Die sozialen Medien sind voll mit ekligen Berichten über Lebensmittel. Influencerin Carry Iwanowna hat im Herbst solch ein Video auf Tiktok veröffentlicht. Sie hatte in einer Wurstpackung große, spitze Knochenstücken gefunden. Die Packung hatte sie in einem Netto-Markendiscount-Markt gekauft.
Einzelhandel reagiert schnell
Auf WDR-Anfrage teilt die Netto-Unternehmenskommunikation mit, dass man den Hinweis der Kundin zum Anlass genommen habe, Rücksprache mit dem Lieferanten zu halten. Danach habe es in der Produktion keine Auffälligkeiten und auch keine weiteren Verbraucherbeschwerden gegeben. "Wir bedauern sehr, dass es in diesem Einzelfall zu einer Abweichung von unseren hohen Qualitätsstandards gekommen ist", schreibt Netto dem WDR weiter.
Hersteller müssen sichere Lebensmittel garantieren
In den vergangenen Jahren seien die gesetzlichen Vorgaben verschärft worden, erklärt Lena Meinders, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung AFC in Bonn. Die Firma ist auf Risiko- und Krisenmanagement spezialisiert. 150 Hersteller, Handelsunternehmen und Verbände aus der Lebensmittelbranche gehören zu den Kunden. Die würden inzwischen selbst mehr analysieren. "Denn ein Unternehmen hat natürlich auch das Interesse, ein sicheres Lebensmittel an die Verbraucher zu bringen, um ein großes weiteres Vertrauen zu haben", so Lena Meinders im WDR-Interview.
323 öffentliche Rückrufe im vergangenen Jahr
Auf Lebensmittelwarnung.de werden Rückrufe veröffentlicht.
Das hat auch zu steigenden Rückrufen geführt. Von 100 im Jahr 2015 auf 323 im vergangenen Jahr, wie aus Zahlen von Bund und Ländern hervorgeht, die in der App lebensmittelwarnung.de nachzulesen sind. Dort können sich Verbraucherinnen und Verbraucher auch über aktuelle Rückrufe informieren.
Doch viele kennen dieses staatliche Warnportal überhaupt nicht, wie WDR-Recherchen vor einem Supermarkt gezeigt haben. Und Aushänge in den Filialen seien leicht zu übersehen, berichten Kunden.
Verbraucherschützer fordern mehr Transparenz
Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch fordert deshalb, die Supermarktketten zu verpflichten, immer alle Rückrufe in den Filialen gut sichtbar auszuhängen. Probleme könne es immer mal geben, aber dann müsse klar sein, dass Verbraucherinnen und Verbraucher sofort umfassend gewarnt werden, so Foodwatch-Pressesprecher Andreas Winkler. Doch das passiere leider häufig nicht. Denn Rückrufe seien in erster Linie die Entscheidung der Unternehmen, so Winkler.
NRW lässt 90.000 Proben zusätzlich untersuchen
In fünf zentralen Laboren des Landes werden die Stichproben untersucht, die die Lebensmittelkontrolleure der Kreise und kreisfreien Städte nehmen - zusätzlich zur Eigenkontrolle der Hersteller. NRW-Verbraucherschutzministerin Silke Gorißen (CDU) ist die Lebensmittelsicherheit sehr wichtig.
Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Rhein-Ruhr-Wupper Krefeld
Deshalb schaue man genau hin, wenn zum Beispiel plötzlich Arzneimittelbestanteile, die verschreibungspflichtig seien, in Genussmitteln auftauchen, die frei verkäuflich sind. Ein Problem sei laut Gorißen allerdings, dass die Palette der Produkte immer größer und internationaler werde. Und in anderen Staaten werde nicht unbedingt das eingehalten, was in der EU oder in Deutschland in puncto Produktsicherheit gefordert werde.
Unsere Quellen:
- Verbraucherschutzministerium NRW
- foodwatch
- Beratungsgruppe AFC
- lebensmittelwarnung.de
- Stellungnahmen Unternehmen
- WDR-Reporterin vor Ort
- Eigene Recherchen
Sendung: WDR.de, Immer mehr Lebensmittelrückrufe, 03.05.2026, 06:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Westpol, 03.05.2026, 19:30 Uhr
Erstveröffentlichung 03.05.2026

