR 5

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Messerangriff: Generalbundesanwalt prüft Übernahme

Deswegen habe die Staatsanwaltschaft Essen jetzt auch die Zentralstelle für Terrorismusbekämpfung (ZenTer) und den Generalbundesanwalt (GBA) informiert. "Der Generalbundesanwalt prüft derzeit eine Übernahme des Verfahrens", so Reul.

Dem tatverdächtigen 17-jährigen Kosovaren sei der Haftbefehl des Amtsgerichtes Essen verkündet worden. Er sei in Untersuchungshaft und werde in einem Krankenhaus bewacht. Tatvorwurf: versuchter Totschlag.

17-jähriger Kosovare war unter Beobachtung

Inzwischen lägen den Ermittlern auch weitere Informationen über den mutmaßlichen Täter vor, sagte Reul. Polizeilich sei der Kosovare in der Vergangenheit bereits wegen Bedrohung, Verstoßes gegen das Waffengesetz, gefährlicher Körperverletzung und Besitz von Kinderpornographie aufgefallen. Dem Polizeilichen Staatsschutz dagegen sei er nicht bekannt gewesen.

Mehrere Mitarbeiter der Schule und eines Sicherheitsunternehmens gehen auf dem Gelände der Schule, in der ein Angriff auf eine Lehrerin stattgefunden hat.

Tatort Berufskolleg

Wegen "Verhaltensauffälligkeiten" in der Schule sei über den Jungen im Frühjahr 2023 allerdings ein "PeRiskoP"-Beobachtungs- und Feststellungsbericht angefertigt worden. PeRiskoP ist ein Konzept zur Früherkennung von Personen mit Risikopotenzial. Auch hätte die Polizei Essen im April 2023 eine Fallkonferenz mit der damaligen Schule des Jugendlichen und dem Jugendamt der Stadt Essen abgehalten und ihn danach als "Person mit Risikopotential" eingestuft.

Polizei gab Entwarnung nach vier Monaten

Nachdem er aber vier Monate polizeilich nicht mehr in Erscheinung getreten war und die Familie beim Jugendamt angebunden werden konnte, hätte man "das Risiko einer zielgerichteten Gewalttat als unwahrscheinlich eingeschätzt". Er sei daraufhin im August 2023 wieder ausgestuft worden.

Das Landeskriminalamt werde die damalige Entscheidungen der Polizei Essen nun noch einmal überprüfen, so Reul. Dabei werde es auch um zwei weitere Vorfälle gehen: eine Bedrohung in 2024 und eine "wechselseitige gefährliche Körperverletzung" im April 2025.

Die SPD-Abgeordnete Christina Kampmann sagte nach der Ausschussitzung: "Sollten sich die Hinweise auf einen islamistisch motivierten Anschlag bestätigen, wäre das eine äußerst besorgniserregende Entwicklung." Es wäre dann bereits der vierte islamistische Anschlag in NRW, nach den Taten in Duisburg, Solingen und Bielefeld. Es gelte allerdings jetzt, die weiteren Ermittlungen abzuwarten "und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen".

Weiterer Tötungsversuch in Essen

Dann offenbarte der Innenminister noch eine weitere Neuigkeit: "Das versuchte Tötungsdelikt gegen die Lehrerin war an diesem Morgen nicht die einzige Tat in Essen." In der City habe sich ein weiteres versuchtes Tötungsdelikt ereignet. Opfer sei in diesem Fall ein Obdachloser gewesen. Über dessen Schicksal sagte Reul nichts.

Die Polizei prüfe nun, ob der 17-Jährige auch für diese Tat verantwortlich ist.

Unsere Quellen:

  • Sitzung des Rechtsausschusses im Landtag NRW am 11.09.2025
  • Statement Christina Kampmann (SPD)
  • Focus online: Artikel vom 11.9.2025
  • Nachrichtenagentur dpa

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