NRW wirbt um Studierende | WDR aktuell
WDR. 02:37 Min.. Verfügbar bis 04.05.2028.
Kleiner Abijahrgang : NRW wirbt um Studierende aus anderen Bundesländern
Stand:
In NRW machen Schüler nun wieder nach 13 Jahren Abitur. Deswegen fällt der diesjährige Abijahrgang viel kleiner aus als in anderen Jahren. NRW rechnet für das Studienjahr mit bis zu 17.000 Studienanfängern weniger und wirbt deswegen für ein Studium im Land.
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Jetzt mitdiskutierenIn den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen ist eine Kampagne gestartet, die Werbung für das Studium in Nordrhein-Westfalen machen soll. Auf Social Media, mithilfe gezielter Werbung bei Streamingdiensten und Lernplattformen wird NRW als Studienstandort gepriesen.
Hörsaal in Dortmund
Die Botschaft: NRW ist ein vielfältiges Bundesland mit vielen Hochschulen, exzellenter Forschung und einem direkten Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft.
"Ich bin den Universitäten und den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften sehr dankbar, dass sie gemeinsam mit breiter Brust dafür werben, die Chancen für ein erfolgreiches Studium an den Hochschulen Nordrhein-Westfalens zu nutzen." Ina Brandes (CDU), NRW-Wissenschaftsministerin
In diesem Sommer werden nur rund 30.000 Schülerinnen und Schüler zum Beispiel an Gesamtschulen, Berufskollegs und an sogenannten Bündelungsgymnasien Abitur machen - dort werden Schüler, die beispielsweise ein Jahr wiederholt haben, gemeinsam unterrichtet. Normalerweise liegt die Zahl der Abiturienten bei insgesamt rund 70.000.
Deswegen hoffen die an der Kampagne beteiligten Hochschulen, den Wegfall von bis zu 17.000 Erstsemestern in diesem Studienjahr zumindest teilweise auszugleichen. 3000 zusätzliche Studierende will man durch die Kampagne gewinnen.
Hochschulen werben mit verschiedenen Kampagnenmotiven online und auf Plakaten fürs Studium
Folgen für die Hochschulen
Die Folgen für die einzelnen Hochschulen fallen unterschiedlich aus. Die Hochschule Düsseldorf rechnet damit, dass ihre Studiengänge voll werden, denn die meisten Erstsemester sind keine frischgebackenen Abiturienten, viele haben bereits eine Ausbildung abgeschlossen oder einen Fachhochschulabschluss gemacht.
Birgitta Wolff, Rektorin der Bergischen Universität Wuppertal
Ein anderes Bild ergibt sich an den Universitäten in Siegen, Düsseldorf oder Wuppertal. "Wir rechnen damit, dass bei uns fast ein Drittel unserer Erstsemester ausfallen wird. Eine vorsichtige Schätzung sagt, dass wir über 1000 Studierende weniger haben könnten", erklärt Birgitta Wolff, die Rektorin der Bergischen Universität Wuppertal.
Sinkende Studierendenzahlen können für die Hochschulen langfristig finanzielle Folgen bedeuten, da sie auch Zuweisungen pro Absolventen erhalten. Das will Wolff aber nicht zu hoch hängen, für sie ist wichtig, dass das Land keine Kürzungen geplant hat, die Streichungen beim Studienangebot zur Folge haben.
"Für die Grundfinanzierung der Hochschulen durch das Land hat der kleinere Abiturjahrgang keine Auswirkungen." Ministerium für Kultur und Wissenschaft
In Wuppertal sieht man allerdings die Gefahr, dass einzelne Seminare bei zu geringer Nachfrage abgesagt werden müssen.
Bessere Chancen auf einen Studienplatz
Auf der anderen Seite könnten Studieninteressierte dieses Jahr bei einigen Studiengängen bessere Chancen haben, einen Platz zu ergattern. Auch die Kampagne der Hochschulen verweist darauf: "Wer sich jetzt für ein Studium in NRW entscheidet, profitiert von einem gleichbleibend ausgezeichneten Angebot - bei geringerer Konkurrenz um begehrte Fächer", heißt es. Das könnte in Wuppertal zum Beispiel im Fach Psychologie der Fall sein. Die Uni Münster hat bereits Anfang des Jahres angekündigt, dass der Numerus Clausus (NC), also die benötigte Mindestnote, in elf Fächern wie Soziologie, Erziehungswissenschaften, Geo-Informatik oder Lebensmittelchemie wegfallen könnte. Betroffen sind allerdings nur Studiengänge, bei denen die Hochschulen den NC festlegen, nicht zentral über die Stiftung für Hochschulzulassung.
Willkommene Atempause
Verteufeln will man den kleinen Abijahrgang an den NRW-Hochschulen aber nicht. Rektorin Birgitta Wolff nennt ihn eine "Chance" für die Uni Wuppertal: "Alle können ein bisschen durchatmen. Die Studierenden haben die Wahlmöglichkeiten, in überschaubare Kurse und nicht nur in Massenveranstaltungen zu kommen". Die Uni Siegen verweist darauf, dass kleine Jahrgänge es ermöglichten, Studienangebote qualitativ weiterzuentwickeln.
Ähnlich sehen das Studierendenvertreter. Das Landes-ASten-Treffen hofft, dass der kleine Jahrgang genutzt werden könnte, "um die oft kritisierten schlechten Betreuungsverhältnisse zu verbessern und Studium in kleineren Gruppen effektiver zu gestalten". Gleichzeitig warnt er vor Kürzungen im Studienangebot oder bei den Ressourcen.
Viele Hochschulen in NRW haben sich auf die sinkenden Erstsemesterzahlen vorbereitet, denn sie waren absehbar. So wurde vielfach die Studienberatung anders aufgestellt, auch spezielle Veranstaltungsformate wurden organisiert oder gezielter in den wenigen Schulen mit Abijahrgang geworben. In Wuppertal schaut man trotz allem Zweckoptimismus aber auch schon weiter nach vorn, gibt Brigitta Wolff zu: "Wir alle freuen uns, wenn wir nächstes Jahr so allmählich wieder zu normalen Studierenden-Zahlen zurückkommen."
Unsere Quellen:
- Ministerium für Kultur und Wissenschaft
- Landesrektorenkonferenz
- Landes-ASten-Treffen NRW
- Interview Birgitta Wolff, Rektorin der Bergischen Universität Wuppertal
- Hochschule Düsseldorf
- Heinrich Heine Universität Düsseldorf
- Universität Siegen
- Eigene Recherche
Sendung: wdr.de, Kampagne für Studium in NRW, 04.05.2026, 6 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR Aktuell, 04.05.2026, 12:45 Uhr

2 Kommentare
Kommentar 2: Anonym schreibt am 04.05.2026, 15:35 Uhr :
Warum muss man Werbung in anderen Bundesländern für ein Studium in NRW machen? Die Zahl der Studierenden sinkt bereits und wird weiter sinken wegen der rückläufigen Geburtenrate. Warum nutzt man nicht die Chance und unterzieht alle Hochschulen in NRW mal einem Qualitätscheck? Wo gibt es doppelte und dreifache Angebote mit sinkenden Studierendenzahlen? Welche Hochschulstandorte braucht es (noch)? Lieber weniger als zu viele mit zu vielen freien Plätzen. Die privaten Hochschulen gibt es ja auch noch. Welche Kompetenzen werden am Arbeitsmarkt gebraucht (Lehramt, Soziale Arbeit, Hebammen, Architekten, Ingenieure, IT)? Darauf sollten die Hochschulen besser ausgerichtet sein. Und: Wir brauchen auch Auszubildende. Ein Studium ist nicht das Maß der Dinge. Für viele junge Menschen wäre eine solide Ausbildung besser, weil sie die Chance hätten, neben dem Beruf wichtige soziale Kompetenzen zu erwerben. An einer Hochschule sind sie auf sich allein gestellt. Damit kommen längst nicht alle klar.
Kommentar 1: Anna J. schreibt am 04.05.2026, 14:59 Uhr :
Wer glaubt, dass der kleinere Jahrgang eine Chance ist, die Betreuungsverhältnisse zu verbessern oder eine effektivere Lernatmosphäre zu schaffen, denkt zu kurz. Die Antwort auf diese strukturellen Herausforderungen sind in unserer universitären Umgebung nur durch duale Studiengänge zu stemmen. Nur hier wird eine enge Verzahnung ermöglicht.