Die Spekulationen über einen vorzeitigen Kanzlertausch oder ähnliche politische Abenteuer kennen in der Union keine Gewinner. Querelen dieser Art nutzen niemandem, nur dem politischen Gegner. Und der trägt Blau. Es drohen dabei alle zu verlieren, Friedrich Merz, Hendrik Wüst, die Partei insgesamt. Das wissen sie eigentlich in der Union.
Die Botschaft aus dem sonnigen Sauerland sollte sein: Nichts dran, alles Quatsch, wir haben Wichtigeres zu tun. Merz will ein erfolgreicher Kanzler sein und Deutschland wieder auf Vordermann bringen. Der Anspruch ist richtig. Sagen wir es motivierend: Da liegt noch viel Potenzial. Und Wüst will in elf Monaten als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen wiedergewählt werden. Auch das ist kein Selbstläufer.
Lassen sich die Personaldebatten also so einfach beenden? Erinnern wir daran, warum es sie überhaupt gibt. Die Unzufriedenheit mit dem Kanzler und seiner Koalition ist nicht nur in der Wählerschaft weit verbreitet. Es sind vor allem die Unionsleute selbst, die sich die Haare raufen und die hinter vorgehaltener Hand ihrem Unmut freien Lauf lassen. So lange das so bleibt, dürften auch Gedankenspiele darüber, wer es wohl besser könnte, immer wieder neue Nahrung erhalten. Die Kanzlerphantasien um Hendrik Wüst mögen aus der Luft gegriffen sein, aber in dieser Hinsicht haben sie eben einen wahren Kern.
Wenn Wüst Ministerpräsident bleiben will, muss er demnächst Wahlkampf machen. Sich öfter auch in politische Debatten einmischen. Sich zurückhalten, sich gar verstecken ist keine Option. Er muss das eigene Profil öffentlich polieren ohne sich ständig aufs Neue dem Verdacht auszusetzen, mehr zu wollen. Ein Ritt auf der Rasierklinge.
Die Unruhe in der CDU ist mit Händen zu greifen. Die AfD wächst und wächst, die Ratlosigkeit nimmt zu. Mit einer Klausurtagung allein lässt sich das sicherlich nicht beheben. Und es ist bereits das zweite Mal, dass Merz und Wüst etwas beenden wollen, was angeblich nie angefangen hat. Ein drittes Mal könnte eins zu viel sein.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Nachrichtenagentur dpa
