Der "weiße Jahrgang" an den Gymnasien: Abi unter besonderen Vorzeichen
WDR. 03:12 Min.. Verfügbar bis 27.03.2028.
Der "weiße Jahrgang" an den Gymnasien: Abi unter besonderen Vorzeichen
Stand:
Kein Abi-Ball, keine Abi-Streiche und auch keine T-Shirts mit dem Aufdruck "Abi 26" : Durch die Systemumstellung von G8 auf G9 gibt es in diesem Jahr so gut wie keine Abiturienten an den Gymnasien in NRW, dafür aber sogenannte "Bündelungsgymnasien" wie in Krefeld.
Erste Schulstunde, Englisch-Leistungskurs, am Gymnasium Horkesgath in Krefeld. Es ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen, der sich hier auf das Abi 2026 vorbereitet. Die Schüler, die hier sitzen, sind Quereinsteiger, sitzen geblieben oder aus anderen Bundesländern hinzugezogen. Denn eigentlich gibt es in diesem Jahr gar keinen Abi-Jahrgang an den Gymnasien. Das liegt an der Umstellung von G8 auf G9.
Zahl der Abiturienten hat sich halbiert
Schüler an den Gymnasien machen zukünftig erst wieder nach dreizehn und nicht nach zwölf Schuljahren Abitur. Betroffen sind davon nur die Gymnasien, an Gesamtschulen und Berufskollegs laufen die Abi-Prüfungen ganz normal weiter. Insgesamt sind es in diesem Jahr landesweit rund 32.000 Abiturienten, weniger als halb so viele wie im Vorjahr.
Wenige Schüler, bessere Betreuung
Die wenigen Schüler, die zum sogenannten "Weißen Jahrgang" gehören, werden an Bündelungsgymnasien zusammengefasst. Die Abi-Jahrgänge sind klein, am Horkesgath-Gymnasium in Krefeld sind es nur vierzig Schüler. Der Erdkunde-Leistungkurs hat gerade einmal vier Schüler. "Dadurch, dass die Stufe so klein ist, ist es auch irgendwie persönlicher, was es für mich zum Lernen angenehmer macht", sagt der neunzehnjährige Max, "die Lehrer haben viel mehr Zeit, sich um einen zu kümmern." Abiturientin Zoei musste das letzte Schuljahr wiederholen und ist positiv überrascht, "die Lehrer gehen individuell auf die Schüler zu, das ist auf jeden Fall ein Vorteil, wenn man ein kleinerer Jahrgangs ist."
Gute Zukunftsaussichten
Weil es in ganz NRW nur wenige Abiturienten gibt, hat der "Weiße Jahrgang" gute Zukunftsaussichten, die Chancen einen Wunsch-Studienplatz zu finden, sind gut. "In Fächern mit einem Numerus Klausus, der nicht ganz so hoch ist, wie zum Beispiel Biochemie, da wird es wahrscheinlich schon leichter", erklärt Professor Axel Görlitz von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, "und in zulassungsfreien Fächern wird es ein besseres Betreuungsverhältnis geben." Die Universität Düsseldorf hat angekündigt, den NC in Fächern wie Kunstgeschichte und medizinischer Physik zu streichen.
Mangel an Azubis?
Viele Ausbildungsbetriebe befürchten sogar, dass es nicht ausreichend viele Bewerber für die Ausbildungsplätze gibt. Die IHK rät den Betrieben darum, frühzeitig auch junge Leute mit anderen Abschlüssen in den Blick zu nehmen. Und auch karitative Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz haben die Befürchtung, dass durch die geringe Zahl an Abiturienten ab Sommer deutlich weniger Menschen ein freiwilliges soziales Jahr machen.
Neusser Gymnasium: Abistreich verkehrt herum
Weil es an den allermeisten Schulen in diesem Jahr keine Abiturienten gibt, fällt auch der traditionelle Abi-Streich aus, bei dem Schüler den Lehrern am letzten Schultag vor den Osterferien Streiche spielen. In einem Neusser Gymnasium haben die Lehrer den Streich kurzerhand umgedreht - und den Schülern einen Streich gespielt. Abi-Streich einmal andersrum sozusagen, inklusive Entführung eines Schülersprechers.
Unsere Quellen:
- IHK
- DRK
- Gymnasium Horkesgath
- Universität Düsseldorf
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 26.03.2026, 19:30 Uhr