Vom Erbrechen will eigentlich keiner lesen, oder?
Sie müssen jetzt stark sein!
Meine bisher übelste Lebensmittelvergiftung hat mich einen halben Urlaub gekostet: In Dublin ein finanzierbares Abendessen gesucht. Hinterhofimbiss. Die Krämpfe kamen so plötzlich - ich habe es nur noch bis ins Vorzelt geschafft. Der Rest der Reise war… ziemlich blass.
Salmonellen in Düsseldorfer Shawarma-Imbiss
Die Influencerin Babu vor dem Schawarma-Imbiss in Düsseldorf
An Lebensmittelvergiftungen erinnert man sich. Die will man nicht haben! Und wenn dann noch Salmonellen im Spiel sind... Davon war ich bisher verschont. Mehrere Dutzend Düsseldorfer Gastro-Gäste zuletzt nicht. Sie waren alle beim selben Schawarma-Schnellrestaurant. Tage- und wochenlange Qualen.
Und das, obwohl der Laden bei Kontrollen dieses Jahr schon zwei Mal aufgefallen war. Die Mängel sind sogar öffentlich. Nur, vorsichtig formuliert: sehr gut versteckt. Unter https://www.lebensmitteltransparenz.nrw.de/ stellen die Behörden ihre Prüfergebnisse online.
Behördeninfos versteckt
"Der Fleischwolf in der Küche war massiv mit teils vertrocknetem Fleisch und einem Besatz von Fliegen" heißt es über das Schnellrestaurant da zum Beispiel, grammatikalisch unvollständig aber umfänglich eklig. Oder: "stark beißender Geruch". Übel. Findet nur keiner. Die Seite ist weitgehend unbekannt, die Suchfunktion dort schlecht. Das Ganze ist eine große Textfläche, unter Journalisten sagen wir "Bleiwüste"– und gehen davon aus, dass Lesern sowas, pardon, auch eher Brechreiz bereitet.
Lieblingsanekdote der Woche dazu: Eines der Salmonellen-Opfer hatte im Kontakt mit einer Mitarbeiterin der Gesundheitsamts-Hotline fehlende Informationen beklagt. Antwort: Da gäbe es doch so eine Seite, da würden Prüfergebnisse eingestellt. Name wisse sie gerade nicht. Müsse er mal googeln.
Wir rennen also potenziell freudig in Imbisse oder Restaurants, die Lebensmittelkontrolleure längst auf dem Kieker haben – wissen aber nichts davon. Unappetitlich.
Und weg war sie, die Hygiene-Ampel
Dabei könnte es so einfach anders sein: Schon seit 2010 wird in New York, an jedem Gastro-Eingang mit A, B oder C kenntlich gemacht, wie die Behörden die Sauberkeit bewerten.
Und da war doch was… Ah, ja! Eine "Hygiene-Ampel" nach genau dem Muster gab es auch mal in NRW, mit Grün, Gelb, Rot statt A, B, C. Eingeführt 2017 von SPD und Grünen. Erstmal freiwillig, später sollte sie an jede Tür. Doch die Wirte fanden das Konzept wenig schmackhaft. Zu ungenau, zu viel Bürokratie! Noch im selben Jahr verabschiedete die neue schwarz-gelbe Landesregierung sich von dem Plan. Und es blieb: die Internetseite. Siehe oben.
Vielerorts fehlen Kontrolleure
Keine transparente Info also – und wie Westpol-Recherchen diese Woche exklusiv zeigen: Vielerorts, vor allem in den größeren Städten, auch noch fehlende Lebensmittelkontrolleure. Dazu Belastung durch Zusatzaufgaben, Probleme mit der vom Land gestellten Software.
Das alles ist doch ein Appetit-Senker. Gucken Sie einfach bei https://www.lebensmitteltransparenz.nrw.de/ mal rein. Wenn Sie nach ca. 15 Minuten verstanden haben, wie sie da was finden, erfahren Sie vielleicht Neues von Ihrem Lieblingsimbiss.
Ich wäre da doch eher für die Ampel! Ein Gelb oder Rot an der Tür oder wenigstens in einer einfach verständlichen App. Damit ich nicht wieder grün werde – und auch niemand von Ihnen!
Dieser Text erscheint auch als Editorial in "18 Millionen - Der Newsletter für Politik in NRW". Jeden Freitag verschicken wir die Themen, die NRW bewegen - an politisch Interessierte, Aktive, Gewählte, und Politik-Nerds. Hier können Sie den Newsletter kostenlos abonnieren.
