Eine Person trägt einen gefüllten Einkaufskorb durch einen Supermarkt

Gesetze verschärft Zahl der Rückrufe bei Lebensmitteln stark gestiegen

Stand:

Seit 2015 hat sich die Zahl der Rückrufe verdreifacht. Das liegt nicht nur an besserer Verbraucherinformation durch Hersteller.

Die sozialen Medien sind voll mit ekligen Berichten über Lebensmittel. Influencerin Carry Iwanowna hat im Herbst solch ein Video auf Tiktok veröffentlicht. Sie hatte in einer Wurstpackung große, spitze Knochenstücken gefunden. Die Packung hatte sie in einem Netto-Markendiscount-Markt gekauft.

Einzelhandel reagiert schnell

Auf WDR-Anfrage teilt die Netto-Unternehmenskommunikation mit, dass man den Hinweis der Kundin zum Anlass genommen habe, Rücksprache mit dem Lieferanten zu halten. Danach habe es in der Produktion keine Auffälligkeiten und auch keine weiteren Verbraucherbeschwerden gegeben. "Wir bedauern sehr, dass es in diesem Einzelfall zu einer Abweichung von unseren hohen Qualitätsstandards gekommen ist", schreibt Netto dem WDR weiter.

Hersteller müssen sichere Lebensmittel garantieren

In den vergangenen Jahren seien die gesetzlichen Vorgaben verschärft worden, erklärt Lena Meinders, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung AFC in Bonn. Die Firma ist auf Risiko- und Krisenmanagement spezialisiert. 150 Hersteller, Handelsunternehmen und Verbände aus der Lebensmittelbranche gehören zu den Kunden. Die würden inzwischen selbst mehr analysieren. "Denn ein Unternehmen hat natürlich auch das Interesse, ein sicheres Lebensmittel an die Verbraucher zu bringen, um ein großes weiteres Vertrauen zu haben", so Lena Meinders im WDR-Interview.

323 öffentliche Rückrufe im vergangenen Jahr

Das Bild zeigt eine Website mit Lebensmittel Warnung.

Auf Lebensmittelwarnung.de werden Rückrufe veröffentlicht.

Das hat auch zu steigenden Rückrufen geführt. Von 100 im Jahr 2015 auf 323 im vergangenen Jahr, wie aus Zahlen von Bund und Ländern hervorgeht, die in der App lebensmittelwarnung.de nachzulesen sind. Dort können sich Verbraucherinnen und Verbraucher auch über aktuelle Rückrufe informieren.

Doch viele kennen dieses staatliche Warnportal überhaupt nicht, wie WDR-Recherchen vor einem Supermarkt gezeigt haben. Und Aushänge in den Filialen seien leicht zu übersehen, berichten Kunden.

Verbraucherschützer fordern mehr Transparenz

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch fordert deshalb, die Supermarktketten zu verpflichten, immer alle Rückrufe in den Filialen gut sichtbar auszuhängen. Probleme könne es immer mal geben, aber dann müsse klar sein, dass Verbraucherinnen und Verbraucher sofort umfassend gewarnt werden, so Foodwatch-Pressesprecher Andreas Winkler. Doch das passiere leider häufig nicht. Denn Rückrufe seien in erster Linie die Entscheidung der Unternehmen, so Winkler.

Immer mehr Rückrufe bei Lebensmitteln

WDR Studios NRW 30.04.2026 00:45 Min. Verfügbar bis 29.04.2028 WDR Online

NRW lässt 90.000 Proben zusätzlich untersuchen

In fünf zentralen Laboren des Landes werden die Stichproben untersucht, die die Lebensmittelkontrolleure der Kreise und kreisfreien Städte nehmen - zusätzlich zur Eigenkontrolle der Hersteller. NRW-Verbraucherschutzministerin Silke Gorißen (CDU) ist die Lebensmittelsicherheit sehr wichtig.

Ein Frau untersucht in einem eißen Kittel etwas in einem Labor. um Sie herum Pipette, petrischalen und Reagenzgläser

Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Rhein-Ruhr-Wupper Krefeld

Deshalb schaue man genau hin, wenn zum Beispiel plötzlich Arzneimittelbestanteile, die verschreibungspflichtig seien, in Genussmitteln auftauchen, die frei verkäuflich sind. Ein Problem sei laut Gorißen allerdings, dass die Palette der Produkte immer größer und internationaler werde. Und in anderen Staaten werde nicht unbedingt das eingehalten, was in der EU oder in Deutschland in puncto Produktsicherheit gefordert werde.

Unsere Quellen:

  • Verbraucherschutzministerium NRW
  • foodwatch
  • Beratungsgruppe AFC
  • lebensmittelwarnung.de
  • Stellungnahmen Unternehmen
  • WDR-Reporterin vor Ort
  • Eigene Recherchen

Sendung: WDR.de, Immer mehr Lebensmittelrückrufe, 03.05.2026, 06:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Westpol, 03.05.2026, 19:30 Uhr
Erstveröffentlichung 03.05.2026

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