Bielefeld-Attentäter soll acht verschiedene Identitäten gehabt haben

Aktuelle Stunde 22.05.2025 34:40 Min. UT Verfügbar bis 22.05.2027 WDR Von Daniela Rüthers-Becker

Messerangriff in Bielefeld: Tatverdächtiger hatte mehrere Identitäten

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Der Tatverdächtige von Bielefeld ist den Behörden unter verschiedenen Namen bekannt. Dabei tauchen Widersprüche auf.

Zu dem 35-jährigen Syrer sind den Behörden unterschiedliche Namen bzw. Schreibweisen seines Namens bekannt. Allerdings decken sich die Angaben der Behörden nicht und sind zumindest teilweise widersprüchlich. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) kennt den Mann noch unter einem zweiten Namen. Das teilte ein Sprecher heute dem WDR mit.

Allerdings sei der zweite Name lediglich durch eine falsche Übertragung zustande gekommen. Er wurde also noch einmal in einer anderen Schreibweise erfasst. Zudem seien beide Versionen demselben Fingerabdruck-Satz zugeordnet, so dass sich dadurch keine Mehrfachidentitäten begründen lassen.

Widersprüchliche Angaben

NRW-Integrationsministerin Josefine Paul

Flüchtlingsministerin Josefine Paul von den Grünen

In einer Fragestunde des Landtages haben gestern dazu auch Innenminister Herbert Reul (CDU) und Flüchtlingsministerin Josefine Paul von den Grünen den Abgeordneten Auskunft gegeben. Paul erklärte, dass "in den uns vom BAMF zur Verfügung gestellten Dokumenten" drei Alias- Namen vorliegen. Das allerdings steht im Widerspruch zu den Angaben aus dem Bundesamt.

Ministerium: keine Hinweise auf Täuschungsabsicht

Das Minsterium betont heute ergänzend, die Personalien seien alle zusammengeführt worden. Damit gelte: "per Fingerabdruck ist der Mann klar zuordenbar". Und die vielleicht wichtigste Information: "Hinweise auf eine Täuschungsabsicht liegen hier nach jetzigem Erkenntnisstand nicht vor."

Gerade bei Namensübertragungen aus dem Arabischen gebe es Schwierigkeiten, da es keine genaue Wiedergabe dafür in der lateinischen Schrift gebe.

Opposition kritisiert Ministerium

Die Opposition jedenfalls fordert von der schwarz-grünen Landesregierung Aufklärung. „Offenbar ist es weiterhin viel zu einfach, mit verschiedenen Identitäten im Land unterwegs zu sein“, kritisiert der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag Marc Lürbke. Es gebe wieder einmal „erhebliche Widersprüche“. Seiner Ansicht nach zeige das, „dass im Fluchtministerium die Räder nicht ineinander greifen“. Es sei weiterhin viel zu einfach“ in NRW unter falscher Flagge zu segeln“.

Noch am Montag hatte die Ministerin schriftlich mitgeteilt, es gebe "keine Auffälligkeiten im Rahmen der ausländerrechtlichen Akten“.

Einer, drei oder acht Alias-Namen?

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)

Laut Reul tauchen sogar acht sogenannte Alias-Namen auf - allerdings nicht in der vom BAMF geführten Asylakte, sondern in den Polizeisystemen Inpol und Viva. Aktuell prüft das nordrhein-westfälische Innenministerium, warum der Tatverdächtige in den Systemen überhaupt erscheint. Schließlich hat Reul auch erklärt, der Syrer sei bislang ein "staatsanwaltschaftlich und polizeilich unbeschriebenes Blatt" gewesen. Womöglich wurde er beispielsweise lediglich bei Personenkontrollen erfasst - aber das ist noch offen.

Gültige Aufenthaltserlaubnis

Der Tatverdächtige ist den Angaben zufolge über die Türkei nach Europa eingereist. Das BAMF habe ihm einen sogenannten "subsidiären Schutz" gewährt, d.h. in der Heimat drohte ihm erhebliche Gefahr. Er hat demnach eine gültige Aufenthaltserlaubnis befristet bis Februar 2027. Inzwischen hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Es besteht demnach der Verdacht, dass die Tat religiös motiviert war.

Unsere Quellen:

  • eigene Rercherchen
  • BAMF-Auskunft
  • Paul und Reul in der Fragestunde des Landtags
  • Schriftliche Mitteilungen aus dem Flüchtlingsministerium
  • Interview mit Marc Lürbke

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