Diese Befürchtung zog sich am Mittwoch in Düsseldorf durch eine Pressekonferenz der nordrhein-westfälischen Bauverbände zum Sondervermögen für Infrastruktur. Aus "ideologischen" Gründen würden mögliche Bau-Investitionen in NRW verhindert, so die Kritik. Der Vorwurf richtet sich - mehr oder weniger direkt - an Wüsts Koalitionspartner, die Grünen.
Kritik an mangelnden Genehmigungen in NRW
Das 500 Milliarden Euro Sondervermögen sei gut, um die "marode" Infrastruktur - von Brücken und Schulen bis zum Wohnungsbestand - zu erneuern, sagte Christian Strunk vom Verband der Bau- und Rohstoffindustrie (Vero). Doch könnten die Pläne am Material scheitern - etwa Kiese, Sande oder Natursteine. Die seien in NRW reichlich vorhanden und die Hauptbestandteile von Beton. "Sie werden benötigt, damit gebaut werden kann."
Strunk zweifelte aber an, ob die Versorgung mit diesen Rohstoffen in NRW für die Bauprojekte sichergestellt sei. Wegen des Sondervermögens werde in den nächsten Jahren mit 20 Prozent mehr Bedarf gerechnet. "Eigentlich ja, wir hätten genug in unserem Land", so der Vero-Geschäftsführer. Aber seine Branche habe in NRW Probleme, Genehmigungen für den Abbau zu bekommen. Die schwarz-grüne Landesregierung erschwere die Rohstoff-Förderung.
Der alte Streit um Kies
Der umstrittene Abbau von Rohstoffen wie Kies und Sand soll reduziert werden, so steht es im neuen Landesentwicklungsplan. Der Kies-Streit ist nicht neu in NRW: Umweltverbände, Anwohner und die seit 2022 mitregierenden Grünen setzen sich seit vielen Jahren dafür ein, den Kiesabbau am Niederrhein zu beschränken - unter anderem zum Schutz des Grundwassers.
Verbände wie Vero argumentieren hingegen: Wenn der Sand- und Kiesabbau in NRW sinke, müssten die Rohstoffe aus weiter entfernten Regionen transportiert werden, was die Umwelt noch mehr belaste. Und die Kosten erhöhe.
Unterstützung bekam die Baulobby am Mittwoch von der Gewerkschaft. "Was nützen die Milliarden auf dem Papier, wenn es am Fundament fehlt", sagte Holger Vermeer, IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), mit Blick auf die geplanten Investitionen. "Was unsere Kolleginnen und Kollegen auf den Baustellen wirklich brauchen, ist Klarheit." Klarheit über Aufträge, Planungssicherheit - und über die Versorgung mit den nötigen Baustoffen.
Gewerkschafter fürchtet um Jobs am Bau
"Während der Bund investiert, verfolgt die Landesregierung in Düsseldorf einen Kurs, der diese Investitionen konterkariert", kritisierte IG-BAU-Landeschef Vermeer. Die geplante Reduzierung der heimischen Kies- und Sandgewinnung, der sogenannte Degressions-Pfad, sei eine "politische Fehlentscheidung". Ohne Rohstoffe keine Baustellen, ohne Baustellen keine Arbeitsplätze, so Vermeer.
Es gehe um Menschen - zum Beispiel um Auszubildende am Bau, aber auch um Familien, die auf bezahlbaren Wohnungsbau angewiesen seien und darauf warteten. "Eine ideologisch motivierte Verknappung von Baustoffen ist sozialpolitisch unverantwortlich", sagte der Gewerkschafter. Rüdiger Otto von den Bauverbänden NRW mahnte zudem funktionierende und schnelle Genehmigungsverfahren an. Die drei Vertreter der Baubranche forderten die Landesregierung zum "Dialog" auf, um Investitionen schnell umzusetzen.
Grünen-Umweltexperte: "Unsinn"
Grünen-MdL Volkhard Wille
Der Grünen-Landtagsabgeordnete Volkhard Wille, Sprecher für Natur- und Umweltschutz seiner Fraktion, wies den Ideologie-Vorwurf der Baulobby als "Unsinn" zurück. Bislang sei auch noch gar nichts konkret passiert - man diskutiere derzeit den neuen Landesentwicklungsplan, auch um schrittweise mehr Recyclingmaterial zu verwenden statt Primär-Rohstoffen wie Sand und Kies.
Zugleich verteidigte der Grünen-Politiker den Plan einer "Kreislaufwirtschaft im Bausektor", da viel Bauschutt wiederverwendet werden könne. "Das ist die Zukunft. Viele Länder in Europa sind da viel weiter als wir", sagte Wille. Viele Unternehmen nutzten diese wirtschaftlichen Chancen schon - aber vielleicht nicht die Firmen der Kies- und Sandindustrie, kritisierte der Landtagsabgeordnete.
Über dieses Thema berichtet der WDR am 25.06.2025 auch im Hörfunk.
Unsere Quellen:
- Strunk, Vermeer und Otto bei Pressekonferenz in Düsseldorf
- eigene Recherchen
- Wille im WDR-Interview
