"Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?", hat vor Urzeiten mal das politische Urgestein Konrad Adenauer gesagt. Nach diesem Motto scheint dann jetzt auch das FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki zu verfahren. Er will die FDP retten und Bundesvorsitzender werden. Also genau das, was er 2025 noch ziemlich eindeutig und, wie ich finde, sehr einsichtig so kommentiert hat: Dass ich nicht die Zukunft der Partei bin, weiß ich selbst.
Medienwirksame Auftritte und Polarisierung
Aber das war 2025. Das ist Vergangenheit. Jetzt, einige desaströse Landtagswahlen später und mit eher sehr überschaubaren Umfragewerten, kümmert ihn sein Geschwätz von gestern nicht mehr. Das FDP-Urgestein, immerhin seit rund 50 Jahren FDP-Mitglied und stolze 74 Jahre alt, will es versuchen. Will seinen Hut - oder um in der aktuellen FDP-Bildsprache von Steckenpferden und Schlachtrössern zu bleiben - sein Lasso Richtung Wählerstimmen auswerfen.
Der Mann also, der für medienwirksame Auftritte und Polarisierung steht wie kaum ein anderer Liberaler. Der Mann, der sich allenfalls homöopathisch um die Parteilinie in Ampel- und sonstigen Zeiten schert. Derjenige, der auch gerne mal gegen Parteifreunde austeilt. Derjenige, der auch schon mal von Parteikollegen als Quartalsirrer bezeichnet wird. Wobei das noch eine der netteren Umschreibungen ist.
Gelassener Umgang mit der AfD?
Kubicki jetzt also als Retter. Immerhin will der nicht gerade als Feminist verschriene möglichst viele Frauen in sein Team holen. Zumindest wird er mit dieser Absicht zitiert. Das scheint aber auch schon das einzig Neue bei diesem personellen Neuanfang zu sein. Nur damit wir uns richtig verstehen: Kubicki mit seinen Ecken und Kanten bietet einen gewissen, sagen wir mal, stammtischtauglichen Unterhaltungswert. Schafft es damit in die Medien, ist immer für eine Schlagzeile gut. Und - so traurig es klingt - auch das ist angesichts der überhitzten öffentlichen Debatten für die FDP schon ein Wert.
Kubicki steht für einen, nett gesagt, recht gelassenen Umgang mit der AfD. Er hat selbst geschrieben, die FDP dürfe sich nicht zu fein sein, in Wählersegmente vorzudringen, die sie vorher liegen gelassen habe. Die Frage ist nur, ob das die FDP der Zukunft sein soll - und damit ja auch die inhaltliche Zukunft der FDP?
Henning Höne als Zukunftsangebot
Sendung: WDR 5/WDR.de, Westblick, FDP - Wer rettet die Partei?, 07.04.2026, 15:00 Uhr/17:05 Uhr
