Industrietag Raumfahrt: Mehr als nur Faszination All

Aktuelle Stunde 27.05.2026 24:59 Min. UT Verfügbar bis 27.05.2028 WDR Von Anne Bielefeld

Industrietag Raumfahrt NRW Ab ins All für mehr Sicherheit

Stand:

"Der Weg ins All führt über NRW", meint Ministerpräsident Wüst. Es gibt auch andere Wege, aber NRW spielt eine wichtige Rolle.

Bei Apollo 11 ging es 1969 noch darum, die Weiten des Alls zu erkunden. Doch die Bedeutung des Weltraums hat sich in den letzten Jahren massiv gewandelt. Jetzt geht es auch darum, vom Weltall aus das Leben auf der Erde zu organisieren und abzusichern. Am Mittwoch ein zentrales Thema auf dem "Industrietag Raumfahrt Nordrhein-Westfalen" im Europäischen Astronautenzentrum der ESA in Köln.

Warum NRW sich als Raumfahrtland sieht

WDR 5 Westblick - aktuell 27.05.2026 06:28 Min. Verfügbar bis 27.05.2027 WDR 5

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Wüst: Europa steht vor Richtungsentscheidung

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) betonte zur Eröffnung der eintägigen Veranstaltung, "die technologischen Möglichkeiten und die geopolitische Bedeutung" der Raumfahrt. Hochauflösende Erdbeobachtung diene dem Katastrophenschutz, Kommunikation und Navigation seien zentral für eine wirksame Verteidigung.

"Europa muss unabhängiger werden bei Schlüsseltechnologien." Hendrik Wüst (CDU)

Als gelungenes Beispiel für "pooling and sharing", also das Bündeln und Teilen von Technologien, nannte der Ministerpräsident das Projekt "GOVSATCOM". Das ist eine Initiative der Europäischen Kommission für sichere und zuverlässige Satelliten-Kommunikationsdienste. "Europa steht vor einer Richtungsentscheidung", mahnte Wüst.

Neubaur: Weltall ist Teil der kritischen Infrastruktur

Für NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur ist das Weltall "zur kritischen Infrastruktur" geworden, darum müsse der "souveräne Zugang zum All" gestärkt werden.

Raumfahrt ist heute Industrie-, Sicherheits- und Resilienzpolitik zugleich. Mona Neubaur (Grüne)

NRW bringe "beste Voraussetzungen" zur Stärkung dieser Strukturen mit: "eine starke industrielle Basis, exzellente Forschung und Unternehmen mit Schlüsselkompetenzen in Zukunftstechnologien."

Köln wird zur Schaltstelle europäischer Kommunikation

Auch André Bauerhin vom deutsch-italienischen Gemeinschaftsunternehmen "Space Opal" ging auf die Bedeutung des Weltalls für die europäische Sicherheitsarchitektur ein. Es gebe eine grundlegende Veränderung der geopolitischen Rahmenbedingungen. So seien kritische Infrastrukturen zunehmend digital und vernetzt. Die Risiken von Cyberangriffen und hybriden Bedrohungen steige. Darum seien "sichere und unabhängige Kommunikations- und Navigationtssysteme unter europäischer Kontrolle" von strategischer Bedeutung.

Bei GOVSATCOM, das Kürzel steht für "Governmental Satellite Communications programme", sollen staatliche Stellen belastbare, sichere Kommunikationsdienste erhalten. Dafür werden zwei Standorte, sogenannte Hubs, in Deutschland und Griechenland eingerichtet. Der deutsche Standort wird in Köln sein, 2028 soll das Gebäude dafür stehen.

Das stärkt die Resilienz und reduziert strategische Abhängigkeiten. André Bauerhin, Space Opal
Galileo-Full-Operational-Capacity-Satelliten (FOC): Satellit und Erdkugel aus dem All gesehen

Satelliten sind unverzichtbar

Der GOVSATCOM Standort in Köln wird laut Bauerhin zur koordinierten Schaltstelle der nationalen Kommunikationskapazitäten. Damit werde Deutschland zu einem "zentralen Knotenpunkt europäischer Sicherheitskommunikation". Integriert werden soll das Satellitenprogramm IRIS, dieses Kürzel steht für "Infrastructure for Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite". Hunderte Satelliten sollen dabei weltallgestützte Kommunikation ermöglichen, auch in Regionen ohne terrestrische Netzabdeckung.

NRW als wichtiger Standort für Weltraumindustrie

"Der Weg ins All führt über Nordrhein-Westfalen", sagte Hendrik Wüst und belegte dies so: "Bei uns haben renommierte, international anerkannte Institute der Luft- und Raumfahrt ihr Zuhause." Dazu gehörten, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Bonn und Köln, die Deutsche Raumfahrtagentur mit Sitz in Bonn, das Astronautenzentrum der ESA in Köln mit LUNA, "Europas modernster Mondsimulation" sowie dem das Weltraumkommando der Bundeswehr am Niederrhein in Uedem (Kreis Kleve). Und in Kürze sei der Spatenstich für den GOVSATCOM-Hub in Köln.

Zudem gebe es "eine exzellente Forschungslandschaft", auch im Bereich Luft- und Raumfahrtechnik. "Und das alles macht Nordrhein-Westfalen zum idealen Raumfahrtsstandort." Als Wirtschaftsfaktor sei die Raumfahrt ebenfalls wichtig, 400 Unternehmen seien in NRW in der Raumfahrt tätig.

Politstatements in Blau und Grau?

Der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) trägt eine Astronautenjacke, im Hintergrund ist das bayerische Landeswappen und der Schriftzug "Mondgipfel"

Bayerischer Mondgipfel

Beim Industrietag Raumfahrt in Köln trug Hendrik Wüst übrigens einen hellen, graubeigen Anzug. Damit hob er sich vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) ab, der sein Bundesland ebenfalls für das deutsche Herzstück der Raumfahrt hält. Söder hat bei einem ähnlichen Termin bereits eine blaue Astronautenjacke getragen.

Aber vielleicht ist Wüsts Anzug ja ebenfalls ein Space-Statement, denn die Mondoberfläche besteht ja bekanntermaßen aus grauem Gestein. Die Landesregierung drückt auf jeden Fall Alexander Gerst und Matthias Maurer fest die Daumen, dass sie im Rahmen der nächsten Mondmission zum Erdtrabanten fliegen können, wie Wirtschaftsministerin Neubaur in ihrem Grußwort sagte.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter beim Industrietag Raumfahrt NRW
  • Mitteilung der NRW-Staatskanzlei

Sendung: WDR 5, Morgenecho/ Raumfahrtland NRW?, 27.05.2026, 6.05 bis 9.45 Uhr

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