Die FDP will ihre Kräfte bündeln. Und heute beim Bundesparteitag soll diese Ankündigung zumindest formal dann auch umgesetzt werden. Die Kampfkandidatur um den Bundesvorsitz der FDP zwischen NRW-Partei- und Fraktionschef Henning Höne und dem Urgestein Wolfgang Kubicki fällt aus. Die Kräfte können also der FDP-Logik folgend gebündelt werden. Höne soll als erster stellvertretender Bundesvorsitzender quasi im Gegenzug viel Einfluss bekommen.
Zum Bündel geschnürte Kräfte
Soweit in der Theorie. Wobei sich rein theoretisch ja auch die Frage stellt, ob nicht auch NACH einer Kampfkandidatur die Kräfte hätten gebündelt werden können. Das hätte den Vorteil, dass jeder der beiden genau wüsste, wo er denn so im Ansehen bei den Delegierten steht. Diese hätten eine echte Aus-Wahl. Aber, das ist Schnee von gestern. Diese Option gibt es nicht mehr. Quasi mit gebündelten und irgendwie auch zum Bündel geschnürten Kräften geht es in den Parteitag.
Nur Vorteile für Höne
Einmal abgesehen von dem einen oder anderen Parteifreund, der vom Rückzug Hönes enttäuscht war, bietet diese Entwicklung für Höne im Grunde nur Vorteile. Der 39-Jährige aus Coesfeld kann sich ganz auf die Landtagswahlen hier in NRW konzentrieren. Immerhin: Im April kommenden Jahres ist es soweit. Spätestens nach den Sommerferien nimmt der Wahlkampf Fahrt auf. Und parallel dazu hätte der Bundesvorsitz einer am Boden liegenden Partei dem Landtagswahlkämpfer Höne enormes an Kraft und Einsatz abgefordert. Denn – da müssen dann tatsächlich die Kräfte im Inneren der Bundespartei erstmal wieder gebündelt werden. Und auch die Wählerinnen und Wähler, die sich bei der letzten Bundestagswahl enttäuscht CDU oder AfD zugewandt haben, muss diese Bundespartei wieder zurück gewinnen. Zumindest in guten Teilen.
Ein Kubicki an der Bundesspitze, das bietet dem Landtagswahlkämpfer Höne zudem den Vorteil, dass die vermutlich eher enttäuschenden Ergebnissen für die FDP bei den in diesem Jahr noch anstehenden Landtagswahlen in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg Vorpommern nicht mit ihm - sondern mit dem dann neuen Bundesvorsitzenden in Verbindung gebracht werden.
Die heutige Wahl als Zwischenschritt
Und wenn alles richtig gut und rund läuft und vielleicht ja auch ein bisschen Glück dabei ist, schafft Höne einen respektablen Wiedereinzug der FDP in den NRW-Landtag. Er wäre ein erfolgreicher Landtagswahlsieger und als solcher hat der 39-Jährige gegenüber dem 74-jährigen Kubicki gute Chancen, im kommenden Jahr den Bundesvorsitz zu übernehmen. Denn - die heutige Wahl ist quasi nur ein Zwischenschritt - im nächsten Jahr wird wieder ein Bundesvorsitzender gekürt und der könnte dann - mal wieder - aus NRW kommen. Mit gebündelten Kräften.
Sendung: WDR.de & Morgenecho / Kommentar zum FDP-Bundesparteitag, 30.05.2026, 07:00 Uhr
